Osnabrück  „Viel zu teuer für den Mist“: Warum die Glühweinpreise dieses Jahr so stark ansteigen

Thomas Hagenbucher
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Von Thomas Hagenbucher
| 11.11.2025 14:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das beliebte Heißgetränk wird 2025 stellenweise für um die fünf Euro pro Becher verkauft werden. Foto: Imago Images/wolterfoto
Das beliebte Heißgetränk wird 2025 stellenweise für um die fünf Euro pro Becher verkauft werden. Foto: Imago Images/wolterfoto
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Die Weihnachtszeit und damit die Glühweinsaison stehen vor der Tür. Doch der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt dürfte für viele mit einem finanziellen Schrecken verbunden sein: Ein Becher wird dieses Jahr teilweise bis zu fünf Euro oder mehr kosten. Woher kommt der steile Preisanstieg?

Eine weitere Schallmauer ist durchbrochen: Mancherorts soll der Becher Glühwein – wohlgemerkt 0,2 Liter – schon fünf Euro kosten, zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt in Düsseldorf, wie die „Rheinische Post“ jüngst berichtet hat.

Aber auch in anderen Städten ist das Heißgetränk alles andere als günstig. Das verärgert nicht wenige Weihnachtsfreunde ganz gewaltig. „Viel zu teuer für den Mist“ oder auch „Weihnachtsmarkt für jeden, wie lange noch?“, lauten die entsprechenden Internet-Kommentare.

Bundesweit sind in diesem Jahr laut Expertenschätzung Preissteigerungen von bis zu zehn Prozent möglich – mit enormen Unterschieden je nach Region und Standbetreiber. Das alkoholische Heißgetränk ist auf jeden Fall ein enormes Geschäft: Mehr als 50 Millionen Liter Glühwein trinken die Deutschen pro Saison – zwischen Karussell und Weihnachtsmarkt-Buden oder auch ganz gemütlich auf dem heimischen Sofa.

„Wir rechnen mit einem Anstieg von regional maximal zehn Prozent“, sagt auch Peter Rotthaus, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Weinkellereien. Das läge daran, dass die internationale Ernte für Fruchtweine so schlecht gewesen sei. „Ansonsten sind es Fracht, Verpackung, Löhne und Energie, die den Preisanstieg beim Glühwein verursachen.“

Ob deshalb tatsächlich Glühwein-Preise von bis zu fünf Euro pro Tasse gerechtfertigt sind, will der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg nicht bewerten. „Preise sind Sache der Unternehmer“, heißt es auf Anfrage der Redaktion.

Ein Gastronom, der einen Glühweinstand betreibt, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, findet das Getränk keineswegs zu teuer und verweist auf die gestiegenen Kosten – zum Beispiel die Standgebühren, die Löhne für Mitarbeiter sowie weitere Gebühren und Kosten wie etwa für das heikle Thema Sicherheit. „Das wird immer mehr und muss auf den Preis umgelegt werden“, sagt der Gastronom. Die traurige Nachricht: Mancherorts sind bereits Weihnachtsmärkte abgesagt worden, weil die Gewährleistung der Sicherheit schlichtweg zu teuer geworden ist.

Der Glühwein-Verkäufer aus dem Raum Stuttgart gibt aber noch etwas ganz anderes zu bedenken: „Man bezahlt ja nicht nur für das bloße Produkt im Becher, sondern auch für das Erlebnis und das Ambiente auf dem Weihnachtsmarkt“, sagt er. Außerdem werde schließlich alles teurer.

Nicht selten wird auf den Weihnachtsmärkten zwischen Glühwein und sogenanntem Winzerglühwein unterschieden – sowohl preislich als auch geschmacklich. „Ein Winzerglühwein unterscheidet sich per rechtlicher Definition von herkömmlichen Glühweinen: Die verwendeten Trauben müssen von den eigenen Rebflächen des Betriebs stammen“, erläutert Hermann Morast, Geschäftsführer des Weinbauverbands Württemberg im Gespräch mit der Redaktion.

Neben weiteren qualitativen Anforderungen an die eingesetzten Gewürze und Aromen stünden Winzerglühweine somit für „regionalen und bewussten Weinkonsum“. „Entsprechend empfehlen wir beim Kauf von Glühweinen, auf die Herkunft und die Betriebe zu achten, die mit ihrem Namen und ihrer regionalen Produktion für Qualität und Authentizität stehen“, sagt der Repräsentant der württembergischen Weingüter und Weingärtnergenossenschaften.

Zu Tassen-Preisen von fünf Euro, wie sie Morast „vereinzelt“ auch auf Weihnachtsmärkten in Württemberg beobachtet, führe die hochwertigere Produktionsweise allein aber nicht. Dafür seien andere Faktoren entscheidend. „Hierzu zählen insbesondere die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen, gestiegene Standgebühren sowie die in den vergangenen Jahren deutlich erhöhten Mindestlöhne“, sagt Morast. Umso wichtiger sei es, dass Verbraucher bei diesen Preisen darauf achten, dass tatsächlich regionale Weine ausgeschenkt werden.

Im Supermarkt und bei den Discountern winken dagegen ganz andere Preise vom Etikett: im Extremfall lediglich 1,99 Euro pro Liter. Doch wie ist das möglich? „Die Kosten für eine Flasche Glühwein im Supermarkt setzen sich aus zahlreichen Komponenten zusammen: Neben der Weinbereitung im Keller, der Abfüllung und dem verwendeten Verpackungsmaterial (Flasche, Verschluss, Etikett) fallen Aufwendungen für Lagerung, Logistik, Vertrieb, Handelsmargen sowie die Mehrwertsteuer an“, berichtet Morast.

„Hinzu kommt das Traubengeld für unsere Weingärtner, das bei Kampfpreisen von teilweise unter 1,99 Euro je Liter Glühwein denkbar äußerst gering ausfällt und für die Betriebe nicht auskömmlich ist“, gibt der Geschäftsführer zu bedenken. „In der Regel sind im Preiseinstiegssegment daher keine regionalen Weine zu finden.“

Wie jüngst eine ZDF-Doku gezeigt hat, befinden sich in den extrem günstigen Glühweinen vor allem Billig-Trauben und sehr große Mengen an Zucker – bis zu 17 Gramm pro Tasse. Der entscheidende Tipp lautet daher: Wenn der Glühwein schon etwas mehr kostet – sei es nun im Supermarkt oder auch auf dem Weihnachtsmarkt –, sollte zumindest die Qualität stimmen. Mit einem Winzerglühwein macht man sehr wahrscheinlich nicht allzu viel falsch.

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