Auricher Wochenmarkt Stadt will Marktbeschicker von Standgebühren befreien
16 Monate lang sollen Händler kostenlos auf dem Auricher Wochenmarkt stehen dürfen. Die Stadt kostet die Maßnahme 22.000 Euro. Im Ausschuss wurde kontrovers diskutiert.
Aurich – Es geht nicht ums große Geld, sondern eher ums Signal. Am Dienstag standen die Standgebühren für Beschicker des Auricher Wochenmarktes auf der Agenda des Ausschusses für Feuerwehr, Ordnung und Bürgerdienste. Geht es nach der Verwaltung und auch nach dem Ausschuss, sollen die Standgebühren rückwirkend vom 1. September 2025 bis 31. Dezember 2026 ausgesetzt werden. Für die Stadt bedeutet das einen Einnahmeverzicht von rund 22.000 Euro. Für die Verwaltung sei die Maßnahme ein „Baustein, den es auszuprobieren gilt“, sagte Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht. Er erhofft sich durch das Aussetzen der Gebühren einen Anreiz für neue Beschicker und damit verbunden eine wachsende Attraktivität des Marktes.
Kritik an Aussetzung
Diese Anreize wiederum sah Hilde Ubben von der AWG nicht, vor allem nicht mit Blick auf die eh schon niedrigen Standgebühren. Aktuell zahlen Beschicker pro Tag und Quadratmeter 42 Cent. Die Gebühren seien seit 2001 nicht mehr angepasst worden, erinnerte auch Bodo Bargmann von der Ratsgruppe CDU/FDP. Seine Fraktion habe sich mit der Beschlussvorlage sehr schwergetan. „Wir sind hin und hergerissen, ob das wirklich der richtige Weg ist, um die Attraktivität des Marktes zu erhöhen“, sagte Bargmann in der Sitzung. Seit 20 Jahren habe man vieles versucht, aber der Wochenmarkt habe sich nicht so entwickelt wie gewünscht. Bargmann stellte in Frage, ob mit dem Aussetzen der Gebühren nicht einfach nur Beschicker kommen würden, die mal Lust drauf hätten, nach Aurich zu kommen, dann aber nicht kontinuierlich blieben. Harald Bathmann wies für die SPD-Fraktion darauf hin, dass man in jedem Fall klare Regeln finden müsste, um Beliebigkeit auf dem Markt zu verhindern, signalisierte aber grundsätzliche Zustimmung zum Vorschlag, um den Markt attraktiver zu gestalten.
Gründe für Beschickerrückgang sind vielfältig
Laut Vorlage der Stadtverwaltung hat der Wochenmarkt, der dienstags, freitags und sonnabends auf dem Auricher Marktplatz in der Innenstadt stattfindet, in den vergangenen Jahren zahlreiche Beschicker verloren. Die Lücken seien schwer zu schließen, neue Beschicker schwer zu gewinnen. Die Gründe für den Rückgang seien vielfältig: demografischer Wandel unter den Marktbeschickern, Personalmangel, der Rückgang regionaler Produktion, Konkurrenz durch den Lebensmitteleinzelhandel. Die Stadt Aurich setze alles daran, den Wochenmarkt in der Auricher Innenstadt zu erhalten und weiter zu beleben, heißt es weiter. Dies soll nun mit der temporären Befreiung von den Standgebühren geschehen.
Befreiung nur ein „heißer Tropfen“ auf dem Stein
Ein Plan, den Reinhard Warmulla, als beratendes Mitglied für die Linken im Ausschuss, in der Sitzung ausdrücklich unterstützte. „Der Wochenmarkt ist der Konjunkturmotor der Innenstadt“, sagte er. „Wir stehen voll hinter der Maßnahme.“ Zusätzlich brachte Warmulla, wie schon mehrfach in der Vergangenheit, weitere Aspekte zur Belebung des Marktes ins Gespräch, wie eine Verbreiterung des Sortiments. Er befürchte, dass die recht strikte Liste von bislang zugelassenen Sortimenten, interessierte Beschicker abschrecken könnte. Ordnungsamtsleiter Helmut Lücht erklärte, dass die Stadt diese Frage bereits jetzt recht moderat handhabe, zeigte sich aber offen für eine Überarbeitung der Liste.
Das begrüßte auch Gunnar Ott von Bündnis90/Die Grünen. Dennoch sei die Befreiung von den Standgebühren nur ein „heißer Tropfen auf den Stein“. Er forderte neben der Sortimentserweiterung eine Intensivierung der Werbemaßnahmen für den Wochenmarkt und nahm zu guter Letzt die Standortfrage ins Visier. Die Marktbeschicker sollten nicht „rumgeschubst“ werden, nicht immer ausweichen müssen, sagte er und meinte damit unter anderem die Zeit des Auricher Weihnachtszaubers. Zur Adventszeit muss der Wochenmarkt seit Jahren an den Georgswall ausweichen. „Wir sollten die Prioritäten umdrehen“, forderte Ott.
Verstärkte Präsenz auf Social Media
Ausschussvorsitzende Sarah Buss (Ratsgruppe CDU/FDP) erinnert daran, dass vor allem die Werbemaßnahmen in den sozialen Netzwerken und auf der Homepage der Stadt stattfinden würden. So informiert Marktmeisterin Marina Willms-Bürger seit einigen Monaten sehr regelmäßig im Internet, auf Facebook und Instagram über den Wochenmarkt. Mal sind es witzige Videos mit den Beschickern, mal eine Hintergrundgeschichte, die die Händler selbst über ihr Geschäft gedreht haben.
Mal sind es besondere Angebote oder Aktionen. Noch ist die Social-Media-Strategie im Aufbau, es gibt Ideen für Hintergrundgeschichten über das Beschickerleben, Porträts der Händler oder Ähnliches, berichtete Willms-Bürger in einem früheren Interview. Die Kunden sollen demnach nicht nur über das Angebot informiert werden, sondern es soll auch die persönliche Komponente herausgestellt werden, die den Wochenmarkt als Treffpunkt ausmacht.
Mit elf Ja- und einer Nein-Stimme schickte der Ausschuss den Vorschlag letztendlich in die nächste Instanz. Am Donnerstag, 6. November, steht die Gebührenbefreiung auf der Tagesordnung des Stadtrates.