Osnabrück  Neue IHK-Umfrage: Osnabrücker Wirtschaft warnt vor Aus der München-Flüge am FMO

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 03.11.2025 16:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Flughafen Münster/Osnabrück: Nach dem Frankfurt-Aus droht auch der Verlust der München-Flüge. Die IHK warnt vor gravierenden Folgen für Wirtschaft und Forschung. Foto: André Havergo
Am Flughafen Münster/Osnabrück: Nach dem Frankfurt-Aus droht auch der Verlust der München-Flüge. Die IHK warnt vor gravierenden Folgen für Wirtschaft und Forschung. Foto: André Havergo
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Mehr als 320 Unternehmen aus der Region Osnabrück und dem Münsterland haben an einer IHK-Umfrage teilgenommen – mit klarem Ergebnis: Die Wirtschaft ist auf die München-Verbindung vom FMO angewiesen und warnt vor gravierenden Folgen, falls die Flüge gestrichen werden.

Die regionale Wirtschaft ist auf die direkte Flugverbindung vom Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) zum internationalen Drehkreuz München angewiesen. Das zeigt eine neue Umfrage der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim und der IHK Nord Westfalen, an der sich über 320 Unternehmen beteiligt haben.

Demnach ist die Wirtschaft in beiden Kammerbezirken bereits stark vom Wegfall der Frankfurt-Flüge betroffen, die bereits vor rund einem Jahr gestrichen worden waren. Das Aus für die München-Verbindung „wäre ein gravierender Standortnachteil für die Unternehmen in der Region“, warnt Uwe Goebel, Präsident der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim. „Aufgrund der hohen Nachfrage und der großen Bedeutung für die Wirtschaft appellieren wir an die Lufthansa, die Verbindung nach München aufrechtzuerhalten.“

Dieser Appell ist auch Kern eines Briefes, den beide Kammern mit Blick auf anstehende Entscheidungen der Lufthansa direkt an Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter gesendet hatten.

Auch Lars Baumgürtel, Präsident der IHK Nord Westfalen, warnt eindringlich: „Wenn jetzt noch die Verbindung nach München wegfällt, wäre die heimische Wirtschaft vom internationalen Luftverkehr regelrecht abgekoppelt.“

Laut der Umfrage haben 50 Prozent der befragten Unternehmen die Flüge nach Frankfurt regelmäßig oder gelegentlich genutzt. Nach dem Aus für Frankfurt weichen 41 Prozent der Firmen auf die Verbindung vom FMO in die bayerische Landeshauptstadt aus, um ihre weltweiten Ziele zu erreichen.

Nach Flughafenangaben werden voraussichtlich 230.000 Passagiere die Verbindung nach München allein in diesem Jahr nutzen – das entspricht etwa jedem fünften Flug vom Grevener Airport.

Auffällig ist laut IHK, dass die Nachfrage nach Geschäftsflügen auch nach der Pandemie ungebrochen hoch ist: 70 Prozent der Unternehmen fliegen unverändert häufig oder aktuell sogar häufiger als vor 2020.

„Unsere Unternehmen sind weiterhin auf ortsnahe und leistungsfähige Flugverbindungen angewiesen. Denn der persönliche Kontakt zu den weltweiten Geschäftspartnern ist weiterhin unerlässlich“, erklärt Goebel. Gerade in Zeiten, in denen die Binnennachfrage nachlasse, würden internationale Märkte immer wichtiger werden, ergänzt er.

„Die Bahn spielt für Geschäftsreisende auf ihrem Weg zu internationalen Kontakten nur eine untergeordnete Rolle“, ergänzt der Präsident der IHK Nord Westfalen, Lars Baumgürtel. Wie aus der Umfrage hervorgeht, kompensieren 56 Prozent der Unternehmen den Wegfall der Frankfurt-Verbindung, indem sie mit dem Auto den Flughafen Düsseldorf ansteuern. 41 Prozent fahren mit dem Auto direkt nach Frankfurt. Die Bahn nutzt hingegen nur ein Drittel als Alternative, um zum Frankfurter Flughafen zu gelangen. Zudem weichen zahlreiche Unternehmen auf ausländische Flughäfen wie Amsterdam Schiphol aus.

Für 88 Prozent der befragten Betriebe ist ein Direktflug demnach besonders wichtig, 83 Prozent legen Wert darauf, vom FMO zu starten. Für ebenfalls 83 Prozent spielt der Ticketpreis laut Umfrage „eine entscheidende Rolle“.

Um ein attraktives Flugangebot zu sichern, brauche es aber auch politische Unterstützung, betont Goebel: „Die hohen Standortkosten erschweren es den Airlines am Luftverkehrsstandort Deutschland, im europäischen Wettbewerb zu bestehen.“ Die Luftverkehrssteuer und die Luftsicherheitsgebühren seien im Vergleich zu den Nachbarländern deutlich zu hoch.

Nicht nur die Wirtschaft, auch Wissenschaft und Forschung seien auf den FMO angewiesen, ergänzt Baumgürtel: „Münster als mittlerweile europaweit stärkster Standort für Batterieforschung darf nicht abgeschnitten werden.“ Zumindest mit einem Umstieg müssten die Forschungszentren der Region weiterhin weltweit erreichbar bleiben.

Parallel zur IHK-Initiative wächst der politische Druck. Sieben CDU-Bundestagsabgeordnete aus der Region Osnabrück und dem Münsterland – darunter Mathias Middelberg (Osnabrück) und Lutz Brinkmann (Osnabrücker Land) – haben in einem Brandbrief an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) konkrete Entlastungen für die Luftverkehrsbranche gefordert.

Sie schlagen vor, die doppelte Besteuerung von Hin- und Rückflügen abzuschaffen und die Luftverkehrssteuer schrittweise zu reduzieren – zunächst 2026, dann weiter 2027. Denkbar sei eine anteilige Rücknahme in mehreren Schritten. Ohne Absenkung der Steuerbelastung würden viele innerdeutsche Flüge dauerhaft wegfallen oder sich an ausländische Standorte verlagern.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften haben sich die staatlichen Abgaben pro Flug seit 2019 um bis zu 128 Prozent erhöht.

Auch aus der Region kommt Unterstützung. Landrätin Anna Kebschull (Grüne) und Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) hatten gemeinsam an die regionalen Bundestags- und Landtagsabgeordneten appelliert, den Druck auf Berlin zu erhöhen.

Unternehmerinnen wie Marie-Theres Nadler (Pharma Greven) und Hanna Sandmann (Purplan, Wallenhorst) warnten in den vergangenen Wochen ebenfalls: Der Wegfall der München-Verbindung wäre „ein herber Rückschlag für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region“.

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