Osnabrück  Abschiebe-Streit: Die Syrer wollen nicht nach Hause? Das ist eine Unterstellung!

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 07.11.2025 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sie ringen um den richtigen Umgang mit syrischen Flüchtlingen: die Unionspolitiker Johann Wadephul (links) und Friedrich Merz. Foto: dpa/Michael Kappeler
Sie ringen um den richtigen Umgang mit syrischen Flüchtlingen: die Unionspolitiker Johann Wadephul (links) und Friedrich Merz. Foto: dpa/Michael Kappeler
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In der Debatte um den Umgang mit syrischen Flüchtlingen verfestigt sich ein neues Klischee: das vom Schnorrer-Syrer, der hier nicht wieder weg will. Nur: Zu dieser Frage gibt es bisher kaum Erkenntnisse. Und die, die es gibt, weisen in eine andere Richtung.

Die neu aufgeflammte Diskussion, wie Deutschland mit Schutzsuchenden aus Syrien umgehen sollte, verläuft deshalb so hitzig, weil es dabei nicht nur um nüchterne Zuwanderungsstatistiken geht. Sondern mindestens so sehr um große Gefühle.

Der syrische Flüchtling als solcher ist seit Angela Merkels „Wir schaffen das“ vor zehn Jahren gewissermaßen die stille Hauptfigur der Migrationsdebatte, womöglich sogar der deutschen Innen- und Außenpolitik insgesamt. Kein Streitthema, vom Aufstieg der AfD über die EU-Asylreform bis hin zu Merz’ „Stadtbild“, bei dem im kollektiven Unterbewusstsein nicht irgendwo immer auch ein paar Syrer durchs Bild laufen, je nach persönlicher Überzeugung mal verklärt als lauter Ärzte aus Damaskus, mal verdächtigt als potenzielle Messerstecher – jedenfalls als wandelnde Halbwahrheiten.

Der Streit um die Äußerungen von CDU-Außenminister Johann Wadephul, wonach der Zerstörungsgrad syrischer Städte eine Rückkehr von Flüchtlingen womöglich erschwert, fügt diesen Klischees nun noch ein weiteres Zerrbild hinzu: den Schnorrer-Syrer, der hier nicht mehr weg will. 

Deshalb ist ja speziell die Union so nervös bei dem Thema: Die Wähler sollen auf keinen Fall den Eindruck bekommen, der Staat dulde hier massenweise Leute in seinen Sozialsystemen, die längst gar keinen Grund zur Flucht mehr haben: Der syrische Bürgerkrieg ist ja vorbei.

Nur: Dass, wer es einmal aus Syrien hierher geschafft hat, jetzt um jeden Preis hier zu bleiben versucht, ist bisher schlicht eine Unterstellung. Vielleicht wollen viele von ihnen auch so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück, sobald das gefahrlos möglich ist? Oder liegt die Wahrheit am Ende einfach in der Mitte? Erste Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Freitag dazu veröffentlicht hat, weisen jedenfalls in eine klare Richtung: Der syrische Zuzug ist in den vergangenen Monaten eingebrochen, und zugleich verlassen drastisch mehr Syrer Deutschland als noch vor einem Jahr. 

Natürlich kann niemand voraussagen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Das Gegenteil lässt sich aber ebenso wenig behaupten, oder sogar ein bisschen weniger. Jedenfalls ist über die Zukunftsabsichten syrischer Schutzsuchender derzeit weniger bekannt, als viele meinen. Auch das kann ja mal ein Wissensfortschritt in einer Debatte sein: zu merken, was man alles noch nicht weiß. 

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