Osnabrück Fehlt Energie Cottbus im Topspiel gegen den VfL Osnabrück der Topspieler?
Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied würde dem VfL Osnabrück reichen, um den FC Energie Cottbus in der Tabelle der 3. Fußball-Liga zu überholen. Zum Spitzenspiel an diesem Samstag (14 Uhr) im Leag-Energie-Stadion werden 12.000 Fans erwartet.
Schon wieder spielt der VfL Osnabrück als Tabellenvierter gegen den Zweiten - und wenn es an diesem Samstag ab 14 Uhr auswärts in der Lausitz beim FC Energie Cottbus erneut wie gegen Duisburg einen Punkt gibt, dürfte Timo Schultz nicht ganz unzufrieden sein. Aber: „Wir werden auf Sieg spielen“, sagt der Trainer der Lila-Weißen vor dem Topspiel.
Satte 35 Minuten hat sie gedauert, die Pressekonferenz beim FC Energie Cottbus vor dem Duell mit dem VfL Osnabrück. Trainer Claus-Dieter Wollitz, von 2004 bis 2009 sowie von 2012 bis 2013 an der Seitenlinie der Lila-Weißen, hatte sehr viel zu sagen zu dem für ihn auch immer wieder besonderen Duell gegen seinen Ex-Klub. Der 60-Jährige tritt mit Cottbus bereits zum siebten Mal gegen den VfL an - viermal musste er eine Niederlage einstecken, umso besonderer war der 5:2-Sieg im vergangenen Herbst für ihn an der Bremer Brücke.
Thema in Cottbus war auch das letzte Spiel des FC Energie auswärts beim TSV 1860 München - aus sportlicher Sicht war die 0:3-Niederlage für Wollitz aufgrund der „unfassbaren Überlegenheit“ des eigenen Teams kaum erklärbar. Traurig fand der Trainer zudem, dass nach der rassistischen Attacke eines Zuschauers gegen seinen Spieler Justin Butler einfach weitergespielt wurde. „Ich hätte die 0:2-Niederlage, wie es zu jenem Zeitpunkt stand, einfach anerkannt und aufgehört“, hatte der Coach bereits am Samstag nach der Partie gesagt. Butler hatte sich allerdings selbst nach einer kurzen Pause dazu bereit erklärt, weiterzuspielen - so bleibt der Abbruch der Partie des VfL in Duisburg im Dezember 2021 (beim Stand von 0:0 in der 31. Minute) der bis dato Einzige wegen eines Rassismus-Vorfalls im bundesweiten Profifußball. Damals wurde die Partie wiederholt, der VfL gewann 6:3.
Die weiteren Kernbotschaften der vielen Wollitz-Worte vom Podium: Die 1:2-Heimniederlage aus dem Frühjahr wurmt ihn immer noch - erkennbar an den sarkastischen Kommentaren zum Elfmeter für den VfL sowie zum ersten Gegentor (“vier Meter Abseits“). Die Favoritenrolle liege beim „Topteam“ aus Osnabrück, das schon weiter sei als Cottbus in der Entwicklung - und der Einsatz von Tolcay Cigerci (neun Tore, sechs Vorlagen in 13 Spielen) ist wegen eines grippalen Infekts fraglich.
Auch beim VfL beobachten sie natürlich, ob der Ausnahmespieler der 3. Liga - ein Zocker mit feiner Technik, enormer Dribbelstärke und überagendem Blick für freie Räume - mit dabei sein wird. „Unabhängig davon wird es anders sein als in Schweinfurt. Aber dennoch geht es für uns auch wieder darum, die Umstände direkt anzunehmen und unser Spiel durchzubringen“, sagt VfL-Trainer Schultz - auch mit Blick auf ein temperamentvolles und stellenweise durchaus aggressives Heimpublikum.
Personell kann der 48-Jährige einmal mehr fast aus dem Vollen schöpfen: Nur Stürmer Bernd Riesselmann fehlt wegen eines Infektes, der ihn schon in der Trainingswoche ausgebremst hatte. Personelle Veränderungen im Vergleich zur Startelf gegen Duisburg sind dennoch nicht auszuschließen - vielleicht am Ehesten auf der Doppelsechs neben Bjarke Jacobsen, auf der linken Schiene oder auf der Doppel-Zehn.
Die Stimmung im Team beschreibt Schultz augenzwinkernd als „working-fun“ - also als arbeitsorientiert bei zugleich guter Laune und Zuversicht. Keine schlechten Voraussetzungen für eine Partie, in der sich der VfL vor der letzten Länderspielpause des Jahres so richtig an der Tabellenspitze festbeißen kann. Um danach im Rhythmus zu bleiben - für den Jahresendspurt, der mit dem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt an der Bremer Brücke beginnt (22.11., 16.30 Uhr) - plant der VfL Freundschaftsspiele zu Beginn des spielfreien Wochenendes, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eines davon steigt am Samstag in einer Woche beim Zweitligisten VfL Bochum (Anstoß 12 Uhr).
Zuerst jedoch zählt das Duell in der Lausitz, zu dem der VfL-Tross am Freitagmittag nach dem Abschlusstraining auf der Illoshöhe per Bus aufgebrochen ist. „Es wird speziell - aber solche Spiele muss man als Fußballer einfach mögen“, sagt Schultz mit Blick auf die Tabelle und alle mit der Partie verbundenen Emotionen.