Cottbus Das achte Mal „zu Null“: Wieso Verlässlichkeit beim VfL Osnabrück eine große Rolle spielt
Nach dem 14. Spieltag in der 3. Fußball-Liga steht der VfL Osnabrück auf Rang drei der Tabelle. Die Lila-Weißen sind eine gefestigte Mannschaft. Der 1:0-Sieg im Topspiel bei Energie Cottbus belegt das. Wieso der Beinahe-Absteiger plötzlich von oben grüßt und weshalb er trotzdem gut daran tut, demütig zu bleiben.
Kurz nach dem Abpfiff stimmten die Fans im gut gefüllten Gästeblock ein Lied an, das seine beste Zeit eigentlich schon hinter sich hat: „Wollitz hat gesagt, wir steigen auf!“ Es war vermutlich ein wenig dem Übermut geschuldet nach dem 1:0-Sieg des VfL Osnabrück bei Energie Cottbus. Vor allem aber der Tatsache, dass viele Claus-Dieter Wollitz, den ehemaligen Coach des VfL, wohl gerne ein bisschen ärgern wollten.
Nach 14 Spieltagen vom Aufstieg zu singen, ist selbst für die optimistischsten aller Anhänger doch deutlich zu früh. Und trotzdem, der Gedanke daran dürfte bei einigen in den vergangenen Wochen immer mal wieder aufgeflackert sein - keine Frage. Wer nach etwa einem Drittel der Saison auf Tabellenplatz drei steht, der kann vielleicht auch gar nicht anders.
Timo Schultz kann das schon. Zumindest kann er es recht gut verkaufen, dass er es kann. Der Trainer des VfL erklärte schon vor wenigen Wochen - nach dem 0:4 gegen Hoffenheim II: „Vielleicht hört das Gerede und Geschreibe vom Aufstieg jetzt endlich wieder auf.“ Er will in Ruhe arbeiten. Und vor allem weiß er auch, dass seine Mannschaft keine Überfliegertruppe ist, die die Konkurrenz in Grund und Boden spielt. Die gibt es gerade auch nicht in der Liga. Und auch deshalb setzt sich durch, wer verlässlich punktet. Beim VfL fußt die Konstanz vor allem auf einer großen Stärke: Der Defensive.
Erst elf Gegentore kassierte der VfL. Sieben davon in zwei Partien, die restlichen zwölfmal gab es insgesamt fünf Gegentreffer. Achtmal spielten die Osnabrücker „zu Null“ - genauso oft wie in der gesamten letzten Saison. Es ist ein unglaublich starker Wert und der Grundstein dafür, dass der VfL derzeit oben mitspielt. Ein Verdienst der ganzen Mannschaft. Alle arbeiten mit - angefangen bei Stürmer Meißner und Kreativspieler Lars Kehl.
26 Punkte hat die Mannschaft auf dem Konto. So viel wie Cottbus auf Rang zwei und der Vierte, RW Essen. Gegen beide Klubs hat der VfL bereits gespielt. Ebenso wie gegen den Tabellenführer aus Duisburg, gegen den es vergangenen Woche ein 0:0 gab. Drin gewesen wäre hier vielleicht sogar mehr. Wie in anderen Spielen auch. Doch offensiv ist der VfL dafür nicht effektiv genug. Daran muss und will die Mannschaft arbeiten - auch wenn die Lage vor der Länderspielpause gerade recht freundlich aussieht.
Doch als mahnendes Beispiel darf der SV Sandhausen dienen. Der stand vergangene Saison nach dem 14. Spieltag sogar ganz oben, mit nur 14 Gegentoren. Sieben Siege hatte die Mannschaft bis dahin gesammelt und nur zwei Niederlagen - wie der VfL gerade. Am Ende stieg Sandhausen ab.
Auch deshalb tut der VfL gut daran, nicht übermütig zu werden. Der Trainer gibt auch hier die Richtung vor. Nach dem 1:0 durch Ismail Badjie in der 74. Minute jubelte die Mannschaft gemeinsam mit den Bankspielern vor dem Gästeblock. Schultz blieb indes an der Seite auf seinem Stuhl sitzen, klatschte dort kurz in die Hände und lächelte. Wieso er so verhalten blieb? Es sei ja noch etwas Zeit auf der Uhr gewesen, erklärte der Trainer später seine Reaktion auf das 1:0. Robin Meißner hatte zuvor mit einem feinen Pass mitten durch zwei Cottbuser Spieler hindurch Badjie gefunden. Der 20-Jährige nahm den Ball perfekt mit, traf zum Sieg und sprang so hoch, wie er konnte.
Für Badjie war es schon das dritte Tor in dieser Saison als Joker. Der erste Gratulant: Kevin Wiethaup. Der Mittelfeldspieler hatte in Schweinfurt und gegen Duisburg starke Leistungen gezeigt. In Cottbus war er dennoch auf der Bank geblieben. Weil Schultz offensivstarken Brandenburger etwas mehr Robustheit und Abgeklärtheit entgegensetzen wollte. Der Plan ist aufgegangen. Die Breite des Kaders lässt es zu, dass Schultz nicht nur nach den eigenen Stärken aufstellt, sondern auch nach denen des Gegners - und nach Trainingsleistungen.
Wer sich unter der Woche anbietet, hat gute Chancen auf einen der Plätze im Kader. Und die sind heiß umkämpft. Aktuell ist kein Spieler verletzt. Um alle zu fördern und zu fordern, absolviert der VfL in der kommenden Woche zwei Testspiele an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Eines am Samstag gegen den VfL Bochum. Jeder soll die Chance auf ausreichend Spielpraxis erhalten. Davor aber gibt es drei Tage frei. Das hatte sich die Mannschaft gewünscht und der Trainer versprochen. Es war kein Lohn für den Sieg in Cottbus, sondern eine Abmachung, die auch im Falle einer Niederlage Bestand gehabt hätte. Verlässlichkeit ist beim VfL gerade ein hohes Gut - auf und neben dem Platz.