Nachlese zum 5:1-Sieg Kickers-Fans feiern Stefan Emmerling und Tido Steffens
Der erste Sieg seit September war Balsam für die Seelen und stärkte auch den Trainer. Sein Halbzeit-Appell zeigte Wirkung. Der starke Tido Steffens steht in Meppen vor einem besonderen Spiel.
Emden Als der Mann des Tages begleitet von stehenden Ovationen der 2050 Zuschauer in der 80. Minute ausgewechselt wurde, folgte eine innige Umarmung mit Stefan Emmerling. Der Trainer „bedankte“ sich mit zwei Klopfern auf den Rücken bei Tido Steffens, der zuvor an allen Emder Treffern gegen Altona 93 beteiligt gewesen war. Der „Block 5“ feierte den Doppeltorschützen danach ebenso mit Sprechchören wie nach dem befreienden 5:1-Sieg gegen Altona 93 ihren langjährigen Coach. „Emm-, Emm, Emmerling“ hallte es durch das Ostfrieslandstadion, als der 59-Jährige das Spielfeld einige Minuten nach dem Abpfiff verließ.
Der erfahrene Coach genoss den Moment, applaudiert erleichtert und freudestrahlend den Treuesten der Treuen. Der erste Sieg nach sieben sieglosen Partien (drei Remis, vier Niederlagen) in der Regionalliga Nord war Balsam für alle Kickers-Seelen, wichtig für die kritische Tabellenlage und auch von Bedeutung für den Coach. „Ich habe nie gesagt siegen oder fliegen“, betonte Emdens Sportlicher Leiter Henning Rießelmann nach dem Spiel. Indes: Er hatte die Tonanlage angesichts von schwachen Leistungen und schlechten Ergebnissen verschärft. Oder wie es Kickers-Urgestein Tido Steffens nach der Partie sagte. „Wir wurden als Mannschaft angezählt, auch der Trainer wurde angezählt – wir wussten, wir kommen da nur gemeinsam raus.“ Niemand wusste genau, was nach einer Niederlage passieren würde.
Zur Halbzeit sah es noch nicht nach dem erlösenden Heimsieg aus. Das 1:0 von Tido Steffens nach schöner Vorarbeit von Tobias Steffen (14.) beantwortete der von rund 200 Fans begleitete Tabellennachbar schnell mit dem 1:1 Rasmus Tobinski (20.). Der Aufsteiger hatte in der Anfangsphase noch zwei große Chancen. Einmal rettete der Außenpfosten, einmal Isaak Djokovic. Zum Ende der ersten Halbzeit wurde Kickers wieder etwas gefährlicher. Das lag auch an Theo Schröder. Er wurde nach 33 Minuten für den verletzten Janek Siderkiewicz eingewechselt. Ein paar Positionswechsel waren die Folge. Schröder besaß dann auch noch eine Großchance. Doch der Ball flog über das Tor (41.).
Dennoch: Das Spiel stand auf Messers Schneide. Und das Emder Trainerteam spürte auch die Verunsicherung. „Wir hatten Angst vom Verlieren und das hat man uns angemerkt. Die klare Ansage in der Halbzeit war, dass wir die Fesseln ablegen müssen und einfach mutig sein müssen“, sagte Stefan Emmerling.
Kickers im Rausch
Gesagt, getan: Direkt mit dem ersten Angriff der zweiten Halbzeit landete der Ball bei Dennis Engel. Der Flachschuss aus 20 Metern fand den Weg ins Tor. Es war das erste Pflichtspieltor des Kapitäns im dritten Kickers-Jahr. „Danach haben wir uns auch in einen Rausch gespielt. Das ist der BSV Kickers, wie wir ihn sehen wollen“, sagte Henning Rießelmann. Es folgten traumhafte Minuten für Emden und eine Horror-Phase für Altona. Nach doppelter Kopfballverlängerung von Marten Schmidt und Theo Schröder zeigte Tido Steffens seine Klasse und platzierte den Ball mit einem trockenen Schuss genau neben dem Innenpfosten: 3:1 (57.).
An der endgültigen Entscheidung war der 31-Jährige auch wieder beteiligt. Steffens wurde auf dem Weg von der Außenlinie in den Strafraum gefoult. Der Übeltäter Denis Yilmaz sah daraufhin Gelb-Rot. Der folgende Freistoß führte zum 4:1. Marten Schmidt „stand“ quasi in der Luft, als er den Ball nach der Freistoßflanke von Tobias Steffen ins Tor köpfte (61.). Schröder und der ebenfalls agile Joker Michael Eickschläger hätten in dieser Phase das 5:1 folgen lassen können, ebenso wenig später Noah Gumpert. Das gelang schließlich David Schiller per Elfmeter, nachdem Eickschläger gefoult worden war. Die Gäste hätten bei zwei Kontern noch Ergebniskosmetik betreiben können.
Das hätte der Emder Party-Stimmung aber nicht großartig geschadet. „Es hat viel zu lange gedauert, dass wir mal wieder einen Sieg eingefahren haben. Der Druck war groß“, sagte Stefan Emmerling. „Die zweite Halbzeit lässt hoffen für das Spiel in Meppen. Ab Platz sechs beginnt die Abstiegszone. Deshalb ist es wichtig so viele Punkte wie möglich bis zur Winterpause zu holen.“
Nun geht es erstmal am Samstag zum Topteam Meppen. Dort möchte Altona-Matchwinner Tido Steffens doppelt feiern. Eine Überraschung mit seinem Team und ein persönliches Jubiläum: sein 400. Pflichtspiel für Kickers Emden.
Kickers Emden: Djokovic; Andresen (84. Stöhr), Mahncke, Göttlicher, Engel, Siderkiewicz (33. Schröder), Schmidt, Gumpert, Steffen (68. Eickhoff), Steffens (80. Schiller), Stepantsev (46. Eickschläger).
Tore: 1:0 Steffens (14.), 1:1 Tobinski (20.), 2:1 Engel (46.), 3:1 Steffens (57.), 4:1 Schmidt (61.), 5:1 Schiller (Foulelfmeter, 85.)