Mainz  Interne Zensur beim ZDF? Journalisten beklagen „Kaltstellung“ nach Kritik

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 06.11.2025 10:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Debatte um die redaktionelle Unabhängigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nimmt indes weiter an Fahrt auf. Foto: IMAGO / Panama Pictures
Die Debatte um die redaktionelle Unabhängigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nimmt indes weiter an Fahrt auf. Foto: IMAGO / Panama Pictures
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Mehrere ZDF-Journalisten berichten von interner Zensur und beruflicher Ausgrenzung nach Kritik an Senderstrukturen. Der NRW-Medienminister fordert Aufklärung durch die ZDF-Intendanz. Was steckt hinter den Vorwürfen?

Zensiert das ZDF seine eigenen Mitarbeiter? Innerhalb des ZDF erheben mehrere Journalisten schwere Vorwürfe gegen den Sender und sprechen unter anderem von der Unterdrückung kritischer Themen und missliebiger Stimmen. Der Sender weist die Vorwürfe zurück. Im Zentrum der aktuellen Berichterstattung steht der ZDF-Redakteur Andreas Halbach, der nach seiner öffentlichen Kritik im nordrhein-westfälischen Landtag nach eigenen Angaben beruflich „kaltgestellt“ wurde – auch der zuständige Minister in NRW äußerte sich kritisch. Zuerst hatten „Focus“ und „Cicero“ berichtet.

Halbach, Journalist der Redaktion „Frontal“, berichtete Ende September vor dem Medienausschuss des Landtags NRW über angebliche Missstände beim öffentlich-rechtlichen Sender. Sechs Tage nach seinem Auftritt seien die Konsequenzen für ihn spürbar geworden. Er sagte dem Magazin „Cicero“, dass er beruflich ins Abseits gedrängt werde.

Nach seiner Kritik im Landtag würden sich nun mehrere „Chefs vom Dienst“ weigern, mit ihm zusammenzuarbeiten, so der Journalist. Eine aktuelle Recherche, die bereits mehrere tausend Euro gekostet haben soll, sei auch deswegen gerade „auf hold“, laufe also nicht weiter. Auch von Strafversetzungen sprach Halbach vor dem Ausschuss.

Auch Halbachs ehemaliger „Frontal“-Kollege Joe Sperling spricht gegenüber „Focus“ von Sanktionen innerhalb der Rundfunkanstalt. Er selbst sei von der „Frontal“-Redaktion in Berlin nach Mainz in die Boulevardredaktion „Hallo Deutschland“ versetzt worden. Diese Versetzung, die er als Strafe empfinde, liegt länger zurück, aber er fühle sich nach wie vor ausgegrenzt: Er werde zwar bezahlt, sei aber stillgelegt, da seine Vorschläge oftmals im Papierkorb landeten, weil sie „zu investigativ“ seien, wie er gegenüber „Focus“ sagte.

„Ich bin der strafversetzte Ex-frontal-Kollege, also genau der Fall, von dem das ZDF behauptet, er existiere nicht“, so Sperling. Die Rundfunkanstalt hatte Strafversetzungen geleugnet und die Aussagen Halbachs und Sperlings als Falschbehauptungen zurückgewiesen. Begründet worden sei seine Versetzung nach Mainz damals jedoch nicht. Zusammenfassend sagt Sperling: „Wer intern Fragen stellt, riskiert seine Karriere.“

Die Debatte um die redaktionelle Unabhängigkeit innerhalb des ZDF nimmt indes weiter an Fahrt auf. Auf Anfrage von „Focus“ habe ein Sprecher des zuständigen Ministers Nathanael Liminski (CDU) aus Nordrhein-Westfalen gesagt: „Nach Wahrnehmung des Ministers beschädigt der Vorgang das Ansehen des Senders“. Um die Situation zu klären, werde der Minister die Intendanz des ZDF deswegen auch um eine Stellungnahme bitten.

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