Bonn Social Media erst ab 16? Wieso ausgerechnet der Jugendmedienschutz damit ein Problem hat
Immer wieder flammt die Debatte um eine Art Social-Media-Verbot für Kinder auf. Es geht aber um mehr als nur Gefahrenvermeidung, sagt der Chef der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz, Sebastian Gutknecht.
Sollten Jugendliche erst ab 16 Jahren Zugriff auf Soziale Netzwerke wie Tiktok, Instagram und Co. bekommen? Davon hält der Direktor der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ), Sebastian Gutknecht, wenig. „Im Jugendschutz geht es grundsätzlich nicht nur um die Abschirmung vor bestimmten Inhalte, sondern gleichzeitig auch um die Befähigung zum Umgang mit Risiken – und, als dritte Dimension, um Teilhabe“, sagte der Behördenchef unserer Redaktion. „Dieser Dreiklang ist nicht bloß ein nettes Sonntagsrecht, sondern basiert auf der UN-Kinderrechtskonvention.“
Eine gesetzlich geregelte Altersgrenze könne zwar sinnvoll sein, räumt der Jugendschützer ein. Schließlich zeigten Studien, dass beispielsweise bei Tiktok das vom Betreiber vorgegebene Mindestalter von 13 Jahren millionenfach unterlaufen werde. „16 Jahre für Social Media halte ich aber für zu weitgehend, weil der Aspekt der Teilhabe dann ebenso hinten runter fiele wie der der Medienbildung“, warnt Gutknecht. „Wenn ich erst mit 16 lernen darf, mit Risiken umzugehen, ist das viel zu spät.“ Jugendschutz bedeute auch, dass „wir die Aufgabe haben, junge Menschen so zu begleiten und zu befähigen, dass sie als Erwachsene eigenverantwortlich und gemeinschaftsfähig handeln können“.
Der Chef der BzKJ befürwortet zwar die öffentliche Debatte, warnt aber vor reinem Schwarz-Weiß-Denken. „Wir Erwachsenen haben jungen Menschen eine Medienwelt hingestellt, die Kommunikation und altersgerechtes Miteinander-Großwerden weitgehend in den digitalen Raum verlagert hat. Das ist einfach so“, sagt der 50-jährige Jurist. „Und man vergisst leicht, dass die Welt von Jugendlichen während der Coronazeit ohne Digitalisierung noch weit schlimmer zusammengebrochen wäre.“
Es gehe also darum, „erstens Risiken zu identifizieren und zweitens möglichst wirksame Instrumente zu entwickeln, wie innerhalb des Angebotes diese Risiken idealerweise so eingegrenzt werden können, dass auch jüngere Menschen diese Angebote nutzen können“.
Die Debatte um eine Altersbeschränkung für Social Media flackert seit Monaten immer wieder auf; zuletzt etwa im Zusammenhang mit den online verbreiteten Aufnahmen vom Mordanschlag an Charlie Kirk oder dem „White Tiger“-Fall um psychische Manipulationen von Kindern per Chatroom. Erst kürzlich brachte unter anderem CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann eine solche Altersgrenze von 16 Jahren ins Spiel.
Die australische Regierung sorgte vor einem Jahr mit einem entsprechenden Gesetz, dem weltweit ersten dieser Art, für Aufsehen: Anbieter sozialer Netzwerke müssen dort sicherstellen, dass keine Nutzer unter 16 auf ihre Plattformen zugreifen können. Vor wenigen Wochen führte das Land zudem Ausweiskontrollen für Porno-Webseiten ein.