Osnabrück  Osnabrücker produziert Song für den ESC 2026: Darum will Björn Amadeus Kahl nach Wien

Noah Schnarre
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Von Noah Schnarre
| 01.11.2025 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Geht es nach Björn Amadeus Kahl, dann tritt er mit seinem Song beim nächsten ESC in Wien an. Wie klingt der? Foto: André Havergo
Geht es nach Björn Amadeus Kahl, dann tritt er mit seinem Song beim nächsten ESC in Wien an. Wie klingt der? Foto: André Havergo
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Wenn es nach Björn Amadeus Karl geht, dann geht‘s für ihn im Mai 2026 nach Wien. Nicht für einen Städtetrip, sondern um für Deutschland am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Dafür hat er gemeinsam mit Freunden einen Song produziert. Wie klingt der?

Es ist Donnerstagnachmittag, und Osnabrück zeigt sich von seiner herbstlichen Seite: grauer Himmel, leicht windig, es nieselt. Das passt gut zur Stimmung, mit der manch deutscher ESC-Fan mittlerweile auf den Eurovision Song Contest blicken könnte. Seitdem Lena Meyer-Landrut den ESC im Jahr 2010 für Deutschland gewann, schafften es die deutschen Beiträge nicht mehr aus dem Keller der Platzierung hinaus.

Deshalb klingt der Plan von Björn Amadeus Kahl auch so ambitioniert. Geht es nach dem Osnabrücker, dann steht er im Mai 2026 nicht nur auf der Bühne des Eurovision Song Contests, um Deutschland zu repräsentieren, sondern entscheidet den Wettbewerb auch für sich. „Der nächste ESC findet in Wien statt. Wäre doch genial, wenn der Gewinner dann Amadeus heißen würde“, sagt er schmunzelnd. 

An diesem Donnerstag sitzt Kahl am Flügel des Klavierhauses Rohlfing. Draußen rauscht der Verkehr über die Bramscher Straße, drinnen läuft sein Song über die Boxen. Eine Woche hat er das Stück gemeinsam mit drei Freunden bei Rohlfing produziert – auch das ist ambitioniert. „In der Regel dauert das Songwriting deutlich länger“, erklärt Kahl, „die Frist saß uns im Nacken.”

Bis zum 22. Oktober war es möglich, sich als deutscher Musiker mit einem Song für den deutschen Vorentscheid des ESC zu bewerben. Davon hat Björn Amadeus Kahl durch Zufall erfahren. „Wir haben vier Tage intensiv an dem Song gearbeitet, jetzt steht nur noch das finale Mixen und Mastern an. Das übernimmt ein befreundeter Produzent“, sagt Kahl. 

Eigene Songs schreibt Kahl schon seit über zehn Jahren. Damit angefangen hat er während seines Popmusik-Studiums am Institut für Musik (IfM). Und schon während seines Studiums stand der Wahlosnabrücker auf der großen Bühne: 2014 bewarb er sich bei „The Voice of Germany“, schaffte es sogar bis in die Liveshows. In der letzten Runde vor dem Halbfinale schied er aus.

„Das war ein unfassbar aufregendes Erlebnis“, sagt Kahl rückblickend. „Damals stand ich alleine auf der Bühne. Wenn unser Song die SWR-Jury überzeugt, dann trete ich gemeinsam mit meinen Freunden an. Das wäre etwas Unvergessliches.“ 

Björn Amadeus Kahl wäre nicht der erste IfM-Absolvent, der sein Glück beim ESC probiert. Mit dem Sänger Jendrik trat vor vier Jahren ein ehemaliger Musical-Student aus Osnabrück für Deutschland an. Sein ESC-Beitrag „I don’t feel hate“ transportierte zwar die richtige Botschaft, fiel beim internationalen Publikum aber durch. Jendrik landete weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Für Björn Amadeus Kahl geht es beim ESC nicht unbedingt um die Topplatzierung. „Dass Deutschland in den letzten Jahren so schlecht abgeschnitten hat, nimmt den Druck raus“, sagt er schmunzelnd. „Überhaupt mitzumachen, wäre das Größte. Denn auch wenn man nur Platz 23 erreicht, haben Millionen Menschen deine Musik gehört. “

Die Musik, die Kahl ins Rennen für das ESC Finale schickt, ist leicht und positiv. Es ist ein Song, den man sich anhört, wenn man nachts durch die Straßen läuft. Er beginnt mit einem Intro, das an die Wiener Klassik erinnert und dann von treibenden Techno-Beats abgelöst wird.

Die Lyrics hat Kahl gemeinsam mit seiner Bandkollegin Emily Eriksson auf Deutsch und auf Schwedisch verfasst, inhaltlich geht es um eine Sommernacht in Wien. Besser kann ein Song den Gedanken der Völkerverständigung, dem Kernelement des ESC, nicht auf den Punkt bringen.

Draußen peitscht der Regen weiter gegen die Schaufenster. Aufklaren wird es heute nicht mehr. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen. 

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