Osnabrück Sanierung der Bremer Brücke: Was spricht eigentlich dafür – und was dagegen?
Am Dienstag entscheidet der Rat der Stadt Osnabrück über die Sanierung der Bremer Brücke. 67,3 Millionen Euro soll sie kosten. 33 Millionen gibt die Stadt, für den Kredit, der den Rest finanziert, bürgt sie. Viele fragen, nicht zu Unrecht: Kann sich die Stadt das leisten? Und was spricht eigentlich dafür, so viel Geld für ein Stadion auszugeben – und was dagegen?
Schon mal einem nackten Mann in die Taschen gepackt? Die Stadt Osnabrück versucht es gerade. Geld findet sie dort nicht viel. Und trotzdem will sie 67,3 Millionen Euro in die Sanierung der Bremer Brücke stecken. Genauer gesagt: 33 Millionen zahlt sie, für den Kredit, der den Rest finanziert, steht sie als Bürge ein. Kann sie sich das leisten? Die Antwort: eigentlich eher nicht. Tun dürfte sie es dennoch. Eine Mehrheit für die Entscheidung zeichnet sich ab. Aber was spricht eigentlich für die Sanierung des Stadions des VfL Osnabrück - und was dagegen?
Ohne Stadion kein Profifußball: Kaum ein Thema treibt die Menschen in Osnabrück derzeit so um, wie die Sanierung der Bremer Brücke. Einigkeit dürfte dabei nur in einem Punkt herrschen: Dieses Stadion ist eine Bruchbude. Fußball wird hier so nicht mehr lange gespielt werden. Dabei geht es gar nicht mal darum, was DFB oder DFL wollen. Das Dach von der Ostkurve musste bereits runter, bald könnten auch die Fans auf Süd und West im Regen sitzen oder stehen. Dann war's das mit Profifußball in Osnabrück. Denn stemmen kann der VfL die Sanierung alleine nicht. Auch wenn im Profifußball riesige Summen umgesetzt werden: Die meisten Stadien werden von den Kommunen getragen. Der VfL wäre ohne diese Investition ein Sonderfall mit immensen Nachteilen im Wettbewerb - und damit dem Untergang geweiht. Die Stadt ohne einen ihrer wichtigsten Imageträger, der zudem auch noch eine große Wirtschaftskraft hat, von der nicht nur die Bürger, sondern auch die Stadtkasse wieder profitieren kann? Unvorstellbar.
Die beste Lösung: Schon oft wurde das Thema diskutiert: Sanierung oder Neubau. Viele Pläne wurden geschmiedet - nicht immer waren sie konkret. Noch nie waren sie so fundiert. Selbst Gegner der Sanierung gestehen: „Aber schön sieht es schon aus...“ Der Blick auf die Entwürfe zeigt: Hier haben Planer verstanden, was die Bremer Brücke ausmacht - und welche Bedürfnisse sie erfüllen muss, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Es entsteht ein Stadion, das nicht nur modern, sondern zeitgemäß ist und trotzdem seine Wurzeln nicht vergisst. Durch die Nutzung des bestehenden Bebauungsplanes kann schnell begonnen werden, nachhaltig ist das noch dazu. Und die veränderten Platzkapazitäten - größerer Business-Bereich - geben dem VfL wirtschaftlich die Möglichkeit durch eine angemessene Pacht sich an den Baukosten zu beteiligen.
Ein Stadion für alle: Das soll die Bremer Brücke nach der Sanierung werden. Wichtig ist hier ein stimmiges Konzept. Große Konzerte, von denen viele träumten, tragen sich wirtschaftlich nicht. Räume für soziale Projekte öffnen, den Rasen auch mal für ein Kreispokalfinale oder ein Jugendturnier - das wäre doch was! Eine Begegnungsstätte, wie die SPD sie unabhängig von Spieltagen fordert, ist das Stadion längst. Regelmäßig treffen sich hier 16.000 Menschen, die sonst nie so zueinander finden würden. Das gibt es sonst nur auf Konzerten, Volksfesten oder im Theater, das die Stadt auch fördert: 80 Millionen soll die Sanierung kosten. Besondere Auftritte kann der VfL auch; ganz ohne Drehbuch. Spannung, Emotionen, Tränen der Trauer, Tränen der Freude - „90+6“ elektrisierte eine ganze Stadt, nicht nur die Zuschauer an der Bremer Brücke.
Das Geld fehlt nicht für anderes: Marode ist nicht nur die Bremer Brücke. Schulen, Kindertagesstätte, Straßen, Krankenhäuser - die Stadt hat gerade viele Baustellen, in die sie investieren muss, will sie nicht abgehängt werden. Auch hier liegt es bei vielen aber aktuell gar nicht am Geld - das ist eh nicht da. Es liegt an der Umsetzung. Die Millionen, die in die Bremer Brücke fließen, sollen nicht an anderer Stelle eingespart werden. Ein Beleg: 500 Millionen Euro will die Stadt in den kommenden Jahren in die Sanierung der Schulen stecken.
Die Kosten: Es ist das wichtigste Argument in den Diskussionen dagegen - und es stimmt: Knapp 70 Millionen für ein Fußball-Stadion kann sich eine Stadt mit dieser Finanzlage nicht leisten. Und auch, wenn sie „nur“ 33 Millionen beisteuert. Für die restliche Summe bürgt die Kommune. Die Abschreibungen und Kredite drücken auch nach der Sanierung auf den jährlichen Haushalt. Mit der einmaligen Investition ist es also nicht getan. Und was wenn die Stadt in ein noch tieferes Finanzloch fällt: Wird dann doch irgendwann an wichtigerer Stelle gespart?
Das Risiko: Als künftige Eigentümerin des Stadions macht sich die Stadt abhängig vom sportlichen Erfolg ihres Hauptmieters. Das Horrorszenario wäre ein Abstieg in die Viertklassigkeit. Wie schnell das gehen kann, zeigt der Blick in die vergangene Saison. Da konnte sich der VfL gerade noch so retten. Was, wenn er das beim nächsten Mal nicht schafft?
Lärm, Licht, Schmutz, Verkehr: Die Bewohner des Schinkels sind stolz auf ihren VfL - aber einige sind auch genervt. Der Lärm, das Licht, der Schmutz, der Verkehr, der an Spieltagen dort herrscht. Große Menschenmengen, die sich durch den Stadtteil bewegen und sich nicht immer so benehmen, wie sie es vor der eigenen Haustüre hoffentlich machen - auch in der Innenstadt kann das vor und nach den Spielen des VfL so sein. Dazu wird wild geparkt, weil gerade am Wochenende die Stadt nur selten kontrolliert. Auch, wenn die Planer, die Stadt und der Verein es versuchen, eine zufriedenstellende Lösung für die angespannte Situation im Stadtteil schafft auch die neue Bremer Brücke nicht. Das gilt auch für die Anwohner anderer Großveranstaltungen, wie die Maiwoche oder Open Airs - aber eben nicht so regelmäßig.
Und warum muss die Öffentlichkeit für den Fußball zahlen? Es ist eine berechtigte Grundsatzfrage, die viele Kritiker stellen, angesichts der Summen, die im Profifußball umgesetzt werden. Dass die chronisch klamme öffentliche Hand einem milliardenschweren Business den Rahmen für seine Existenz schafft, ist nicht nur in Osnabrück so - und übrigens auch nicht nur in Deutschland. Kritisieren darf man das trotzdem. Sollte man sogar.
Die Argumente liegen auf der Hand. Es gibt zahlreiche weitere. Am Dienstag trifft der Rat seine Entscheidung. Ein „Ja“ zur Sanierung zeichnet sich ab. Ein Ende der Diskussionen bedeutet das nicht. Statt über „Für“ und „Wider“ geht es dann um das konkrete „Wie“. Es bleibt spannend.
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