Rechte Gruppe  „Nationale Jugend Ostfriesland“ wirbt um Mitglieder

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 10.11.2025 11:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vor allem in diesem Jahr kam es bundesweit wie hier in Magdeburg zu rechtsextremen Störungen bei CSD-Demos. In Ostfriesland scheint die „Nationale Jugend Ostfriesland“ in eine ähnliche Richtung gehen zu wollen. DPA-Symbolbild: Heiko Rebsch
Vor allem in diesem Jahr kam es bundesweit wie hier in Magdeburg zu rechtsextremen Störungen bei CSD-Demos. In Ostfriesland scheint die „Nationale Jugend Ostfriesland“ in eine ähnliche Richtung gehen zu wollen. DPA-Symbolbild: Heiko Rebsch
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Bildet sich gerade eine neue rechtsextreme Gruppe in Ostfriesland? Die Polizei korrigiert ihre Einschätzung leicht.

Leer/Aurich - Mindestens 53 Angriffe und organisierte Störungen gegen Christopher Street Days gab es in diesem Jahr in ganz Deutschland. 59 weitere Störungen und Angriffe kommen hinzu, bei denen keine Struktur im Hintergrund zu erkennen war. Das hat eine Auswertung der Amadeu-Antonio-Stiftung ergeben: Auch Ostfriesland und die Region sind in der Liste vertreten. Wie eine Recherche dieser Zeitung zeigt, könnte hinter mindestens einem Vorfall eine neue, rechtsextreme Gruppierung stecken.

Aufgefallen war diese unter anderem beim diesjährigen CSD in Leer. Rund vier junge Männer störten die Veranstaltung. Damals sagte die Polizei über diese Gruppe gegenüber unserer Redaktion: „Zu der von Ihnen genannten Gruppe sind hier derzeit keine gefestigten Strukturen oder eine kontinuierliche Aktionsform erkennbar.“ Diese Einschätzung stammt aus dem Juli dieses Jahres. Mittlerweile hat sich die Lage etwas verändert.

Rechtsextreme Gruppierung in Ostfriesland: „Nationale Jugend Ostfriesland“

Unsere Recherchen haben ergeben, dass zumindest zwei junge Männer aus dieser Gruppe offenbar versuchen, eine feste, rechtsextreme Gruppierung ins Leben zu rufen. Vor allem bei Tiktok gibt es mehrere Accounts, die Bezug auf eine „Nationale Jugend Ostfriesland“ nehmen. „Kommt zur NJO“ heißt es in einem Video. Selbst ein eigenes Logo hat man entworfen – und sich dabei offensichtlich bei den Jungen nationalen, der Jugendorganisation der NPD bedient. Auf anderen Plattformen posieren die jungen Männer teilweise in Klamotten vom „III. Weg“, einer rechtsextremen Kleinpartei, die vor allem in Süd- und Ostdeutschland aktiv ist.

Die sichtbaren Online-Aktivitäten der jungen Männer sind überschaubar. Rechtsextreme Inhalte werden geteilt, eigene Inhalte nur vereinzelt und dann sehr anonymisiert hochgeladen. Die beiden jungen Männer sowie die weiteren „Störer“, die beim CSD in Leer aufgefallen sind, stammen aus dem Landkreis Leer.

Störung von Demonstrationen und vorhandene Online-Aktivitäten deuten aber darauf hin, dass hier bewusst versucht wird, Strukturen aufzubauen. Auch die Polizei erkennt mittlerweile „eine gewisse Kontinuität“ bei der Gruppe, „die sich seit diesem Jahr entwickelt“ habe. Angaben zur Gruppenstärke der „Nationalen Jugend Ostfriesland“ könnten aber nicht gemacht werden.

Rechtsextreme Angriffe auf CSD: Neue Eskalation auch in Ostfriesland

Auch wenn laut Amadeu-Antonio-Stiftung rund zweidrittel aller Störungen von oder Angriffe auf CSD-Veranstaltungen durch rechtsextreme Akteure in Ostdeutschland stattfanden: Mit Vorfällen in Emden, Leer und Aurich gibt es auch in Ostfriesland solche Vorfälle – mal mit deutlichem rechtsextremen Hintergrund, mal nicht. So sind die Hintergründe des Angriffs auf zwei „Puppy“-Personen beim CSD in Emden unklar. Bei den Störungen und Bedrohungen in Leer und Emden kann hingegen von einem rechtsextremen Hintergrund ausgegangen werden.

Diese Vorfälle sind Teil eines neuen Phänomens, das sich seit 2024 immer häufiger zeigt: „Diese Angriffe sind keine zufälligen Provokationen, sondern Teil einer strategischen Eskalation: Rechtsextreme Gruppen versuchen, öffentliche Räume zurückzuerobern, demokratische Akteur*innen einzuschüchtern und Gleichstellungspolitiken zu delegitimieren. CSDs werden dabei gezielt als Symbole einer offenen Gesellschaft angegriffen“, so Timo Reinfrank vom Vorstand der Amadeu-Antonio-Stiftung im aktuellen Sicherheitsreport.

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