Hamburg  DFB-Elf im Legenden-Look: Dieses Trikot ist ein Auftrag

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 07.11.2025 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Fußball-Ikonen Lothar Matthäus (v.l.) und Rudi Völler feiern den WM-Sieg gegen Argentinien 1990 im Olympiastadion in Rom. Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel
Die Fußball-Ikonen Lothar Matthäus (v.l.) und Rudi Völler feiern den WM-Sieg gegen Argentinien 1990 im Olympiastadion in Rom. Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel
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Mit dem Retro-Look des neuen DFB-Trikots beschwört Adidas die guten alten Zeiten herauf. Hat die heutige Männer-Nationalmannschaft das Zeug, in die Fußstapfen der Titelhelden von 1990 zu treten? Die beschworene „Weltklasse“ gilt es, auf dem Fußballplatz zu beweisen.

Das neue Adidas-Heimtrikot des DFB ist unübersehbar eine Hommage an die Weltmeister-Jerseys von 1990. Stürmer Nick Woltemade bezeichnete das Design gar als „Weltklasse“ – eine Einschätzung, die mehr über die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten als über den aktuellen Leistungsstand der deutschen Männer-DFB-Elf verrät. Der Retro-Look ist zwar ein cleverer Marketing-Schachzug, doch wirft er unweigerlich die Frage auf: Lassen sich die heutigen Nationalspieler überhaupt mit den Ikonen von damals vergleichen?

Das aktuelle Nationalteam steht, anders als die Fußball-Ikonen, die 1990 gegen Argentinien Weltmeister wurden, vor der Herausforderung, verlorene sportliche Reputation zurückzugewinnen. Bei den vergangenen Wettbewerben schied die als Turniermannschaft bekannte DFB-Elf früh aus. Nur ungern erinnert man sich an das Vorrunden-Aus 2022. Mit den Titelhelden von 1990 hat das nicht mehr viel zu tun.

Die einstige Nationalelf um Lothar Matthäus, Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Andi Brehme zeichnete sich durch eine unvergleichliche Turnierhärte und die Fähigkeit aus, in den entscheidenden Momenten zu liefern. In Erinnerung bleibt wohl vor allem Andi Brehmes Elfmeter, der Deutschland in der 85. Minute gegen Argentinien den WM-Sieg bescherte. Im Turnier zeigte das Beckenbauer-Team eine Konstanz, die der aktuellen DFB-Elf schmerzlich fehlt.

Zweifellos ist die heutige Mannschaft technisch versierter, athletischer und taktisch flexibler als ihre Pendants vor mehr als 30 Jahren. Spieler wie Florian Wirtz, Leroy Sané, der es nun doch zurück in den Kader geschafft hat und Nick Woltemade bringen außerdem eine individuelle Qualität mit, die erneut das Potenzial für „Weltklasse“-Momente hätte. Doch Talent allein gewinnt keine Titel. Ein eiserner Wille und die defensive Stabilität, die Ikonen wie Jürgen Kohler und Guido Buchwald verkörperten, fehlt der aktuellen DFB-Auswahl.

Das neue Trikot ist daher mehr als nur ein schönes Kleidungsstück. Es ist eine Erinnerung und zugleich ein Auftrag. Wer sich in die Ästhetik vergangener Erfolge hüllt, sollte aufpassen, dass er nicht in ihnen stecken bleibt.  „Weltklasse“ entsteht nicht im Rückspiegel, sondern auf dem Platz.

Auf dem eigenen Instagram-Account zeigt der DFB Bilder der neuen Trikots:

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