Nachruf Trauer um Brookmerlander Pädagogin und Umweltpolitikerin
Die Brookmerlander Grünen-Ratsfrau und frühere stellvertretende Leiterin der IGS Aurich, Renate Erdt, ist gestorben. Wer sie war und was ihr wichtig war.
Brookmerland/Aurich - Sie war eine streitbare Umweltpolitikerin und eine leidenschaftliche Pädagogin. Ob im Schulalltag an der IGS Aurich oder als Brookmerlander Ratsfrau – wenn sich Renate Erdt für etwas einsetzte, tat sie dies stets mit ganzer Kraft.
Am 27. Oktober ist Renate Erdt verstorben. Das gab ihr Ehemann und Fraktionskollege im Brookmerlander Samtgemeinderat, Hans-Reiner Stroman, bekannt. Erdt starb nach kurzer schwerer Krankheit. Sie wurde 67 Jahre alt.
Kind des Ruhrgebiets
Renate Erdt wurde am 6. April 1958 im Ruhrgebiet geboren. Als Kind zogen ihre Eltern mit ihr nach Ostfriesland. Erdt wuchs in Hage auf, erwarb am Ulrichsgymnasium Norden ihre Hochschulreife, studierte und war zuletzt mehr als 30 Jahre an der IGS Aurich tätig. Seit ihrem Start im September 1991 dort gestaltete sie in verschiedenen Leitungspositionen die Schule maßgeblich mit: Sie unterrichtete Englisch und Fächer des Fachbereichs Arbeit, Wirtschaft und Technik, deren Leiterin sie auch war. Auch war sie verantwortlich für die Sekundarstufe I und als Direktorstellvertreterin Mitglied der Schulleitung. Im Februar 2023 wurde Renate Erdt in den Ruhestand verabschiedet.
IGS-Schulleiterin Dr. Dorothee Göckel würdigte sie auf Anfrage dieser Redaktion als routiniert, engagiert, naturverbunden, akribisch und temperamentvoll. Diese Eigenschaften seien hilfreich gewesen bei den zahlreichen Aufgaben, die Renate Erdt im Laufe ihrer Dienstzeit übernahm, darunter die Aufsicht über den Neubau, die Erstellung der Stundenpläne oder die Versorgung der Schüler mit gesundem Frühstück.
Erdt verschrieb sich ihrem Beruf mit ganzer Kraft, machte aber nie einen Hehl daraus, dass die Arbeit als Pädagogin, vor allem als stellvertretende Schulleiterin keine leichte war. In einem Beitrag über ihre Verabschiedung wird sie mit den Worten zitiert: „Ich habe oft gedacht: Ich kann nicht mehr. Aber nie: Ich will nicht mehr.“
Strukturiert und Geradlinig
Renate Erdt habe „sehr strukturiert und geradlinig gearbeitet“, berichtet Dr. Göckel. „Das machte sie erfolgreich auf ihren Positionen“, sagte die Schulleiterin. Vorbildlich sei Erdts Einsatz für die IGS Aurich gewesen. Viel Zeit habe sie für die Belange der Schule investiert. Nie sei sie müde geworden, ihren Kollegen und Schülern, das zu vermitteln, was ihr wichtig war: Gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz lagen Erdt am Herzen, so Dr. Göckel.
Das galt auch für die Kommunalpolitikerin Renate Erdt. Grün war die politische Überzeugung der Brookmerlanderin, die mit ihrem Mann in Leezdorf lebte. Seit 2016 war sie Mitglied im Grünen-Ortsverband Brookmerland-Hinte-Südbrookmerland. Seit 2018 gehörte sie dessen Vorstand an und war seit 2020 als Kassiererin für dessen Finanzen zuständig. Das teilte Vorsitzender Sascha Gliese auf Anfrage mit.
Seit 2021 im Samtgemeinderat Brookmerland
Bei der Kommunalwahl 2021 wurde Renate Erdt vom Listenplatz 1 in den Samtgemeinderat gewählt, wo sie seither mit ihrem Mann Hans-Reiner Stroman die zweiköpfige Fraktion der Grünen bildete. Ihre große Bühne war stets der Ausschuss für Klima-, Umwelt- und Artenschutz, wo sie wiederholt für Aufsehen sorgte. Beispielsweise als sie beantragte, Verbrauchsgüter, die die Verwaltung beschafft, auf den ökologischen Prüfstand zu stellen und bei deren Beschaffung von Toilettenpapier, Schreibpapier und Reinigungsmitteln auf Kunststoff, Bleichmittel, Farbstoffe, Lösungsmittel und weitere umweltschädliche Verbindungen zu verzichten. „Gelegentlich muss man seine Routinen überprüfen“, sagte sie mehrfach.
Ungewöhnlich war aus Sicht vieler auch, dass sie und ihr Mann der geplanten zentralen Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe als Grüne vergleichsweise unkritisch gegenüberstanden und sich nicht auf die Seite der Umweltschützer schlugen.
Rechtsupweger rückt nach
In den Samtgemeinderat wird nach Angaben der Partei Detlef Schweichler aus Rechtsupweg für Renate Erdt nachrücken.