Osnabrück  Berlin sendet Signal: Neue Hoffnung für Erhalt der FMO-München-Verbindung

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 14.11.2025 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Lufthansa hatte angekündigt, die FMO-München-Verbindung wegen hoher Standortkosten zu prüfen. Die nun geplante Rücknahme der Steuererhöhung gibt dem Flughafen neue Hoffnung. Foto: André Havergo
Die Lufthansa hatte angekündigt, die FMO-München-Verbindung wegen hoher Standortkosten zu prüfen. Die nun geplante Rücknahme der Steuererhöhung gibt dem Flughafen neue Hoffnung. Foto: André Havergo
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Die Bundesregierung will die Erhöhung der Luftverkehrssteuer von 2024 zurücknehmen – eine Entlastung von 350 Millionen Euro ist geplant. So kommentieren die CDU-Bundestagsabgeordneten aus der Region Osnabrück den Beschluss und seine Bedeutung für die FMO–München-Verbindung.

Der Beschluss des Koalitionsausschusses kommt in einer Phase höchster Unsicherheit für den Luftverkehr in Deutschland. Die Bundesregierung wird die Luftverkehrsteuer zum 1. Juli 2026 wieder auf das Niveau zurückführen, das vor der Erhöhung im Jahr 2024 galt. Die Maßnahme ist Teil eines Entlastungspakets im Umfang von 350 Millionen Euro, das Regionalflughäfen stärken und ihnen im internationalen Wettbewerb wieder bessere Chancen verschaffen soll.

Der Koalitionsausschuss begründet die Rücknahme mit der angespannten Lage vieler Flughäfen, die unter hohen Gebühren, steigenden Betriebskosten und wachsender Konkurrenz durch niederländische oder belgische Airports leiden. Gleichzeitig habe die Bundesregierung anerkannt, dass die Zubringerverbindungen zu internationalen Drehkreuzen wie Frankfurt und München für ganze Regionen wirtschaftlich unverzichtbar sind.

Der Beschluss sieht zudem vor, dass die Luftverkehrsteuer im Sommer 2026 wieder auf das Niveau gesenkt wird, das vor der Erhöhung zum 1. Mai 2024 bestand, wie unsere Redaktion aus Koalitionskreisen erfuhr. Gleichzeitig sollen die Flugsicherungskosten bereits 2026 erstmals sinken und bis 2029 um mehr als zehn Prozent reduziert werden. Auch die Kosten für Sicherheitskontrollen sollen durch effizientere Abläufe deutlich geringer ausfallen. Die Einfuhrumsatzsteuer wird reformiert, damit deutsche Flughäfen gegenüber europäischen Standorten wie Amsterdam, Brüssel oder Zürich nicht länger benachteiligt sind. Außerdem soll die nationale Pflichtquote für synthetische Kraftstoffe wegfallen, um die Luftfahrtunternehmen nicht zusätzlich zu belasten.

Damit reagiert die Bundesregierung auch auf die Sorge, dass große Fluggesellschaften wie Lufthansa weitere innerdeutsche Strecken streichen. Der Konzern hatte erst vor Wochen erklärt, dass rund 100 Verbindungen „auf dem Prüfstand“ stehen – darunter ausdrücklich auch die Strecke München–Münster/Osnabrück.

Für die Region Osnabrück ist die Entscheidung ein Wendepunkt. Der Osnabrücker CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg und Lutz Brinkmann aus Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück sprechen von einem „maximal kräftigen Rückenwind“ für den FMO. Man habe in den vergangenen Wochen „intensiv politisch gearbeitet“, wie Middelberg unserer Redaktion sagte.

Aus ihrer Sicht zeigt sich nun, dass der Brandbrief von sieben CDU-Abgeordneten aus Westniedersachsen und dem Münsterland Wirkung entfaltet hat. Die Gruppe hatte den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) eindringlich aufgefordert, die Belastungen des Luftverkehrs zum Thema im Koalitionsausschuss am Donnerstag, 13. November, zu machen. Mit dem jetzigen Beschluss habe die Bundesregierung anerkannt, dass die hohen Staatspreise für innerdeutsche Flüge nicht länger tragbar seien.

Das Bundeskanzleramt soll nun einen konkreten Vorschlag für eine stabile Perspektive des Luftverkehrsstandorts Deutschland erarbeiten. Für den FMO verbessere dies die Ausgangslage in den Gesprächen mit der Lufthansa spürbar, betonen Middelberg und Brinkmann in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Während der Diskussionen über die Steuerbelastung hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr öffentlich erklärt, dass rund 100 innerdeutsche Strecken überprüft würden. Unter ihnen war ausdrücklich auch die Verbindung München–Münster/Osnabrück, die mit voraussichtlich rund 230.000 Passagieren in diesem Jahr zu den wichtigsten Linien des FMO zählt. Ein Wegfall wäre für die regionale Wirtschaft ein erheblicher Verlust – und die letzte Lufthansa-Verbindung des Flughafens zu einem internationalen Drehkreuz.

Wirtschaftsverbände, Unternehmen sowie die Landrätin Anna Kebschull und Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hatten zuletzt massiv gewarnt, dass die internationale Erreichbarkeit des Standorts gefährdet sei. Gerade für exportorientierte mittelständische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Logistikbetriebe sei die München-Verbindung ein entscheidender Faktor.

An diesem Punkt setzen nun auch die Industrie- und Handelskammern an. IHK-Präsident Uwe Goebel und IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf begrüßen den Berliner Beschluss in einer schriftlichen Stellungnahme ausdrücklich: „Die vereinbarte Senkung der Luftverkehrssteuer ist eine gute Entscheidung für die regionale Wirtschaft, die auf verlässliche Flugverbindungen angewiesen ist, um internationale Ziele zu erreichen.“ Jetzt komme es auf die Lufthansa an, dass die FMO-Verbindung nach München auch davon profitiert und Bestand hat.

Damit verstärken die IHKs den politischen Druck auf die Airline – und schaffen zugleich Rückhalt für den FMO, der nun mit deutlich besseren Rahmenbedingungen in die Gespräche mit der Lufthansa geht.

Ob der Berliner Beschluss ausreichen wird, um die Verbindung langfristig zu sichern, entscheiden nun die Gespräche zwischen dem Flughafen Münster/Osnabrück, der Lufthansa und weiteren potenziellen Anbietern. Doch erstmals seit Wochen überwiegt wieder Zuversicht: Die finanziellen Rahmenbedingungen verbessern sich deutlich.

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