Hongkong  Reit-Weltverband lockert „Blut-Regel“ – Deutschland kündigt Sonderweg an

Alexander Barklage
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Von Alexander Barklage
| 08.11.2025 20:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Reit-Weltverband lockert eine umstrittene Regel. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
Der Reit-Weltverband lockert eine umstrittene Regel. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
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Die Internationale Reiterliche Vereinigung hat auf ihrer Generalversammlung in Hongkong beschlossen, blutende Pferde bei Springreitturnieren nicht mehr automatisch zu disqualifizieren. Diese Entscheidung sorgt für heftige Diskussionen und Kritik.

Der Pferdesport-Weltverband (FEI) hat auf seiner Generalversammlung am Freitag in Hongkong eine Änderung der umstrittenen „No-Blood-Rule“ beschlossen. Der Vorschlag zur Lockerung der Regelung wurde von 56 Nationen angenommen, während 20 Länder dagegen stimmten, wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) bekannt gab.

Die Entscheidung führt zu scharfer Kritik, insbesondere in Deutschland. Der Präsident der FN, Martin Richenhagen, erklärte in einem Interview, das der Verband veröffentlichte, die Annahme der Regeländerung für einen „Fehler“. Richenhagen warnte eindringlich: „Wir brauchen in dieser Frage keine Grauzonen. Jede sichtbare Verletzung ist ein Signal, das wir ernst nehmen müssen - und kein Anlass, die Messlatte niedriger zu legen. Wenn wir anfangen, Blut zu relativieren, verlieren wir die Achtung vor dem Lebewesen Pferd und das Vertrauen der Gesellschaft.“

Nach den neuen Regeln ist es Pferden nun gestattet, trotz Blutspuren an Wettkämpfen teilzunehmen, sofern ein Tierarzt zuvor sein Einverständnis gegeben hat. Befürworter der Regeländerung argumentierten, dass Blutspuren auch harmlose Ursachen haben könnten, wie etwa ein Biss auf die Zunge oder ein leichter Kratzer an der Haut.

Als weitere Neuerungen im Reglement kündigte Richenhagen an, dass Reiter bei Verfehlungen künftig direkt verwarnt und diese Verwarnungen von der FEI veröffentlicht werden. Er betonte, dass dies bislang nicht der Fall gewesen sei und auch die neu eingeführte vierwöchige Sperre bei zwei Verwarnungen neu in das Reglement aufgenommen werde.

Unmittelbar nach der Abstimmung kündigte FN-Präsident Richenhagen einen nationalen Sonderweg für Deutschland an, um ein klares Zeichen zu setzen. „Unser Anspruch ist, im Pferdesport Vorbild zu sein. Das bedeutet: höchste Standards im Umgang mit unseren Pferden“, so Richenhagen. Er stellte klar: „Pferde mit frischem Blut im Einwirkungsbereich oder einer Verletzung werden hierzulande disqualifiziert und so soll es auch bleiben.“

Auch Tierschützer und Sportexperten äußerten sich besorgt. Eine Petition auf change.org zur Beibehaltung der alten „No-Blood-Rule“ erreichte bis zum 07. November 2025 über 65.000 Unterschriften. Leonie Merheim, Host des Sportschau-Kanals „Die mit den Pferden“, hält die Entscheidung ebenfalls für problematisch. Sie betonte, dass es eine Frage der Verantwortung sei, die Reiter dem Tier gegenüber haben, da „Ein Pferd hat ja keine Stimme.“ Zudem sieht sie in der Lockerung ein negatives Signal an die Öffentlichkeit: „Durch solche Entscheidungen verliert der Reitsport das ohnehin schon angeknackste Vertrauen der Gesellschaft.“

FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibanez räumte ein, dass die Entscheidung nicht einstimmig getroffen wurde. Sie sagte jedoch, der Weltverband habe die Forderung mehrerer nationaler Verbände nach einem „einheitlicheren Ansatz für dieses Thema in allen Disziplinen zur Kenntnis genommen“ und werde sich intensiv mit dieser Frage befassen.

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