Eltern machen Druck Leybuchtpolder demonstriert im Rat für Grundschule
Mit Leuchtwesten und Unterschriften protestieren Anwohner im Stadtrat für den Erhalt ihrer Schule. Die Politik prüft noch verschiedene Szenarien. Bürgermeister Eiben sagte einen denkwürdigen Satz.
Norden - Mit Leuchtwesten als Erkennungsmerkmal und ordentlich Wut im Bauch haben am Dienstag rund 50 Anwohner aus Leybuchtpolder im Norder Stadtrat für den Erhalt ihrer Grundschule demonstriert. Sie nutzten die Einwohnerfragestunde, um ihrem Ärger Luft zu machen und mit Fragen an die Verwaltung ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen. Bürgermeister Florian Eiben versuchte, den Anwesenden die Sorge zu nehmen – auch mit einem Satz, der politisch nicht zum ersten Mal in diesem Land gefallen ist. Dabei hat der Prozess zur Schulentwicklung gerade erst begonnen.
„Niemand hat vor, eine Schule zu schließen“, sagte Eiben den besorgten Bürgern. Es gebe mehrere Szenarien für die Zukunft der Norder Schulen – dies aber ohne eine politische Bewertung. „Mir ist bisher aus der Debatte nicht bekannt, dass jemand für die Schließung ist“, sagte Eiben. Es sei bisher ein Szenario. Er machte aber auch klar: „Wir müssen uns mit der Zukunft der Schulen befassen.“ Er selbst habe sich immer für die Standorte Leybuchtpolder und Norddeich ausgesprochen. „Ich weiß, dass die Schule existenziell ist für den Ort“, sagte Eiben und versprach: „Wir betrachten das insgesamt. Wir versuchen, das bestmöglich hinzubekommen.“ Allerdings sei die Stadt gemeinsam mit der Politik und den Schulleitern erst am Anfang eines Prozesses. Er könne die Verunsicherung vor Ort aber nachvollziehen, weil „das Damoklesschwert der Schließung seit 25 Jahren über der Schule und auch über der Schule in Norddeich schwebt“.
Unterschriftensammlung überreicht
Um eben dieser Sorge Ausdruck zu verleihen, überreichte Frerich Brechters aus Leybuchtpolder, dem Bürgermeister eine Unterschriftensammlung. Er ist selbst Vater einer Tochter, die in Leybucht zur Schule geht. Er habe durch den Bericht dieser Zeitung erfahren, dass die Schließung der Grundschule eines der möglichen Szenarien in der Debatte über die Schulentwicklung in Norden ist. Dadurch hätten sich in kurzer Zeit viele Bürger zusammengetan, Unterschriften gesammelt und Stellungnahmen und Schriftstücke von Vereinen und Institutionen aus Neuwesteel, Leybuchtpolder und Westermarsch zusammengetragen. Allen gemein: Sie sprechen sich für den Erhalt der Grundschule aus.
Dabei sind die Anwohner schon einen Schritt weiter als die Verwaltung. Brechters fragte nach möglichen Fördergeldern für den Erhalt der Schule beziehungsweise nach Möglichkeiten einer Um- oder Mehrfachnutzung des Hauses. Hintergrund: Das Schulgebäude hat laut Verwaltung einen Sanierungsbedarf in Höhe von etwa einer Million Euro.
Eiben: Geld darf keine Rolle spielen
Diese Summe, so Eiben, dürfe den Anwohnern aber keine Sorge bereiten. Den Wert habe das zentrale Gebäudemanagement grob ermittelt. Gutachten seien noch nicht erstellt worden. Es sei zwar eine Menge Geld. Im Gesamthaushalt der Stadt sei das aber gar nicht so viel. „Wir gucken uns das in Ruhe an. Bei der Schuldebatte darf Geld aber gerade keine Rolle spielen. Es geht um den Arbeitsplatz der Kinder“, versicherte Eiben.
Nichtsdestotrotz wird der Prozess um die Schulentwicklung in Norden weitergehen. Denn, wie berichtet, sind die Schülerzahlen in Norden extrem unterschiedlich verteilt. Die Innenstadtgrundschulen Lintel und Im Spiet unterrichten mehr als 70 Prozent der 900 Norder Grundschüler, während nach Leybuchtpolder insgesamt nur rund 50 Kinder gehen. Ähnlich sieht es in Norddeich aus. Um nicht noch weiter zu schrumpfen, wurde die Grundschule Leybuchtpolder gerade erst zur Regelschule mit Montessori-Ansatz weiterentwickelt, wodurch das Einzugsgebiet größer wurde. Um für mehr Gerechtigkeit und Bildungsgleichheit unter den Schulen zu sorgen, hat die Norder Verwaltung verschiedene Szenarien zur Zukunft der Grundschulen entwickelt. Darin enthalten sind auch Überlegungen, die Schulen in Leybuchtpolder und Norddeich zu schließen oder zu sogenannten Satellitenschulen umzufunktionieren. Leybuchtpolder könnte dann Außenstelle der Grundschule Süderneuland, Norddeich eine Außenstelle der Grundschule Im Spiet werden.
Heike Ippen, ZoB-Ratsmitglied und Ortsbürgermeisterin von Leybuchtpolder, ärgerte vor allem, dass die Szenarien öffentlich geworden sind, obwohl in der geheimen Sitzung von Verwaltung, Politik und Schulen Verschwiegenheit vereinbart wurde. Die Bürger hatten allerdings zuvor schon gefordert, dass das Thema öffentlich debattiert werden müsse. Einen Termin, bei dem die Öffentlichkeit in die Debatte einbezogen wird, gibt es von der Verwaltung bisher nicht. Eine Anfrage bei der Norder Verwaltung zum weiteren Fahrplan zur Schulentwicklung von Anfang Oktober blieb bis jetzt unbeantwortet. Klar ist, irgendwann sollen die Varianten auch öffentlich präsentiert werden. Inwieweit sich Politik und Verwaltung bis dahin auf eine der Varianten verständigt haben, ist noch unklar.