Strafprozess  Brookmerlanderin ging im Autoscooter auf Fahrer los

| | 12.11.2025 19:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Autoscooter auf dem diesjährigen Frühjahrsmarkt in Marienhafe. Hier wurde die Mutter handgreiflich. Foto: Folkert Bents
Der Autoscooter auf dem diesjährigen Frühjahrsmarkt in Marienhafe. Hier wurde die Mutter handgreiflich. Foto: Folkert Bents
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Weil ein 15-Jähriger ihren Sohn mehrfach rammte, rastete eine 48-Jährige auf Marienhafer Jahrmarkt aus. Dafür stand sie jetzt vor Gericht. Wie das endete.

Marienhafe/Norden - Irgendwann wurde es ihr zu bunt. Sie wollte nicht länger mit ansehen, wie andere Kinder ihrem Sohn ständig an den Wagen fuhren und ihn ausbremsten. Aus Wut über dessen angeblich rüpelhafte Fahrweise hat eine Mutter beim diesjährigen Frühjahrsmarkt in Marienhafe einen 15-Jährigen attackiert. Am Mittwoch musste sich die 48-Jährige aus Upgant-Schott dafür vor dem Amtsgericht Norden verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihr Körperverletzung vor.

Ständige Kollisionen störten

Und darum ging es: Bei dem gemeinsamen Kirmesbesuch am 7. April dieses Jahres in Marienhafe schaute die Angeklagte ihrem Sohn dabei zu, wie er im Auto-Selbstfahrer seine Runden drehte oder es zumindest versuchte. Denn andere Fahrer ließen das, wie in dem Fahrgeschäft häufig üblich, nicht zu. Mehrfach rammten sie das Elektroauto des Jungen, was ihm offensichtlich missfiel. Auch die Mutter, die zuschaute, störten die ständigen Kollisionen.

In einer Pause zwischen den Fahrten stürmte sie nach Zeugenaussagen wutentbrannt die Fläche und stellte einen 15-Jährigen aus Upgant-Schott zur Rede. Laut Anklage forderte sie ihn auf, ihren Sohn in Ruhe zu lassen. Doch damit nicht genug. Unvermittelt schlug sie dem Jugendlichen mit der rechten Faust ins Gesicht und traf mit voller Wucht seine Nase. Die Eltern des Jungen stellten Strafantrag.

Geständnis unter Tränen

Vor Gericht zeigte die Brookmerlanderin, die von einer geringen Erwerbsminderungsrente lebt, Reue. „Ich gebe es zu. Es tut mir so leid“, sagte sie unter Tränen und von den Umständen sichtlich mitgenommen. Sie wisse nicht, was sie in dem Moment geritten habe. Auf den 15-Jährigen losgegangen sei sie, weil er immer und immer wieder gegen das Auto ihres Sohnes gefahren sei. „Ich habe ihn geschlagen, aber nicht volle Kanne. Nur ganz leicht“, betonte sie.

Nach der Attacke auf einen 15-jährigen Jahrmarktbesucher musste sich eine 48-Jährige am Mittwoch vor dem Amtsgericht Norden verantworten. Foto: Thomas Dirks
Nach der Attacke auf einen 15-jährigen Jahrmarktbesucher musste sich eine 48-Jährige am Mittwoch vor dem Amtsgericht Norden verantworten. Foto: Thomas Dirks

So „leicht“ immerhin, dass der 15-Jährige laut Feststellung eines Arztes eine Verschiebung der Nasenwand erlitt, was ihm nach eigener Aussage eine bis zwei Wochen lang Kopfschmerzen, anhaltendes „Nasenpochen“ und zeitweilige Atemnot bescherte. Drei Tage lang habe er deshalb nicht zur Schule gehen können, berichtete er. Natürlich nicht, entgegnete der Verteidiger der Angeklagten, der Norder Rechtsanwalt Knut Balzer. Er erinnerte daran, dass am Tattag bereits Osterferien waren. Seine Mandantin bat den 15-Jährigen noch im Gerichtssaal um Entschuldigung, die dieser auch annahm. Mit ihrem Geständnis ersparte sie drei Jahrmarktbesuchern, die das Gericht als Zeugen geladen hatte, die Aussage und allen Verfahrensbeteiligten eine längere Prozessdauer.

Geldauflage

Mit Blick auf das Vorstrafenregister der Angeklagten, das keine Eintragungen enthielt, regte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft an, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig einzustellen. Deren Höhe setzte Strafrichter Paul Sehnert mit 400 Euro fest, die die Brookmerlanderin in monatlichen Raten in Höhe von 100 Euro an das Mediationsbüro der Volkshochschule Emden zu zahlen hat. Sobald sie den Geldbetrag vollständig überwiesen und dies dem Amtsgericht nachgewiesen hat, ist das Verfahren gegen sie endgültig beendet, erklärte der Richter.

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