Osnabrück  Auf dem Weg zur Klimaneutralität 2040: Der Verkehr bremst Osnabrück aus

Julian Blome
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Von Julian Blome
| 10.11.2025 07:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Der Verkehr hinkt hinterher“: In Osnabrück entwickelten sich die klimaschädlichen Emissionen in diesem Sektor in eine andere Richtung als gewünscht. Foto: Michael Gründel
„Der Verkehr hinkt hinterher“: In Osnabrück entwickelten sich die klimaschädlichen Emissionen in diesem Sektor in eine andere Richtung als gewünscht. Foto: Michael Gründel
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Klimaneutralität bis 2040: Dieses Ziel hat sich Osnabrück auf die Fahne geschrieben. Der CO2-Fußabdruck der Stadt schrumpft, aber er schrumpft nicht schnell genug. Zu langsam voran geht es im Verkehr.

Die Stadt Osnabrück will bis 2040 klimaneutral sein. Mit dem Vorreiterkonzept Klimaschutz hat sie konkrete Maßnahmen eingeleitet, die darauf abzielen, die städtische CO2-Bilanz zu minimieren. Besonders im Fokus stehen dabei die drei Handlungsfelder Wärme, Strom und Verkehr.

Gut ein Jahr nachdem der Rat der Stadt Osnabrück das Vorreiterkonzept Klimaschutz auf den Weg gebracht hat, stand ein Zwischenfazit an. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt diskutierte in seiner Sitzung am Donnerstag, 30. Oktober, wie die Umsetzung der Maßnahmen voranschreitet.

Im Jahr 2023 wurden pro Einwohner 6,44 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Damit die Stadt als klimaneutral gilt, darf es maximal eine Tonne sein. Die gute Nachricht: Die Emissionen sind rückgängig. Seit 1990, dem Referenzjahr, haben sie sich halbiert, was die Stadt als Meilenstein wertet. Die schlechte Nachricht: Der Rückgang der Emissionen geht nicht schnell genug voran. Setzt sich der aktuelle Trend fort, wäre die Klimaneutralität erst 2050 erreicht.

Die Emissionen wurden im Jahr 2023 etwa zu gleichen Teilen von Wirtschaft, privaten Haushalten und Verkehr verursacht. Bei Ansicht der Zahlen fällt auf: Die Sektoren Wirtschaft und private Haushalte konnten in den vergangenen Jahren zum Teil enorme Rückgänge verzeichnen. Nur der Sektor Verkehr stagnierte zuletzt, entwickelte sich über einen längeren Zeitraum sogar negativ. Tatsächlich stiegen hier die Kohlendioxid-Emissionen gegenüber 1990 um 10 Prozent.

„Die Handlungsfelder entwickeln sich unterschiedlich gut“, sagte Brigitte Strathmann, Leiterin des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, im Stadtentwicklungsausschuss. In den Bereichen Wärme und Strom seien bereits Fortschritte zu erkennen. Im Bereich Verkehr hingegen bestünden die größten Herausforderungen. „Der Verkehr hinkt hinterher“, brachte Strathmann es auf den Punkt.

Im Handlungsfeld Mobilität setzen der Fachbereich Städtebau und die Stadtwerke Osnabrück derzeit einige Maßnahmen um, die zum einen umweltfreundliche Methoden der Fortbewegung attraktiver, zum anderen die Fortbewegungsmittel an sich umweltverträglicher machen sollen. Dazu zählen etwa der Ausbau des Radverkehrsnetzes oder die weitere Elektrifizierung des ÖPNV.

Emissionen im Verkehr zu reduzieren, das sei kommunal nur bedingt zu beeinflussen, sagte Thimo Weitemeier, Stadtrat für Bauen, Umwelt und Verkehr. Die Wahl des Transportmittels bleibe eine individuelle Entscheidung des Bürgers. Es sei richtig, Maßnahmen anzustoßen, die den Umstieg auf umweltschonende Alternativen erleichtern. Und: „Wir müssen Geschwindigkeit reinkriegen.“

Im Fokus der kommunalen Anstrengungen steht vor allem der Busverkehr. Der Linienverkehr soll beschleunigt, die Fahrzeuge sollen emissionsärmer werden. Bereits jetzt ist die durch die Stadtwerke betriebene Flotte zu 72 Prozent elektrifiziert, mit den neuesten Bestellungen wird die Quote zeitnah auf 94 Prozent steigen.

„Wir dürfen nicht nachlassen“, sagte Strathmann im Hinblick auf die Bemühungen zum Klimaschutz. Sie forderte konkrete Maßnahmen im öffentlichen Raum, statt nur den Vergleich von Zahlen. „Klimaschutz ist eine stadtgesellschaftliche Aufgabe. Der Impuls muss aus der Zivilgesellschaft kommen.“

Die Stadt möchte das Thema deshalb in der Öffentlichkeit vorantreiben. Beim ersten Osnabrücker Klima-Abend am 19. November in der Lagerhalle sind alle Bürger dazu eingeladen, mit Vertretern aus der Kommunalpolitik in den Dialog zu kommen und sich über den Klimaschutz in der Stadt auszutauschen.

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