Osnabrück  Stürmer Meißner vom VfL Osnabrück: Kein Lautsprecher, aber Spaß am Explodieren auf dem Feld

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 05.11.2025 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Dynamisch unterwegs: Auf dem Platz kann Robin Meißner durchaus explodieren. Neben dem Feld ist der Norddeutsche ein eher ruhiger Zeitgenossse. Foto: IMAGO/kolbert-press/Marc Niemeyer
Dynamisch unterwegs: Auf dem Platz kann Robin Meißner durchaus explodieren. Neben dem Feld ist der Norddeutsche ein eher ruhiger Zeitgenossse. Foto: IMAGO/kolbert-press/Marc Niemeyer
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Vier Tore in elf Drittliga-Spielen: Wenn Stürmer Robin Meißner vom VfL Osnabrück diese Quote im Saisonverlauf hält, kommt er auf eine zweistellige Trefferanzahl. Der 26-Jährige ruht in sich - ist aber jederzeit bereit, auf dem Feld zu explodieren.

Er geht eifrig weite Wege in die Tiefe, läuft unermüdlich an im Pressing und strahlt Freude am Kombinationsfußball aus: Wer Robin Meißners Energie im Trikot des VfL Osnabrück beobachtet, dürfte nicht auf die Idee kommen, dass sein Trainer Timo Schultz ihn einst als Jugendlicher mal als einen eher faulen Fußballer bezeichnet hat. „Irgendwann hat es bei mir Klick gemacht“, gibt der Mittelstürmer selbst zu. Schon als 16-Jähriger hatte ihn Schultz beim FC St. Pauli angeleitet - nun vertraut der Coach ihm als Stammspieler in der Sturmspitze bei den Lila-Weißen.

Es gibt einen Moment, der beiden im Gedächtnis geblieben ist und von dem sie beide unabhängig voneinander berichten: Er trug sich zu vor etwa sechs Jahren im Kraftraum beim FC St. Pauli. Meißner sitzt als Jungprofi, der sich in der U23 bei den Kiezkickern etabliert, auf dem Ergometer-Fahrrad. Schultz, der in jenen Tagen vom Jugendtrainer zum Chefcoach auf St. Pauli aufsteigt, kommt in den Raum, sieht, wie sich Meißner die Lunge aus dem Leib strampelt - und grinst. „Hättest Du das früher auch gemacht, wärst du heute schon weiter“, sagte der Trainer damals zum Stürmer.

„Zu jener Zeit habe ich gecheckt, dass man noch mehr Sachen selbst beeinflussen kann, wenn man Fußballprofi werden will“, sagt Meißner über jene Zeit und nennt drei Punkte: „Ernährung, Schlaf - und extra was für die Fitness machen, auch vor und nach dem Training auf dem Platz.“ Als Jugendspieler war dem stets offensiv orientiert agierenden Kicker mit den technisch feinen Anlagen und dem herausragenden Spielverständnis relativ viel zugeflogen: Er entwickelte sich, als ihn sein Vater beim Willingusener SC in der Heimat östlich von Hamburg anleitete, er ragte heraus, als er mit seinen Freunden beim benachbarten VfL Lohbrügge kickte.

„Ich kann auch links oder rechts offensiv spielen - aber eigentlich sehe ich mich auf der Neun, weil ich da meine Stärken am Besten ausspielen kann“, sagt Meißer, der auch in den Bundesliga-Jugendteams des FC St. Pauli regelmäßig traf. Durch das Nadelöhr in Richtung Profifußball musste sich der heute 26-Jährige dennoch hindurchkämpfen, zumal ihn Rückschläge nach Verletzungen sowie coronabedingte Saisonabbrüche als Jungprofi in der Regionalliga Nord trafen: Im Herbst 2020 etwa, in der zweiten Mannschaft des Stadtrivalen Hamburger SV.

Für die Rothosen kam er wenige Monate später, ausgerechnet im Stadtderby gegen den FC St. Pauli, zu seinem Debüt im bundesweiten Profifußball, als ihn ein gewisser Daniel Thioune als Chefcoach für die letzten Minuten einwechselte. Der Osnabrücker setzte fortan regelmäßig auf Meißner als Joker, ehe Interimstrainer Horst Hrubesch den Youngster sogar in die Startelf stellte. Meißner traf in jedem der verbleibenden drei Saisonspiele in der 2. Bundesliga, galt als heißer Tipp für die Folgesaison - doch dann setzte ihn ein Innenbandriss im Knie außer Gefecht.

„Alles Erfahrungen, die mich weitergebracht haben - jedes Jahr und jeder Verein, auch das halbe Jahr bei der Leihe in Rostock“, sagt Meißner, der allerdings erst später beim FC Viktoria Köln in der 3. Liga regelmäßig spielte. In 37 Partien gelangen ihm 12 Tore für die Rechtsrheinischen, wo er sich fernab des Trubels der Traditionsklubs entwickeln konnte. 2023 wechselte er zu Dynamo Dresden, scheiterte mit den Elbestädtern im ersten Jahr knapp am Aufstieg, ehe dieser im Sommer 2025 gelang.

Knapp 70 Einsätze hatte Meißner für Dynamo in der 3. Liga und in diversen Pokalen absolviert: 15 Tore und acht Vorlagen weist die Statistik aus, im Frühjahr 2025 allerdings wurden die Einsatzzeiten dünner. Seinen Vertrag in Dresden hatte er bis 2027 verlängert - mit der Verpflichtung von Vincent Vermeij im Sommer allerdings wuchs die Konkurrenz bei Dynamo hinter Christoph Daferner, Stefan Kutschke und Jakob Lemmer. „Der VfL hat sich sehr um mich bemüht - mit der Strahlkraft des Klubs und der Fanunterstützung kann kaum ein Drittligist mithalten. Das habe ich selbst mehrmals erlebt“, sagt Meißner, der bei der 2:3-Niederlage des HSV im Frühsommer 2021 in der 2. Bundesliga sein zweites Profitor geschossen hatte.

Und natürlich half bei seiner Leihe nach Osnabrück, dass er Trainer Schultz aus früheren Tagen kennt. „Ich weiß, wie er Fußball spielen lassen will: Mit einem klaren Plan, intensiver Gegnervorbereitung und fußballerischen Lösungen in jedem Spieldrittel - all das kommt mir entgegen“, sagt der Stürmer, der sich selbst alles andere als einen Lautsprecher bezeichnet. „Ich bin einfach ein eher ruhiger, introvertierter Typ und möchte das so“, so der 26-Jährige, der seinen Trainer noch in einem anderen Punkt lobt: „Er hat viel Empathie und ein gutes menschliches Gespür dafür, wie er einzelne Spieler anpackt, um sie zu verbessern.“

In seinem Fall läuft das erfolgreich: Meißner stand seit Ende August in jedem Spiel in der Startelf und spielte immer mindestens 70 Minuten. „Alle Daten zeigen seinen Impact für uns - mit und gegen den Ball“, sagt Schultz. In der Tat ist das Pressing des VfL durch Meißner intensiver und das Spiel mit dem Ball durch Meißners weite Wege größer geworden. Dafür stehen auch seine vier Treffer in elf Drittliga-Partien: Durch Anlaufen erzwungen wie gegen Havelse, aber auch durch Spielfreude und explosive Antritte in die Tiefe erarbeitet wie in Mannheim (2) und Schweinfurt.

Auf einen Torjubel nach seinem ersten Treffer für den VfL an der Bremer Brücke wartet er noch - umso größer ist die Vorfreude darauf für Meißner, der in Osnabrück angekommen ist. „Ich bin richtig gut aufgenommen worden. Generell zeichnet die Mannschaft ein starker Zusammenhalt aus. Dass sich nach dem Training spontan zehn, zwölf Leute zum Padel-Tennis verabreden, ist außergewöhnlich“, sagt der Stürmer, der sich noch keine Gedanken darüber macht, wie es im Sommer 2026 weiter gehen könnte. „Das werden wir sehen. Jetzt kann ich sagen, dass ich mich sehr wohl fühle im Verein mit seinem Umfeld und in der Stadt - und extrem Spaß am Fußball habe.“ Man darf gespannt sein, wie weit dieser Spaß Meißner und seine Kollegen in dieser Saison trägt.

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