Verkehr in Emden  Neutorstraße bis voraussichtlich 2028 dicht

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 04.11.2025 12:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Radfahrer flitzt an der Baustelle in der Neutorstraße vorbei. Seit dem 6. Oktober 2025 ist die Straße im Abschnitt zwischen Agterum und Rathausplatz für den Autoverkehr voll gesperrt. Die Stadtwerke haben mit den Arbeiten an den Versorgungsleitungen begonnen. Fotos: Mona Hanssen
Ein Radfahrer flitzt an der Baustelle in der Neutorstraße vorbei. Seit dem 6. Oktober 2025 ist die Straße im Abschnitt zwischen Agterum und Rathausplatz für den Autoverkehr voll gesperrt. Die Stadtwerke haben mit den Arbeiten an den Versorgungsleitungen begonnen. Fotos: Mona Hanssen
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Da ist im Hintergrund offenbar viel schiefgelaufen. Vor Beginn der Stadtwerke-Arbeiten in Emden war den Bürgern nicht klar, dass die Neutorstraße ab jetzt über Jahre voll gesperrt sein würde.

Emden - Kommunikations-Chaos um die Neutorstraße in Emden: Der Beginn der Vollsperrung war nicht nur nicht richtig angekündigt worden, auch die Dauer war bei der Vorstellung der umfassenden Umbaupläne nicht klar benannt worden. Im Hintergrund scheint in der Absprache zwischen Stadt und Stadtwerken einiges schiefgelaufen zu sein. Die Stadtwerke hatten den Beginn ihrer Arbeiten an den Versorgungsleitungen der Hauptverkehrsader am 6. Oktober 2025 nicht konkret vermeldet. Autofahrer waren am Montagmorgen von den Verkehrsbaken überrascht worden. Irgendwann Mitte bis Ende September hätten die Arbeiten eigentlich starten sollen, hatte es von den Stadtwerken zuvor geheißen. Auch von der Verzögerung war nichts mitgeteilt worden, erst auf Nachfrage.

Radfahrer und Fußgänger haben in der Neutorstraße jetzt das Sagen. Das wird auch mehrere Jahre so bleiben, wenn es die Baustelle jeweils so zulässt.
Radfahrer und Fußgänger haben in der Neutorstraße jetzt das Sagen. Das wird auch mehrere Jahre so bleiben, wenn es die Baustelle jeweils so zulässt.

Auch hatte Stadtwerke-Sprecher Andreas Polle auf Nachfrage dieser Redaktion offengehalten, ob zwischendurch die Straße wieder für den Autoverkehr geöffnet werden könnte. „Je nach Baufortschritt bzw. Abschluss von Teilarbeiten gehen wir davon aus, dass die Straße temporär immer mal wieder für den Verkehr geöffnet werden kann“, hatte Polle am 6. Oktober 2025 dieser Redaktion geschrieben. Stadtsprecherin Theda Eilers bestätigt jetzt noch einmal gesondert, dass für den Gesamtzeitraum der Stadtwerke-Arbeiten an den Versorgungsleitungen und der großen Sanierungsmaßnahmen der Stadt die Straße vollständig für den Autoverkehr gesperrt sein werde.

Warum ist die Vollsperrung der Neutorstraße notwendig?

Die Arbeiten der Stadtwerke liefen stets den Sanierungsarbeiten „vorweg“, erklärt Sprecherin Eilers. So soll vermieden werden, dass die Straße mehrfach geöffnet und geschlossen werden muss. Die Versorgungsleitungen müssen im ganzen Bereich zwischen Agterum und Rathausplatz erneuert werden. Der erste Abschnitt ist von Agterum bis Zwischen Beiden Sielen bis voraussichtlich April 2026 vorgesehen, der zweite bis August 2026. Im April 2026 beginnen demnach im ersten Abschnitt dann auch schon die Umbaumaßnahmen der Straße zum verkehrsberuhigten Geschäftsbereich durch die Stadt. Eine Öffnung der Straße für den Autoverkehr sei also definitiv nicht zwischendurch möglich.

„Jetzt wird's tiefgründig, dann überragend gut“ steht auf einem Plakat an einem Bauzaun in der Neutorstraße.
„Jetzt wird's tiefgründig, dann überragend gut“ steht auf einem Plakat an einem Bauzaun in der Neutorstraße.

Das kommt nicht nur wegen der fehlenden konkreten Information durch die Stadtwerke überraschend, sondern auch, weil die Stadt stets betont hatte, dass zunächst der Umbau der Martin-Faber-Straße bis spätestens April 2026 abgeschlossen sein müsse, bevor es dann an die Neutorstraße gehe. Die wichtige Verkehrsader vom Osten der Stadt ins Zentrum wird seit Mai saniert. Dort wird ein „Superradweg“ gebaut. Deswegen gibt es eine Einbahnstraßenregelung stadtauswärts. Um die Autofahrer nicht noch weiter zu strapazieren, sollte die Neutorstraße erst dichtgemacht werden, wenn die Martin-Faber-Straße wieder komplett frei ist. Ob diese Aussage auf einem Missverständnis zwischen Stadt und Stadtwerken beruht, ist unklar.

Wie lange wird die Neutorstraße voll gesperrt sein?

Der große Umbau der Neutorstraße und auch des Stadtgartens soll bis spätestens September 2028 beendet sein, hatte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) zuletzt versichert. Bis dann würde also die Vollsperrung der Neutorstraße andauern. Die Stadt will sich nämlich für den Tag der Niedersachsen 2028 bewerben. Dem hat auch der Rat schon zugestimmt, allerdings nicht einstimmig.

Wer hat den Katzenluftballon neben der Baustelle zurückgelassen?
Wer hat den Katzenluftballon neben der Baustelle zurückgelassen?

Zum einen zweifeln Ratsleute wie Jochen Eichhorn (GfE) an, dass tatsächlich Neutorstraße und Stadtgarten bis dahin fertig sind. Zum anderen wird es auch ohne die beiden Projekte andere Baustellen geben. Auch das Areal rund um den Delft, also die Straße und die Promenade, sowie der Hafentor-Platz sollen erneuert werden. Insgesamt sollen die Arbeiten bis 2030/31 dauern.

Wird die Neutorstraße wirklich noch mal geöffnet?

Manch einer munkelt schon jetzt, ob die Neutorstraße in dem Abschnitt zwischen Agterum und Rathausplatz jemals wieder für den Autoverkehr geöffnet werden wird. Eigentlich ist geplant, dass Autos auf der Einbahnstraße in Fahrtrichtung Rathaus nach dem Umbau mit maximal Tempo 20 fahren dürfen. Per Knopfdruck versenkbare Poller an der Einfahrt zur Straße sollen aber zur Absperrung beispielsweise während Festlichkeiten genutzt werden können.

In der Neutorstraße kann jetzt ohne Autolärm gebummelt werden.
In der Neutorstraße kann jetzt ohne Autolärm gebummelt werden.

Gegen die Variante, die Neutorstraße komplett für den Autoverkehr zu sperren und eine Fahrradstraße dort einzurichten, hatten die Verantwortlichen sich zwar entschieden. Doch seit der Vollsperrung ab dem 6. Oktober 2025 laufe der Verkehr so „reibungslos“, „warum lassen wir es nicht dauerhaft so?“, fragte der Ratsherr Jochen Eichhorn jetzt im Stadtentwicklungsausschuss. Ob Politik oder Stadtverwaltung im Laufe der Umbauzeit noch einmal ein Votum zur Zukunft der Neutorstraße anstreben werden, ist aber offen.

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