Kommunalwahlen 2026  AfD will mit eigenen Kandidaten in Aurich und Norden antreten

| | 12.11.2025 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Harald Kutscher (links) Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Aurich-Emden und sein Stellvertreter Stefan Quellmerz. Foto: Rebecca Kresse
Harald Kutscher (links) Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Aurich-Emden und sein Stellvertreter Stefan Quellmerz. Foto: Rebecca Kresse
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Die AfD will bei den Kommunalwahlen in Norden und Aurich sowie bei der Landratswahl im Landkreis Aurich antreten. Die Namen der Kandidaten sollen demnächst veröffentlicht werden.

Norden - Die Alternative für Deutschland (AfD) will sowohl für die Bürgermeisterwahlen in Norden und Aurich als auch für die Wahl des Landrats im Landkreis Aurich jeweils mit einem eigenen Kandidaten antreten. Das teilten der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Aurich-Emden, Harald Kutscher, und sein Stellvertreter Stefan Quellmelz mit. Wer die Kandidaten sein werden, will der Kreisverband in der ersten Dezemberwoche mitteilen, sagte Kutscher. Nach der Gründung des AfD-Kreisverbandes Aurich-Emden Anfang November stellten die beiden sich und ihre politischen Ideen in einem Gespräch mit dieser Zeitung vor.

Harald Kutscher ist nach eigenen Angaben 44 Jahre alt, in Norden geboren und in Halbemond aufgewachsen. Sein Vater sei bei VW angestellt und dort auch als Gewerkschafter aktiv gewesen. Kutscher beschreibt seine Herkunft als sozialdemokratisch, konservativ und christlich. Er sei zur KGS-Hage und später zum Wirtschaftsgymnasium in Norden gegangen, seinen Wehrdienst absolvierte er demnach beim Jagdgeschwader Richthofen in Wittmund. Als gelernter Einzelhandelskaufmann arbeite er für einen großen Discounter, so Kutscher.

Kutscher fühlt sich in AfD „gut aufgehoben“

Stefan Quellmelz ist 47 Jahre alt und stammt gebürtig aus Bremen, hat aber nach eigenen Angaben lange im Ruhrpott gelebt. Ursprünglich habe er Zimmermann und Dachdecker gelernt, später noch den Beruf des Kraftfahrers. Im Anschluss habe er seinen Fachwirt im Bereich Logistiksysteme gemacht und arbeite heute als Angestellter im Bereich der Prozessoptimierung. Wie er sagt, ist er alleinerziehender Vater eines zwölfjährigen Sohnes. Nach Problemen des Sohnes im Ruhrpott mit Gewalterfahrungen habe er entschieden, wieder aufs Land zu ziehen. Sein Sohn habe letztlich entschieden, dass es Norden sein soll. Vor eineinhalb Jahren folgte der Umzug nach Norden.

Kutscher ist nach eigenen Angaben seit 2019 Mitglied bei der AfD. Quellmelz ist erst mit dem Umzug nach Norden in die Partei eingetreten, sagte er. Warum es für beide die AfD sein musste, erklären sie mit dem Wunsch, dass konservative Werte und christliche Traditionen wieder mehr gelebt werden müssten in Deutschland. Es gehe ihnen um Respekt und Toleranz und Nächstenliebe. Die CDU sei für sie nicht infrage gekommen, weil diese Partei ihre Werte nicht mehr nach ihrer Vorstellung vertrete, sagten sie. „In der AfD hat man viel Feind und wenig Ehr’“, sagte Kutscher. Dennoch fühle er sich dort aufgehoben und inhaltlich gut vertreten.

Begriff Remigration sei Auslegungssache

Angesprochen etwa auf den von der AfD geprägten Begriff der Remigration sagte Kutscher, seine Partei schließe niemanden aus. Es gebe auch etliche Mitglieder der Partei mit einem Migrationshintergrund. Außerdem verstehe jeder den Begriff Remigration anders. Wie die AfD den Begriff deutet, wurde bei einem Treffen von AfD-Mitgliedern und Rechtsextremen im Jahr 2023 deutlich, bei dem nicht nur die Abschiebung von Ausländern aus Deutschland, sondern auch von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund besprochen worden sein soll.

Der Kreisverband Aurich-Emden der AfD

Der neue Kreisverband Aurich-Emden hat laut Mitteilung der AfD insgesamt neun Vorstandsmitglieder. Vorsitzender ist der Norder Harald Kutscher. Der 44-Jährige trat bereits 2022 bei den Landtagswahlen für die AfD an. Neben Kutscher sind seine Frau Anke Kutscher und Stefan Quellmerz stellvertretende Vorsitzende. Hinzu kommen Brigitte Bigalke als Schatzmeisterin, Hans-Gerd Stöhr als Schriftführer und vier Beisitzer.

Wie die Agenda für den Kreisverband Aurich-Emden aussehen soll, ist noch nicht klar. „Wir müssen uns als Mitglieder jetzt eine Art Programm geben, um in den Kommunalwahlkampf zu gehen. Das ist die erste große Hürde, das erste große Ziel des neuen Kreisverbandes“, sagte Kutscher. Außerdem müssten Kandidaten für die Kommunalwahlen gefunden werden. Derzeit gebe es im Kreisverband 170 Mitglieder, von denen ein Viertel aktive Mitglieder seien. „Natürlich gibt es schon programmatische Ansätze und Ideen, wo wir Akzente setzen und uns von anderen Parteien abgrenzen können“, sagte Kutscher.

Kutscher will Transparenz

Ihm selbst sei es besonders wichtig, Transparenz zu schaffen. Seinem Eindruck nach herrsche in Ostfriesland und „gerade auch in Norden“, wenig Transparenz, behauptete Kutscher, ohne dies zu belegen. Ihn selbst stört die „NGO-Finanzierung“, wie er sagte. Immer wieder machte er im Gespräch deutlich, dass ihm der Kulturverein Kulturbrennerei Doka ein Dorn im Auge sei. Er wolle transparente Auskunft darüber, wie der Verein von der Stadt unterstützt wird und was der Verein für die Miete des Marktpavillons zahlen muss, sagte Kutscher und vermittelte damit das Gefühl, dass dabei gemauschelt werde. Diese Informationen sind allerdings nicht geheim. Das Thema wurde mehrfach öffentlich in den politischen Gremien diskutiert und die Beschlüsse sind öffentlich einsehbar. Kutscher war in den Sitzungen als Zuhörer allerdings nicht anwesend.

Ein weiterer Punkt, den Kutscher auf seiner Agenda hat, ist die Überprüfung der städtischen Finanzen. Die gehörten „komplett geprüft“. Eine Erkenntnis, die der Norder Rat allerdings schon lange vor Kutscher hatte. Wie berichtet, haben Politik und Verwaltung die Projektgruppe zur nachhaltigen Haushaltsoptimierung ins Leben gerufen. Dafür haben sie sich mit Dörthe Tiemann-Schüürmann zusammengetan. Tiemann-Schüürmann ist beim Rechnungsprüfungsamt im Landkreis Aurich. Zusätzlich arbeitet sie derzeit an ihrer Doktorarbeit im Bereich Nachhaltigkeit in kommunalen Haushalten. Es geht laut Tiemann-Schüürmann unter anderem um die Frage, wie Ressourcen klug eingesetzt werden können, um sowohl die Pflichtaufgaben als auch freiwillige Leistungen erfüllen zu können.

AfD rechnet optimistisch für Norden und Hage

Ein dritter thematischer Schwerpunkt laut Kutscher sei die medizinische Versorgung. Aus seiner Sicht werde sich in der Verwaltung zu wenig darum gekümmert, Ärzte nach Norden zu holen. „Das sollte Chefsache sein“, sagte Quellmelz. Genau das hat Bürgermeister Florian Eiben jüngst getan und dafür gesorgt, dass ab Januar eine neue Gemeinschaftspraxis im ehemaligen Krankenhaus entsteht. „Außerdem“, so Quellmelz, „sollten Menschen an die Unikliniken gehen, um dort bei jungen Ärzten Werbung zu machen für Norden.“ Etwas, was die Verwaltung ebenfalls längst initiiert hat. Aber zu diesem Zeitpunkt lebte Quellmelz noch im Ruhrpott.

Insgesamt wirken der neue Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes und sein Stellvertreter inhaltlich noch nicht sattelfest. Oft bleibt es im Gespräch bei Allgemeinplätzen oder skurrilen Aussagen darüber, „dass man bezweifeln müsse, ob der Klimawandel menschengemacht ist. Auf Themen für den Kreisverband angesprochen beziehen sich beide eher auf Norden statt auch den restlichen Landkreis Aurich oder die Stadt Emden im Blick zu haben.

Was die Wahlen angeht, ist Kutscher nach eigenen Aussagen trotzdem sehr optimistisch, in Norden und in Hage in die Kommunalparlamente einzuziehen. Für jeden Gemeinderat sei diese Annahme jedoch nicht realistisch, so Kutscher.

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