Osnabrück „Tag der Freude“ für den VfL Osnabrück: Pötters Stimme versagt und Wellings Jacke bringt Glück
Eine lange Sitzung des Osnabrücker Stadtrats fand am Dienstagabend in dem Beschluss zur Sanierung der Bremer Brücke ihren Höhepunkt. Pünktlich dazu versagte die Stimme von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. VfL-Geschäftsführer Michael Welling kann sich derweil auf seine Kleiderwahl verlassen – und der Verein um Präsident Holger Elixmann verliert zwar die Eigentümerschaft am Stadion, spricht aber dennoch von einem „Tag der Freude“.
Als es so richtig wichtig wurde, versagte Katharina Pötters Stimme. Die Osnabrücker Oberbürgermeisterin wollte gerade zu einem langen und großen Plädoyer für die Sanierung der Bremer Brücke ansetzen - und plötzlich brachte sie kein Wort mehr heraus. Dabei hatte sie noch viel zu sagen. Die dreistündige Ratssitzung zuvor, in der die Osnabrücker Kommunalpolitik über das Baustellenmanagement in der Stadt, den Ledenhof oder die Ehrenringe für langjährige Ratsmitglieder diskutiert hatte - also alle möglichen wichtigen und unwichtigen Themen - hatte bei der erkältungsgeplagten CDU-Politikerin aber Spuren hinterlassen.
Also gab Pötter ihr Manuskript an Stadtkämmerer Thomas Fillep ab, der mit seinem ihm eigenen Humor vortrug, was die Verwaltungschefin zu sagen hatte. Zum Beispiel, dass die Bremer Brücke und die Sanierung ein Symbol dafür sei, dass „Osnabrück seine Traditionen bewahrt – und zugleich den Mut hat, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.“ Pötter ließ via Fillep auch Verständnis für die Kritik an den hohen Ausgaben der Stadt angesichts des bestehenden Haushaltslochs äußern - und dennoch nahm sie einigen Kritikpunkten und Missverständnissen der Debatte den Wind aus den Segeln.
Vor allem aber sendete sie ein klares Signal: Sie als Oberbürgermeisterin und Chefin der Verwaltung steht ganz klar zum VfL und zur Bremer Brücke: „Die Bremer Brücke ist ein Stück Identität – für viele Menschen in Osnabrück und weit darüber hinaus.“ An diesem Punkt gab es sogar herzhaftes Gelächter im Saal, als der gebürtige Franke Fillep in der ihm eigenen flapsigen Art zusätzlich erklärte, er habe im Süden Deutschlands als junger Mann Osnabrück erstmals durch den VfL überhaupt wahrgenommen - und die Oberbürgermeisterin mit brüchiger Stimme klarstellte: „Das steht da aber nicht auf meinem Redezettel!“
An der anschließenden Abstimmung hielt Pötter sich zurück - aber auch sie hat sich sichtlich über das Ergebnis gefreut: Nach der gut einstündigen Diskussion, in der alle Argumente abschließend ausgetauscht wurden, stimmte der Rat mit einer überwältigenden Mehrheit für die Sanierung der Heimat des VfL Osnabrück.
Die gesamte Ratssitzung und natürlich das entsprechende Highlight verfolgte auch eine große Delegation des VfL, darunter Geschäftsführer Michael Welling. Der setzte an diesem großen Tag für seinen Club auf ein bewährtes Kleidungsstück: die braune Cordjacke. Immer, wenn es wichtig wird, greift Welling zum Cord. Zwar legte er die Jacke während der langen Debatte im stickigen Ratssitzungssaal schnell ab, Glück gebracht hat sie offenbar dennoch. Denn die Entscheidung zur Sanierung ist ein Meilenstein für die Fortentwicklung des Vereins - und übrigens einer, der in der Rückschau maßgeblich auch mit ihm verbunden sein wird.
Der 54-Jährige zeigte sich nach der Abstimmung jedenfalls erleichtert. Nervös sei er nicht unbedingt gewesen, sagte er. Aber: „Eine Anspannung war da, ich glaube, das ist normal. Es war ein erster Kumulationspunkt der vielen Arbeit der letzten Wochen und Monate.“ Jetzt, nach der Entscheidung, verspüre er eine „Mischung aus Dankbarkeit und Demut, Vorfreunde und Verpflichtung, Spannung und Bock darauf, weiter gestalten zu können.“
Welling nutzte die Gelegenheit, um noch einmal zurückzublicken. „Man muss sich immer vergegenwärtigen, wo wir vor anderthalb Jahren standen. Ohne Vorahnung war das Dach über der Ostkurve weg“, sagte er. „Wenn mir jemand damals gesagt hätte, dass es jetzt einen Ratsbeschluss zur umfassenden Sanierung gibt, hätte jeder, der sich mit solchen Planungsprozessen, Fußballvereinen und den entsprechenden Ressourcen auskennt, gesagt: Das ist totaler Schwachsinn.“
Aber: Nun ist es vollbracht. Welling lobte das „Zusammenspiel von vielen Menschen mit sehr viel Herzblut und Engagement - auf Seiten der Stadtverwaltung, bei uns im Verein und bei den Planern. Das wird man erst mit Abstand richtig würdigen können, in welcher Rekordzeit uns das gelungen ist, heute eine solche Grundlage präsentieren zu können, dass der Rat der Stadt in der Lage war, mit gutem Gewissen Ja zu sagen.“
Dieses Ja bedeutet auch für den VfL e.V. einen Einschnitt: Er wird die Eigentümerschaft des Stadions, bzw. der Stadion-Gesellschaft, verlieren. Die Stadt übernimmt sie. „Aber wir wissen ja, wofür wir es verlieren“, erklärte Präsident Holger Elixmann, der gemeinsam mit seinen Präsidiumskollegen an der Sitzung teilnahm. „Es kommt etwas Neues, es kommt etwas Besseres, das vieles von dem erhält, was wir lieben und uns wünschen. Es ist ein Tag der Freude.“
Im Gegensatz zu Welling gab Elixmann durchaus zu, eine leichte Nervosität verspürt zu haben. „Es kann immer noch ein Antrag kommen, auf den keiner vorbereitet ist. Ganz ausgeschlossen ist das nie“, sagte der erfahrene Kommunalpolitiker und ehemalige Bürgermeister von Hasbergen. „Letzte Nacht habe ich nicht besonders gut geschlafen.“ Umso mehr freute er sich über den parteiübergreifenden Beschluss. „Es ist wichtig, dass so etwas möglich ist, auch ein Jahr vor der Kommunalwahl“, sagte Elixmann.
In den Minuten vor der Entscheidung habe er im Sitzungssaal ein „Knistern“ wahrgenommen. „Da hat man gemerkt, dass es jetzt auf den Höhepunkt zusteuert“, sagte er. „Wir haben uns letztes Jahr gewünscht, dass es jetzt diese Sitzung sein würde, in der entschieden wird. Dass wir das hinbekommen haben, bedeutet, dass viele sehr gute Arbeit gemacht haben - auch und vor allem von der Stadt.“
Zu diesem Team gehört auch Jan Jansen als Projektverantwortlicher der Stadt. Nach einer herzlichen Umarmung mit Welling sprach auch er durchaus mit Stolz über die Zusage zur Sanierung. „Wir freuen uns natürlich, dass wir die Planung, die wir seit einem Jahr erarbeitet haben, jetzt auch umsetzen dürfen“, sagte Jansen. „Es wäre schon traurig gewesen, wenn man gesagt hätte: Ich habt es gut gemacht, aber wir werfen es jetzt erstmal in die Tonne.“
Einen minimalen Dissens mit Welling, der am liebsten am Mittwoch schon weiterarbeiten würde, gab es dennoch. „Ich schlafe aus, steige für ein paar Stunden aufs Fahrrad und dann geht es Donnerstag wieder los“, sagte Jansen. Was dann ansteht: Die Ausschreibung der Vorvergabe für den Generalunternehmer, also die Baufirma, die letztlich die Sanierung umsetzt, soll in den nächsten Wochen starten. Auch der Bauantrag muss spätestens bis zum Frühjahr ausgearbeitet werden, damit ab der Sommerpause 2026 die Bagger rollen können. Viel Zeit für eine lange Pause bleibt also nicht. Für Jansen und alle Beteiligten also: „Es geht so weiter. Wir gehen nicht vom Gas.“