Spätes Liebesglück  Zwei 90-Jährige gaben sich in Marienhafe das Ja-Wort

| | 07.11.2025 19:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Auto, das Antchen Hohenadel-Redenius und Gerd Redenius zum Standesamt brachte, war passend zum Brautstrauß geschmückt. Foto: Thomas Dirks
Das Auto, das Antchen Hohenadel-Redenius und Gerd Redenius zum Standesamt brachte, war passend zum Brautstrauß geschmückt. Foto: Thomas Dirks
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Antchen Hohenadel und Gerd Redenius trauten sich noch einmal und schlossen im Alter von 90 Jahren den Bund fürs Leben. Ihre Lebensgeschichten berühren.

Marienhafe - Liebe kennt kein Alter: Antchen Hohenadel und Gerd Redenius sind der beste Beweis dafür. Seit zehn Jahren schlagen ihre Herzen füreinander. Am Freitag folgte die Krönung ihrer großen Liebe. Die beiden 90-Jährigen gaben sich in Störtebekers Teestube in Marienhafe das Jawort.

Schicksalsschläge

So berührend wie ihre standesamtliche Trauung sind auch die Lebensgeschichten der beiden Senioren, die in ihrem langen Leben schon einige Schicksalsschläge verkraften mussten und trotz aller Mühen ihre Lebensfreude doch nicht verloren haben.

Antchen Hohenadel erblickte im Juni 1935 in Westermoordorf das Licht der Welt. Ihr Mann Gerd wurde im Februar desselben Jahres in Großwerdum (Wangerland) geboren. Entbehrungen prägten ihre Kindheit und Jugend. Krieg, Armut und schwere Arbeit bestimmten den Alltag. Sie arbeitete in der Landwirtschaft, später auf der elterlichen Hühnerfarm. Er arbeitete als gelernter Monteur im Rohr- und Heizungsbau.

Das Paar auf dem Weg ins Standesamt und in die gemeinsame Ehe. Foto: Thomas Dirks
Das Paar auf dem Weg ins Standesamt und in die gemeinsame Ehe. Foto: Thomas Dirks

Beide fanden im Lauf der Jahre ihr Glück. Für Antchen, die künftig den Doppelnamen Hohenadel-Redenius trägt, ist die Ehe mit Gerd Redenius bereits die dritte. Für ihn ist es die zweite. Beide verloren ihre früheren Partner auf tragische Weise: Antchens erster Mann, mit dem sie neun Kinder hat, wurde ein Opfer des inzwischen verurteilten Krankenpflegers und Patientenmörders Niels Högel. Ihr zweiter Ehemann starb im Sitz neben ihr auf einem Urlaubsflug nach Afrika. Gerds Frau, mit der er 60 Jahre verheiratet war, erlag 2014 einer Krebserkrankung. Und auch das eint das Paar: Beide verloren schon früh jeweils einen Sohn.

So kreuzten sich ihre Lebenswege

Aber das Schicksal meinte es auch gut mit ihnen: Das Paar hat zusammengerechnet mehr als 50 Enkel-, 45 Urenkel- und mehrere Ururenkelkinder, auf die es stolz ist. „Aus allen Kindern ist etwas geworden“, sagt Antchen.

Ihren Kindern haben die beiden es auch zu verdanken, dass sich ihre Lebenswege kreuzten. Sie hätten sie ermuntert, nicht in Trauer zu verharren, sondern sich wieder unter die Leute zu wagen. Beim „Tanz der einsamen Herzen“, so berichten die Frischvermählten, haben sie sich in einem Willmsfelder Lokal kennengelernt. Es funkte sofort zwischen ihnen. Sie schrieb ihm ihre Telefonnummer auf einen Bierdeckel. Er blieb schon nach dem ersten Date bei ihr in Berum, gab dafür seine kleine Landstelle in Westerende-Holzloog für sie auf. Später erfuhren sie, dass ihre Väter einst am selben Tag an der Front in Russland gefallen waren.

Emotionaler Höhepunkt der standesamtlichen Trauung: Liebevoll küsst sich das frisch vermählte Paar. Foto: Sarah Dirks
Emotionaler Höhepunkt der standesamtlichen Trauung: Liebevoll küsst sich das frisch vermählte Paar. Foto: Sarah Dirks

Doch nicht nur das schweißte das Paar zusammen. Die beiden 90-Jährigen verbindet einiges: Die Freude an früheren Reisen, am Autofahren, am Tanzen und an allabendlichen Gesellschaftsspielen. Herausfordernd und spannender als Fernsehen sei das, sagt Gerd. Mühle ist das Lieblingsspiel des Paares, das aber auch gerne Rätsel löst. „Das hält fit im Kopf“, sagt Gerd. Genauso wie moderne Technik. Beide besitzen Smartphones, haben die rund 40 Gäste zu ihrer Trauung per Whatsapp eingeladen.

Erfolgsrezept für das Altwerden

Ziele haben, körperlich und geistig in Bewegung bleiben, das sei wichtig und das Erfolgsrezept für das Altwerden, betont der 90-Jährige. Und zufrieden sein mit dem, was einem das Leben bietet, ergänzt seine Frau. „Wir haben so großes Glück gehabt, uns kennengelernt zu haben“, sagt sie. Dankbar seien sie, für jeden Tag, den sie gemeinsam erlebten. „Das kann uns keiner mehr nehmen“, sagt Gerd zufrieden, auch mit Blick auf die Eheschließung.

Brookmerlands Standesbeamter Thorsten Donker traute das Paar in der Upkamer von Störtebekers Teestube. Foto: Thomas Dirks
Brookmerlands Standesbeamter Thorsten Donker traute das Paar in der Upkamer von Störtebekers Teestube. Foto: Thomas Dirks

„Begegnen Sie sich mit Achtung und Rücksicht und Vertrauen“, gab Brookmerlands Standesbeamter Thorsten Donker dem rüstigen Paar mit auf den zukünftigen gemeinsamen Lebensweg. Für den dienstältesten Standesbeamten im Landkreis Aurich war es eine Premiere: Noch nie zuvor in 35 Dienstjahren traute er zwei 90-Jährige. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagte er.

Eine Hochzeitsreise planen die Eheleute übrigens vorerst nicht. Dafür steht ein anderes Großereignis an. Im Februar des kommenden Jahres zieht das Paar von Marienhafe zu einer der Töchter nach Jever.

Der Moment, in dem Gerd Redenius seiner Frau Antchen den Ehering ansteckte, wurde vielfach im Bild festgehalten. Foto: Thomas Dirks
Der Moment, in dem Gerd Redenius seiner Frau Antchen den Ehering ansteckte, wurde vielfach im Bild festgehalten. Foto: Thomas Dirks

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