Osnabrück  „Ich zieh erst weg, wenn ich tot bin“: Ausstellung zeigt, was Bewohner am Schinkel lieben

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 15.11.2025 09:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mitten im Schinkel in Osnabrück leben die Menschen, die für die neue Ausstellung porträtiert wurden. Wir haben mit einigen vor der Eröffnung gesprochen. Foto: Thomas Wübker
Mitten im Schinkel in Osnabrück leben die Menschen, die für die neue Ausstellung porträtiert wurden. Wir haben mit einigen vor der Eröffnung gesprochen. Foto: Thomas Wübker
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Über den Schinkel wird in Osnabrück viel gesprochen. Doch was sagen eigentlich die Bewohner selbst über ihren Stadtteil? Eine Foto-Ausstellung verrät es – wir haben mit vier Porträtierten vorab gesprochen.

Die Bewohner des Schinkels sind stolz auf ihren Stadtteil, heißt es oft. Aber stimmt das eigentlich? Was gefällt ihnen, was vermissen sie? Wir haben bei vier Menschen nachgefragt, die für eine Ausstellung porträtiert wurden. „Hier lebe ich“ heißt diese, eröffnet wird sie am 20. November im Stadtteilbüro Schinkel.

15 Frauen und Männer mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Wurzeln wurden fotografiert und interviewt, darunter auch der VfL-Shooting Star Ismail Badjie, der im Schinkel wohnt. Die Bilder aber sind nicht nur im Stadtteilbüro, sondern auch in einem türkischen Lebensmittelladen, einem Imbiss oder beim Friseur zu sehen.

Ich bin Ruwayda Muhammed, bin 24 Jahre alt und lebe seit fünf Jahren am Bruchdamm. Mir gefällt am Schinkel, dass es hier das Heinz-Fitschen-Haus, Spielplätze für meine zwei Kinder und Familienbegleitung gibt. Was mich stört: der Müll.

Was ich im Schinkel vermisse, ist ein großer Supermarkt. Ich würde aber nie aus dem Schinkel wegziehen, weil ich denke, er ist ein guter Ort für Kinder und es hier Sicherheit für uns und gute Kindergärten und gute Schulen gibt. Durch den Schinkel habe ich gelernt, dass es für Probleme immer eine Lösung gibt.

Mein Lieblingsplatz im Schinkel ist der Hasepark. Da ist viel Wasser und da kann man gut spazieren gehen. Was der Schinkel hat, was andere Osnabrücker Stadtteile nicht haben? Ich kenne die anderen Stadtteile nicht so gut.

Ich bin Yakub Arslaner, 37 Jahre alt und bin an der Mindener Straße aufgewachsen. Mir gefällt am Schinkel die Vielfalt, die es hier gibt, sei es mit den Menschen, sei es mit den Einkaufsmöglichkeiten. Ich fühle mich halt hier zu Hause. Meine Familie lebt mittlerweile in Lienen. Meine Eltern sind auch vor Kurzem weggezogen, aber bis dahin war ich fast jeden Tag im Schinkel.

Ich musste aus dem Schinkel wegziehen, weil ich 2008 in die Bundeswehr eingezogen wurde und zehn Jahre Soldat war. Da wurde ich dann versetzt.

Was ich im Schinkel vermisse? Meine Kindheit. Ich habe hier Respekt gegenüber den Menschen gelernt und das Leben miteinander. Und das ist etwas, was mich heute stört: An manchen Orten wird keine Rücksicht auf Mitmenschen genommen bezüglich der Sauberkeit. Der Schinkel heute ist nicht mehr der Schinkel, den ich vor zehn, 15 Jahren erlebt habe. Es ist dreckiger geworden.

Ich bin Nelly Rölker, 79 Jahre alt und lebe seit 13 Jahren in der Blücherstraße. Mir gefällt am Schinkel die Vielfältigkeit, also die vielen unterschiedlichen Menschen, auch im Alter, die vielen Nationalitäten und die Offenheit der Menschen. Aber es stört mich, dass in anderen Stadtteilen so schlecht über ihn geredet wird, ohne sich überhaupt erkundigt zu haben, wie der Schinkel wirklich ist. Da herrscht zu wenig Toleranz.

Im Schinkel habe ich gelernt, dass es hinter der Fassade oft anders ist als gedacht. Ich vermisse hier eigentlich nur mehr Kultur. Es sollte neben dem Ostbunker eine weitere Auftrittsmöglichkeit für Bands geben. Und der Wochenmarkt könnte größer sein.

Mein Lieblingsplatz im Schinkel ist der gemeinsame Garten mit meinen Nachbarn in meiner Straße. Wegziehen würde ich nie, weil ich erst wegziehe, wenn ich tot bin.

Ich bin Jenny El-Fadel, bin 53 Jahre alt und im Schinkel zur Schule gegangen. Seit 2019 arbeite ich im Stadtteilbüro an der Tannenburgstraße. Mir gefällt am Schinkel, dass die Menschen und die verschiedenen Kulturen sehr friedlich zusammenleben, obwohl es wirklich viele verschiedene Kulturen sind. Durch den Schinkel habe ich gelernt, dass Integration möglich ist. Die Menschen sind stolz, hier zu leben. Keiner, den ich kenne, will hier wegziehen.

Mich stört am Schinkel der Müll. Und ich finde, es könnte mehr Wohnungen und ein bisschen mehr Förderung auch für junge Familien geben. Mein Lieblingsplatz ist der Hasepark, da fahre ich gerne mit dem Fahrrad durch.

Der Schinkel ist bunt. Das ist nicht nur ein Spruch, das wird hier gelebt. Die Leute halten zusammen und leben friedlich miteinander. Und natürlich gibt es nur im Schinkel den VfL.

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