Oldenburg Streit mit Netzbetreiber: EWE-Kunden warten Ewigkeit auf Zahlungen für PV-Anlage
Seit Monaten warten zahlreiche Betreiber von PV-Anlagen in Ostfriesland auf ihre Einspeisevergütung durch EWE. Mehrere Kontaktversuche beim Netzbetreiber blieben erfolglos. Ist der Rechtsanwalt der letzte Ausweg?
Letzter Ausweg Rechtsanwalt? Einem Ehepaar in Barßel ist nach monatelangem Hin und Her mit EWE Netz der Geduldsfaden gerissen. „Wir werden jetzt einen Mahnbescheid erwirken, wahrscheinlich mit Hilfe eines Rechtsanwalts. Das scheint (...) die einzige Möglichkeit zu sein, mittelfristig an die Einspeisevergütung zu kommen“, heißt es in ihrem Schreiben an die Redaktion.
Seit dem 31. Dezember 2024 wartet das Paar auf die Abrechnung des Energienetzbetreibers für ihre Photovoltaikanlage. Die Abschläge, die bisher jeden Monat überwiesen worden waren, blieben seit Jahresanfang ebenfalls aus, berichten sie. „Wir haben dann zunächst mindestens siebenmal versucht, per Mail die Abrechnung einzufordern und die Zahlung der Abschläge wieder zu erreichen. Allerdings ohne Erfolg.“
Deshalb wandten sich die Barßeler im Juli an ihren Landkreis, denn der Landrat des Landkreises Cloppenburg sitzt im EWE-Aufsichtsrat. „Sein Referent hat sich daraufhin innerhalb weniger Stunden bei uns gemeldet. Es gab bis heute eine Reihe Mails mit diesem Referenten, allerdings ohne finalen Erfolg“, berichtet das Ehepaar.
Auch ein EWE Netz-Mitarbeiter steht seitdem mit ihnen in regelmäßigem Kontakt. Denn es gibt zusätzlich ein Problem mit einem Zählertausch bei einer weiteren PV-Anlage des Ehepaares. „Der Mitarbeiter gibt sich redlich Mühe, aber wirklich ändern kann er auch nichts“, stellen sie fest.
Deshalb haben die beiden Anfang Oktober ihre Forderung mit Verzugszinsen schriftlich bei EWE Netz angemahnt. „Allerdings ist bis heute weder eine Abrechnung noch eine Zahlung bei uns eingegangen.“ Nun überlegen sie, einen Anwalt zu nehmen.
„Wir haben die EWE aus früheren Zeiten als sehr vertrauensvolle und korrekte Institution in Erinnerung, diese Situation jetzt hat uns total überrascht. Deshalb haben wir und wahrscheinlich viele andere bisher gezögert, juristisch schneller vorzugehen. Bei uns ist das bisherige Vertrauen in die EWE in diesem Jahr verloren gegangen“, lautet ihr Fazit.
Der Fall gehört zu den einigen tausend Fällen von Betreibern von PV-Anlagen im EWE-Gebiet, die seit Monaten und sogar Jahren auf ihre Einspeisevergütungen warten. Vor kurzem hat der Oldenburger Energienetzbetreiber angekündigt, dass ausstehende Zahlungen bis Frühjahr 2026 überwiesen werden sollen. Das Unternehmen bittet alle Betroffenen um Geduld.
Im Netzgebiet von EWE Netz gibt es nach Angaben des Unternehmens fast 200.000 Solarstrom-Einspeiser – nahezu alle bekämen ihr Geld ordnungsgemäß. Der Bearbeitungsstau betrifft laut EWE eine mittlere vierstellige Zahl von Fällen.
Eine „fast gute“ Erfahrung in Sachen Solarstromvergütung hat nun Gerhard Cramer aus Uplengen-Hollen gemacht. Zuvor hatte er zwei Jahre lang wegen Stromzählertausches Scherereien mit EWE. Das Problem: Der bei Inbetriebnahme einer PV-Anlage im Juni 2023 neu eingebaute Zähler zeigte keine Werte an, „weder für den Bezug noch für die Einspeisung“, berichtet Cramer. Das fiel auf, als er im Frühjahr 2024 den Stromlieferanten wechselte und EWE die aktuellen Zählerstände für den Strombezug und die Einspeisung brauchte.
Anhand der letzten Werte vom Oktober 2023 wurden Einspeisung und Bezug geschätzt – „die Abrechnung der geschätzten Werte erfolgte dann erst Ende 2024“, berichtet Cramer. Für die Stromeinspeisung von Oktober 2024 bis Frühjahr 2025 habe er dann zeitnah eine Abrechnung erhalten.
Richtig kompliziert wurde es, als er im Oktober 2024 die Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzte: Weil der Gasanschluss damit nicht mehr benötigt wurde, hatte Cramer bei EWE Netz die Trennung beantragt „und auch eine Bestätigung dafür bekommen“. Doch die Umsetzung sei von EWE „vergessen“ worden und auf Nachfrage dann erst im März 2025 durchgeführt worden.
Obwohl seit Oktober kein Gas mehr verbraucht wurde, berechnete der Gas-Lieferant weiter die Grundgebühr und den geschätzten Verbrauch – wie sich später herausstellte, war er von EWE Netz nicht darüber informiert worden, dass der Gasanschluss stillgelegt worden war. Erst als Cramer mit einem Inkassoverfahren drohte, erhielt er sein Geld erstattet, berichtet er.
Dass der Kontakt zu EWE Netz auch sehr nett sein kann, hat Cramer gerade erlebt: Ende September bat ihn der Netzbetreiber per Schreiben um die aktuellen Zählerstände – die sollte er telefonisch melden.
Allerdings stimmte auf dem Schreiben die Adresse nicht. „Aber die Änderung der Adresse wollte der nette Automat nicht akzeptieren. Deshalb habe ich dann direkt bei EWE Netz angerufen und einen netten Mitarbeiter erreicht! Dieser Mitarbeiter war sehr kompetent und hilfsbereit, hat die Daten aufgenommen und die erforderliche Änderung der Rechnungsanschrift durchgeführt“, schreibt Cramer.
Bereits Mitte Oktober erhielt er daraufhin die Abrechnung an die korrekte Anschrift und die Auskunft, dass das Guthaben Anfang November erstattet werden soll. „Ich gehe davon aus, dass die Zahlung auch erfolgen wird“, so Cramer.
Dieser Text erschien zuerst in der „Ostfriesen-Zeitung“.