Berlin  Kollaps auf Raten? So steht es wirklich um die Sanierung deutscher Autobahnbrücken

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 06.11.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So wie die Schlachthofbrücke der Autobahn A40 in Bochum 2024 müssen auch in diesem und in den kommenden Jahren Hunderte Brücken saniert werden. Sonst drohen Sperrungen. Foto: IMAGO/Rüdiger Wölk
So wie die Schlachthofbrücke der Autobahn A40 in Bochum 2024 müssen auch in diesem und in den kommenden Jahren Hunderte Brücken saniert werden. Sonst drohen Sperrungen. Foto: IMAGO/Rüdiger Wölk
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Etwa 8000 Autobahnbrücken in Deutschland müssen saniert werden. Schon die Ampel hatte Tempo versprochen, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Indes steht die Autobahn GmbH in der Kritik: Wurde bei Erfolgsmeldungen getrickst?

Die Sanierung der deutschen Autobahnbrücken hängt auch unter dem neuen Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) deutlich hinterher. Interne Zahlen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion bestätigen nun offiziell, was Kritiker seit Langem vermuten: Die zuständige Autobahn GmbH arbeitet weit unter den selbst gesteckten Zielen. Wird trotz schlechter Ergebnisse bei Erfolgsmeldungen getrickst?

Die Ausgangslage in Deutschland ist alarmierend: Rund 8000 Autobahnbrücken in Deutschland sind sanierungsbedürftig oder komplett marode. Ursprünglich forderte der Bundesrechnungshof deswegen schon vor Jahren, dass der Bund ab 2022 jährlich mehr als 450 Teilbauwerke modernisiert oder saniert. Nur diese massive Anstrengung hätte das Brückenmodernisierungsprogramm auf Kurs gehalten – ohne Sanierung droht vielen Brücken die vorläufige Sperrung.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht, vermeldete die Autobahn GmbH 2024 etwas über 300 Bauwerke. Für 2025 erwartet die Autobahn-GmbH jedoch nur rund 170 abgeschlossene Projekte. Im kommenden Jahr rechnet das Verkehrsministerium damit, rund 200 Brücken instand setzen zu können – weniger als noch 2024. Das bedeutet einen offiziellen Rückstand von über 50 Prozent gegenüber dem von Experten als nötig erachteten Pensum.

Ob Deutschland wirklich nur einen Rückstand von 50 Prozent aufholen muss, ist zweifelhaft. Denn selbst die unzureichenden Erfolgsmeldungen der Autobahn GmbH im Bereich der Sanierungen von Autobahnbrücken werfen Fragen auf. Die Autobahn GmbH hatte auch Brückenbauwerke gemeldet, die nicht modernisiert, sondern neu gebaut worden waren, oder solche, die gar nicht hätten modernisiert werden müssen.

Der Bundesrechnungshof stellte laut Antwort der Bundesregierung fest, dass im vergangenen Jahr nur rund ein Viertel der abgeschlossenen Teilbauwerke wirklich den Auswahlkriterien des Brückenmodernisierungsprogramms entsprachen – 2023 waren es 40 Prozent. Mit anderen Worten: Ein Großteil der vermeintlichen Erfolge fällt gar nicht in den Bereich, der für die Brückensanierungen auf deutschen Autobahnen dringend gebraucht wird.

Ursprünglich hatte die Autobahn GmbH, zu 100 Prozent in der Hand des Bundes, geplant, in zehn Jahren 4000 Brücken zu erneuern. Das würde einer jährlichen Leistung von etwa 400 Bauwerken entsprechen. Nach derzeitigem Tempo würden die geplanten 4000 Bauwerke allerdings keine zehn, sondern fast 20 Jahre dauern.

Nun steckt sich die Bundesregierung ein neues Ziel: „Bis 2030 wird sich die Anzahl der modernisierten Brücken voraussichtlich sukzessive auf über 400 Teilbauwerke pro Jahr erhöhen“, heißt es in der Antwort an die Grünen. Doch auch das könnte nicht reichen. Laut Bundesrechnungshof ist der Bedarf an jährlich zu modernisierenden Teilbauten nämlich bereits auf 600 angestiegen. Konkrete Informationen zu einzelnen Brücken sind über die interaktive Brückenkarte des Bundes online abrufbar.

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