Osnabrück Grundstein gelegt: Osnabrücks Friedensschule ohne Klassenzimmer bekommt Zuhause
Eine Zeitkapsel, ein Manifest und ein Versprechen: Die Grundsteinlegung der Friedensschule war mehr als ein symbolischer Akt. Sie markiert den Beginn eines neuen Kapitels in der Bildungslandschaft Osnabrücks, wenn moderne Pädagogik architektonischen Ausdruck findet.
In den vergangenen Wochen hat die Friedensschule in Osnabrück für positive Schlagzeilen gesorgt. Am Freitag, 7. November, ist mit der feierlichen Grundsteinlegung für das neue Schulgebäude eine weitere hinzugekommen.
Die Friedensschule ist eine Schule ohne Schüler, ohne Lehrer und ohne Schulbücher. Genau genommen gibt es die Schule gar nicht, heißt es in einem Bericht der NOZ von Mai 2025. Ausgerechnet dieses „Phantom“ hat es geschafft, zu den besten 15 Schulen in Deutschland zu gehören.
Bitte was? Das steht dahinter: Schüler sind Lernpartner, Lehrer Lernbegleiter und Klassenräume Lernbüros. Die Schule gibt es natürlich, aber das Gebäude für die moderne und anerkannte Pädagogik ist noch im Werden.
Gegründet wurde die Friedensschule zum Schuljahr 2021/22. Der Unterricht findet seitdem aber in Containern und Teilen der ehemaligen Hauptschule Innenstadt statt. Mitten in Osnabrück, zwischen Rolandsmauer und Hakenstraße, wird zurzeit das neue Zuhause für die Friedensschule gebaut.
„Wir bauen heute ein Haus für die Zukunft des Lernens: offen für Neues, mutig im Denken, friedlich im Handeln.“ Diesen Satz aus dem Manifest der Friedensschule trugen die 14-jährige Lilly-Mia Feist und der 13-jährige Henry Lambert während der Feierstunde vor.
Der Redebeitrag der Schüler reihte sich in mehrere Dankesworte ein. Es sprachen Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, Schulleiter Christoph Wiebke und Architekt Per Köngeter.
Zu den aufmerksamen Zuhörern gehörten unter anderem die beiden Stadträte Wolfgang Beckermann und Thimo Weitemeier sowie Vertreter der Ratsfraktionen und der Verwaltung.
Das Manifest, eine gedruckte Ausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 7. November 2025, ein Foto vom gesamten Planungsteam sowie eine Handvoll Kleingeld kamen in die Zeitkapsel, wie auch eine offizielle Urkunde mit der Beteuerung: „So soll diese Grundsteinlegung nicht nur den Beginn eines Gebäudes markieren, sondern auch das Versprechen, jungen Menschen einen Lern- und Lebensraum zu geben, in dem Freiheit, Verantwortung und Zukunft wachsen können.“
Und dann, der Moment für die Geschichtsbücher: Oberbürgermeisterin Pötter nahm die Maurerkelle in die Hand und versiegelte die Zeitkapsel mit einer Schicht Mörtel im neuen Schulbau. Dem symbolischen Akt schlossen sich die anderen Redner an, auch die beiden Schüler.
Die neue Friedensschule entsteht nach den Plänen des Berliner Architekturbüros Lankes Köngeter in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen „Landschaftsarchitekten Birke Zimmermann“. Das Gebäude wird im Passivhausstandard errichtet, umfasst rund 13.200 Quadratmeter Bruttogrundfläche und soll moderne Lern- und Aufenthaltsräume für eine vierzügige Oberschule bieten.
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 59 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2028 vorgesehen. Köngeter rechnet damit, dass in einem Jahr Richtfest gefeiert werden kann. Der Neubau entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Schule an der Rolandsmauer und des früheren Hauses der Gesundheit, die abgebrochen wurden.
Der Architekt machte in seiner Ansprache deutlich, wie das „pädagogisch innovative Konzept“ der Friedensschule „architektonisch offen“ umgesetzt wird. Dazu gehören jahrgangsübergreifendes Lernen in offenen lichten Räumen, aber auch Rückzugsmöglichkeiten und Bereiche für individuelles konzentriertes Arbeiten, Fachräume und Werkstätten. Der Neubau bekommt Pausenflächen, einen Schulgarten und eine Dachterrasse auf der neuen Sporthalle.
In den Worten von Schulleiter Wiebke: „Die Architektur wird unser pädagogisches Konzept sichtbar machen: offene Lernlandschaften statt Klassenzimmer. Räume für Begegnung statt Trennung und Orte, die zum gemeinsamen Denken und Forschen einladen.“