Osnabrück Heimmacht aus der Lausitz: Wie Cottbus mit neuem System und vier Ex-VfLern oben angreift
Energie Cottbus steht in der 3. Fußball-Liga auf Platz zwei, dank ihrer Heimstärke und vier Ex-VfLern mit guter Entscheidungsfindung. Eine Entwicklung, die Kulttrainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz mit Vorsicht genießt – auch aufgrund des letzten Heimspiels gegen den VfL Osnabrück und eines personellen Fragezeichens.
Die Parallelen zur vergangenen Saison sind beim FC Energie Cottbus im zweiten Drittliga-Jahr nicht von der Hand zu weisen: Obwohl der Fußballverein aus der Lausitz wie in der Spielzeit 2024/25 nur mit einem Sieg aus vier Partien gestartet ist – dafür aber dieses Mal immerhin noch zweimal Remis spielte – folgt in der zweiten Saison in Folge konstant eine starke Reaktion der Cottbuser Mannschaft um Ex-VfLer und Kulttrainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz. Platz zwei und 26 Punkte nach 13 Spielen sind aktuell der Lohn der guten Arbeit, letztes Jahr war der FCE mit 23 Zählern sogar Erster.
Daraus lassen sich erste Tendenzen ableiten: Das Wollitz-Team hat sich trotz eines großen Umbruchs mit 17 Neuzugängen schnell weiterentwickelt. Schon seit der Installation von Kaderplaner Maniyel Nergiz Anfang Januar, der von Anfang Juli bis Mitte November 2024 beim VfL Co-Trainer unter Uwe Koschinat, Pit Reimers und Tim Danneberg gewesen ist. Seine Arbeit kommt nun richtig zum Vorschein. „Entwicklung ist ein großes Wort: Ich bin da zurückhaltender, weil es von Ergebnissen abhängig ist“, erklärt Wollitz bei der Spieltags-Pressekonferenz.
Noch sichtbarer wurde diese Entwicklung nach einem taktischen Kniff des FCE-Trainers, kleinen Anpassungen und vielen Wechseln am fünften Spieltag, die den Grundstein für den Erfolgslauf gelegt haben. Gegenüber dem 1:1 gegen Ingolstadt tauschte Wollitz seine Elf auf fünf Positionen und gewann prompt mit 3:0 in Mannheim: Erstmals und seitdem im Tor steht Marius Funk, der den verletzten Stammkeeper Elias Bethke (Sehnenriss) ersetzt und ebenfalls neu im Sommer in die Lausitz kam. Dieser von Wollitz gezwungenermaßen gute Schachzug ist ein Paradebeispiel für den verbreiterten Kader.
Hinzu kommt die taktische Variabilität: Nach dem vierten Spieltag ging der Cottbuser Trainer vom altbewährten 4-3-3-System auf eine 4-4-2-Formation mit enger Mittelfeldraute über. Die Besetzung und das Spielsystem sind jedoch zweitrangig, wenn man den Worten von Wollitz Glauben schenken mag: „Intensität ist unverhandelbar: Wenn wir die Intensität konstant abrufen, können wir uns entwickeln und Spiele gewinnen. Wenn nicht, ist eine Entwicklung nicht darstellbar.“
Dennoch war die Umstellung hilfreich, da sie auch defensiv noch mehr Sicherheit brachte. Nach acht Gegentreffern aus vier Spielen musste Energie Cottbus nur noch 13 Treffer in neun Partien hinnehmen. Und auch Ex-VfL-Stürmer Erik Engelhardt blühte danach auf, erzielte zwischen Spieltag sieben und zwölf sieben seiner acht Saisontore – und fing somit den noch torlosen Timmy Thiele als Torgarant der vergangenen Jahre in der Offensive auf.
Nur in zwei Heimspielen traf Engelhardt nicht, was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass das Stadion der Freundschaft (seit Dezember 2023 unter dem Namen LEAG Energie Stadion) in dieser Saison wieder zu einer scheinbar uneinnehmbaren Festung geworden ist (vier Siege, zwei Remis). Nur Duisburg ist zu Hause neben Cottbus noch ungeschlagen, jedoch nicht so torhungrig wie die beste Offensive der Liga aus Brandenburg (30 Treffer, davon 18 daheim).
Dass die Lausitzer aber zu knacken sind, hat nicht nur die 0:3-Niederlage beim TSV 1860 München am vergangenen Spieltag gezeigt. Cottbus bildet mit 21 Gegentreffern die siebtschlechteste Abwehr der Liga: Eine Bilanz, die nicht gerade für ein Topteam spricht. Zu der Defensive gehört auch Ex-VfLer Henry Rorig (2022 bis 2024 beim VfL), der als Rechtsverteidiger den Offensivgeist seines Teams offenbar verinnerlicht hat und bereits ein Tor und vier Assists verzeichnet.
Auch der VfL Osnabrück weiß, wie man drei Punkte aus dem Cottbuser Stadion entführt, wo dieses Mal um die 12.000 Fans erwartet werden. Am 26. Spieltag der vergangenen Saison gab es für die Lila-Weißen einen 2:1-Sieg durch den Doppelpack von Marcus Müller, darauf blickt Wollitz ungern zurück und lässt mit etwas Sarkasmus durchklingen: „Vielleicht sind sie gegen uns motivierter, weil ich hier Trainer bin. Ein Tor aus vier Metern abseits kann man mal übersehen und den Elfmeter kann man auch mal geben (Anm. d. Red. Anspielung auf die Gegentore).“
Der VfL durchbrach damals Cottbus-Serie von elf ungeschlagenen Partien vor heimischer Kulisse. Letztmals verlor der VfL dort 2011, auch damals saß Wollitz schon auf dem Cottbuser Trainerstuhl – ein gutes Omen für den VfL. Auch dieses Mal besteht diese Heimstärke, ohnehin holte Energie zuletzt 15 von möglichen 18 Punkten. Ob in Tolcay Ciğerci (neun Tore, sechs Vorlagen) ihr bester Scorer mit dabei sein wird, ist noch unklar. Der Schlüsselspieler konnte mit einem grippalen Infekt noch nicht mit der Mannschaft trainieren. „Wenn Tolgi sagt, dass er zu 80 Prozent fit ist, kann er am Samstag nicht spielen – das funktioniert nicht“, betont der Trainer.
Für den 60-Jährigen und den Tabellenzweiten wäre es im Spitzenspiel gegen den Vierten ein bitterer Ausfall. Er sieht den VfL Osnabrück mit „guten Ankerspielern und einer erfahrenen Achse mit guten Anläufern und Außenbahnspielern“ als Topmannschaft. Eine Bezeichnung, die laut ihm nicht auf sein Team zutrifft, zumindest noch nicht – auch wenn die Entwicklung der letzten Wochen und Monate in Cottbus nach oben geht.