Osnabrück Was den VfL Osnabrück so stark macht - und wo noch Luft nach oben ist
Der VfL Osnabrück steht nach 14 Spielen auf Platz drei der 3. Fußball-Liga. Anhand von Statistiken lässt sich feststellen, was die Lila-Weißen so erfolgreich macht - und wo noch Verbesserungspotenzial besteht. Vier Thesen nach 14 Spieltagen.
Nach etwas mehr als einem Drittel der Spielzeit und 14 absolvierten Spielen steht der VfL Osnabrück zur dritten Länderspielpause der laufenden Drittliga-Saison auf Rang drei mit 26 Punkten. Eine starke Bilanz, besonders in der Rückschau auf die vergangene Spielzeit: Hier hatten die Lila-Weißen nach 14 Partien gerade einmal zehn Punkte auf dem Konto. In der herausragenden Rückserie, die letztlich zum Klassenerhalt langte, holten die Osnabrücker übrigens 27 Punkte aus den ersten 14 Spielen. Was aber macht den VfL in dieser Saison so stark? Vier Thesen mit Blick auf die Statistiken.
Ein Werkzeug, um Spielanteile und die Chancenverteilung zu messen, sind die Expected Goals (xG, übersetzt: erwartete Tore). In dieser Metrik werden den abgegebenen Torschüssen gewisse Erfolgswahrscheinlichkeiten beigemessen: Strafstöße zum Beispiel bekommen bei den meisten Datenanbietern einen Wert von 0,78, weil 78 Prozent aller erhobenen Strafstöße im Tor landen. Die Statistik hat zwar Lücken - etwa bei gefährlichen Flanken, die aber kein Mitspieler zu einem Torschuss verwerten kann - bietet aber gute Anhaltspunkte für die Bewertung von Spielen.
Laut der xG-Statistik steht der VfL ziemlich genau da, wo er hingehört: In den 14 Partien erspielte er bislang 20,27 Expected Goals - also etwas mehr als die bislang erzielten 18 Tore. Er hat also ein leichtes Effizienzproblem, wenn es darum geht, seine Chancen auch in Tore umzuwandeln. Auf der anderen Seite hat der VfL 13,52 Expected Goals zugelassen, aber erst 11 kassiert. Das liegt auch an einem stabilen Torwart, aber dazu später.
Grundsätzlich sind die Abweichungen recht gering, was sich auch beim Blick auf die einzelnen Partien zeigt: Keinen einzigen der 26 erreichten Punkte müsste man anhand der xG als „unverdient“ bezeichnen. Nur bei den beiden Niederlagen gegen 1860 München (1:3) und Hoffenheim II (0:4) hatten die Osnabrücker schlechtere xG-Werte als ihre Gegner, sie waren also gerecht, wenn auch beide etwas zu hoch. Andersherum war der VfL bei seinen fünf Unentschieden jeweils das bessere Team mit Blick auf die Expected Goals - teilweise sogar deutlich.
Es wäre also nicht vermessen, zu sagen: Käme beim VfL noch Glück dazu - er hatte nämlich statistisch gesehen noch keins - oder wäre er effizienter, könnte er noch viel besser dastehen.
Mit erst elf Gegentoren stellt der VfL die beste Abwehr der Liga - das ist offensichtlich. Wie aber schafft er das? In erster Linie sticht das starke Pressing heraus. In der Statistik „Balleroberungen im letzten Drittel“ steht der VfL mit 4,0 pro 90 Minuten auf Rang eins der Liga. Keine andere Mannschaft läuft so erfolgreich hoch an und stört den Spielaufbau des Gegners wie der VfL. Hinzu kommt ein überdurchschnittlich guter Wert bei abgefangenen Bällen pro Spiel (37,9) und der Liga-Bestwert bei Balleroberungen, bzw. zurückgewonnenen Bällen (91,5).
Heißt: Keine andere Mannschaft schafft es so gut, den Gegner von seinem eigenen Tor fernzuhalten - und dafür ist auch die Arbeit im Angriff und Mittelfeld essenziell. Für die Abwehrkette und Stammtorwart Lukas Jonsson gibt es dementsprechend gar nicht so viel zu tun, wie man erwarten würde.
Der Schwede Jonsson ist mit 73,8 Prozent abgewehrter Bälle dennoch auf Rang drei im Ligavergleich der Torhüter. Er profitiert aber gleichzeitig auch davon, dass der VfL bislang nur 42 Schüsse auf sein Tor zugelassen hat - so wenige wie kein anderes Team. Wenn man also über die beste Abwehr der Liga spricht, meint man eigentlich das ganze Team des VfL.
Die Lila-Weißen treten bislang nicht unbedingt als Ballbesitzmannschaft auf. Mit 48,2 Prozent Anteilen im Schnitt steht er in jener Statistik auf Rang 13 und hat mit 76,6 Prozent die viertschwächste Passquote aller Drittligisten. Zum Vergleich: Der SC Verl als einsamer Spitzenreiter in beiden Statistiken hat 65,4 Prozent Ballbesitz im Schnitt und eine Passquote von 86,2 Prozent. Aber: Ballbesitz ist eben kein Erfolgsindikator. Der MSV Duisburg als Tabellenführer zum Beispiel spielt noch weniger Pässe als der VfL bei einer nur leicht besseren Quote.
Man kann also auch ohne die Masse an Ballbesitz erfolgreich sein, denn im Fußball führen viele Wege zum Ziel, nämlich dem gegnerischen Tor: Etwa über schnell gespielte Konter oder Standardsituationen. Bei Ecken zum Beispiel liegt der VfL ganz vorne. 93 hatte er bislang im Saisonverlauf, keine andere Mannschaft erarbeitete sich mehr. Dazu erzielte er bislang daraus vier Tore - jede 23. Ecke (abgerundet) führte also zum Treffer. Eine leicht überdurchschnittliche Quote, es besteht aber durchaus noch Luft nach oben: Schließlich liegt das letzte Tor nach einer Ecke schon eine Weile zurück: Am 1. Oktober traf Fridolin Wagner zum 1:0 gegen Jahn Regensburg in Folge einer Ecke.
Insgesamt kann der VfL noch an seiner Effizienz arbeiten. Mit Lars Kehl (7.) und Robin Meißner (8.) hat er zwei durchaus aktive Offensivspieler, die mit 37 und 36 abgegebenen Torschüssen zu den Top-Zehn der Liga gehören - sie treffen dafür aber noch zu selten. Kehl setzte 5,41 Prozent seiner Schüsse in Tore (2) um, Meißner immerhin 11,11 (4), beides sind aber unterdurchschnittliche Werte im Ligavergleich. Grundsätzlich werden die bislang 18 erzielten Tore nur von fünf anderen Drittligisten unterboten - da geht also noch deutlich mehr.
Trainer Timo Schultz und Direktor Fußball Joe Enochs hatten vor der Saison ein Ziel definiert: Der VfL sollte, anders als in den letzten zwei Jahren, wieder eine Heimmacht werden. Bislang ist dieses Ziel nur bedingt erreicht: Mit zwölf Punkten aus sieben Heimspielen und Rang neun in der Heimtabelle stehen die Osnabrücker zwar nicht schlecht da, aber eben auch nicht richtig gut. Erst sieben Tore erzielte der VfL an der Bremer Brücke. Eine ausbaufähige Bilanz.
Dafür läuft es auswärts rund: Aus sieben Auswärtssspielen holte der VfL 14 Zähler, verlor erst einmal (in München) und ist mit elf Toren auch etwas treffsicherer als daheim. In der Auswärtstabelle sind die Osnabrücker damit Erster. Und auch eine weitere Tabelle führen sie an: die der zweiten Halbzeiten.
Während die ersten 45 Minuten der bisherigen 14 Spiele mit 3:4 Toren und theoretischen 17 Punkten unterdurchschnittlich liefen, geht für den VfL in den zweiten Hälften der Spiele deutlich mehr. 15:7 Tore und 25 Punkte hätte der VfL rein mit Blick auf die zweiten 45 Minuten aller Spiele geholt, Spitzenreiter. Die Lila-Weißen präsentieren sich also als Mannschaft, die vor allem enge Spiele in späteren Phasen auf ihre Seite ziehen kann - so wie zuletzt beim 1:0-Sieg in Cottbus. Und über solche Teams sagt man ja, dass sie ganz gute Karten haben, auch am Ende der Saison weit oben zu landen.