Osnabrück  SPD Osnabrück sagt „Ja“ zu Oberbürgermeisterkandidat Alferink: Das Versprechen eines Neuanfangs

Eva Marie Stegmann
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Von Eva Marie Stegmann
| 08.11.2025 09:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Kandidat Robert Alferink ist offiziell gekürt und es gibt Standing Ovations im Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Thomas Osterfeld
Der Kandidat Robert Alferink ist offiziell gekürt und es gibt Standing Ovations im Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Thomas Osterfeld
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Die SPD Osnabrück hat ihren Oberbürgermeisterkandidaten jetzt auch offiziell gewählt. In seiner Rede vor den Delegierten im Piesberger Gesellschaftshaus präsentierte sich Robert Alferink als Mann der Mitte und des Miteinanders. Mit welchen Themen will er punkten – und wie kam das bei den Genossen an?

Robert Alferink heißt der Oberbürgermeisterkandidat der SPD Osnabrück – das haben die Delegierten des SPD-Unterbezirks am Freitag, 7. November, mit einer Mehrheit von rund 88 Prozent entschieden. Klar, eine wirkliche Überraschung war die Personalie ohne Gegenkandidatur nicht, eher eine Formsache.

Immerhin ist Alferink, nachdem die Findungskommission sich im Sommer für ihn entschieden hatte, schon seit Wochen im Vorwahlkampfmodus – ob auf Instagram, seiner Webseite oder auf der Bühne bei 150 Jahre SPD Osnabrück: Überall ist da der 42-Jährige, der die Oberbürgermeisterwahl 2026 für die Sozialdemokraten gewinnen und den Chefsessel im Rathaus einnehmen will.

Also ja, eine Aufstellungsversammlung ohne Überraschung. Interessant war der Abend trotzdem, denn in seiner Rede offenbarte er, wie er sich von Amtsinhaberin Katharina Pötter (CDU), die ihre Kandidatur allerdings noch nicht offiziell bestätigt hat, abheben will. Auch die Grünen, die mit der SPD im Stadtrat die Mehrheitsgruppe bilden, bekamen ein paar Spitzen ab.

„Viele spüren: Es ist Zeit, dass sich etwas bewegt“, begann er. Alferink, der bereits mit 16 Jahren in die SPD eintrat, lebt seit dem Jurastudium in Osnabrück. „Ich trete heute an, weil ich diese Stadt liebe und ich einen Teil von dem zurückgeben möchte, was Osnabrück mir gegeben hat.“ Die Kommunalpolitik habe die Stärke, etwas zu verändern. Unter den letzten sozialdemokratischen Oberbürgermeistern, Hans-Jürgen Fip (Ehrenbürger und Geburtstagskind) und Boris Pistorius (deutscher Verteidigungsminister) habe sich viel bewegt.

Doch, so konstatierte Robert Alferink, die derzeitige Verwaltungsspitze (sprich: Katharina Pötter) kümmere sich mehr um große Prestige-Projekte als die Menschen.

„Viele begegnen mir derzeit in Gartlage, im Schinkel, wo ich lebe und fragen, warum das VfL-Stadion wichtiger ist, als sie.“ Osnabrück müsse sich wieder zuerst um das Wesentliche kümmern und die Dinge anpacken, die das alltägliche Leben der Menschen besser machten, forderte Robert Alferink.

Die Verwaltung müsse bürgernäher werden, flexibler und brauche endlich einen Chef an der Spitze, der ihnen Vertrauen schenke und den Freiraum, zu gestalten. Eine deutliche Spitze gegen die derzeitige Oberbürgermeisterin. Mit ihm, so Alferink, solle es einen Neuanfang geben.

Die Genossen reagierten vor allem bei den Ur-sozialdemokratischen Themen mit viel Zuspruch. Zum Beispiel, als Alferink die Wichtigkeit von bezahlbarem Wohnraum in den Fokus rückte. „Wohnen darf kein Luxus sein“, teure Neubauten seien nicht das, was Osnabrück brauche.

Robert Alferink forderte, die kommunale Wohnungsgesellschaft Wio zu stärken, die „nicht für Profit, sondern für den Menschen“ baue. Das müsse schnell vorangehen. CDU und Grünen warf er vor, dass sie das Ganze durch Abwarten und Prüfen „bremsen, statt entschlossen zu handeln.“

Auch die Wirtschaft kam nicht zu kurz, mit dem Thema kennt er sich aus, immerhin ist der OB-Kandidat, der für die SPD nicht nur im Stadtrat sitzt, sondern auch an der Spitze des SPD-Stadtverbands steht, im Hauptjob Justiziar bei der Industrie- und Handelskammer.

„Ja, das gehört zur Wahrheit dazu, wir brauchen eine starke Wirtschaft“, sagte er den Genossen im Piesberger Gesellschaftshaus. Er wolle Mittelstand, Start-ups fördern und Unternehmen mit kluger Ansiedlungspolitik dazu bringen, dass sie nach Osnabrück kämen. „Wir wollen, dass VW in Osnabrück bleibt.“

Klar ist: Robert Alferink ist einer, der nicht nur gute Kontakte in die Basis hat, sondern auch in die regionale Wirtschaft. Sich selbst bezeichnete er einmal als „eher konservativen SPDler“.

In der Rede standen dann einerseits Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Gerechtigkeit, gute Bildung („Mit mir als OB ist die beschlossene Abschaffung von Krippen- und Hortbeiträgen fix, da gibt es kein Rütteln“) neben andererseits sauberen Straßen und sicheren Wegen, mehr Personal für den Osnabrücker Servicebetrieb.

Robert Alferink, der in der Grafschaft Bentheim aufgewachsen ist und heute zusammen mit Ehemann Stefan im Schinkel lebt, präsentierte sich als Mann der Mitte und des Miteinanders. Etwa beim Thema Verkehr. Nein, er wolle weder nur Autopolitik noch nur Fahrradpolitik wie CDU und Grüne, sagte er, sondern „ein Miteinander statt Gegeneinander auf Osnabrücks Straßen.“ Verlässlicher ÖPNV, Busverbindung in alle Stadtteile, sichere Radwege und eine Innenstadt, die mit dem Auto erreichbar bleibe. „Da führt in einer alternden Gesellschaft kein Weg dran vorbei“, begründete er.

Den lautesten Applaus des Abends aber bekam er, als er die Gemeinschaft im Raum beschwor und ankündigte, dass die Sozialdemokraten eine Mehrheit im Osnabrücker Stadtrat und einen SPD-Oberbürgermeister erleben würden. Dass dafür nun in den Ortsvereinen gute Männer und Frauen gefunden werden, dass gemeinsam Wahlkampf auf den Straßen gemacht werden müsse.

„Die Rede war hervorragend, vor allem das mit dem bezahlbaren Wohnraum ist so wichtig“, sagte Thomas Fillep, Osnabrücker Kämmerer und gemeinsam mit seiner Frau Gast an diesem Abend, später. Neben ihm saß ein weiteres prominentes Gesicht: Chef der Osnabrücker IG Metall, Stephan Soldanski.

Und die Delegierten, die SPD-Basis? Wirkte nicht nur bei den Standing Ovations am Ende sichtlich zufrieden mit ihrem Oberbürgermeisterkandidaten, egal, wen man fragte. „Nur eine Frau zur Auswahl wäre noch ganz nett gewesen“, blieb die einzige verhaltene Kritik.

Daniel Becker vom Ortsverein Voxtrup sagte: „Jetzt geht es in den Wahlkampf, den wir in den sozialen Medien ja schon gestartet haben – wir müssen nämlich gegen eine starke Amtsinhaberin Vollgas geben.“

Transparenzhinweis: In der ersten Version hatte es geheißen, Alferink habe ein Ergebnis von 86 Prozent erzielt. Das war nicht korrekt: Auf Nachfrage teilte er mit, ein Ergebnis von 88,16 Prozent eingefahren zu haben.

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