Osnabrück Café für obdachlose Frauen: Wie der Osnabrücker SKM bei Vermietern abblitzt
Der SKM in Osnabrück möchte eine Tageswohnung für wohnungslose Frauen aufbauen, findet aber partout keine Räume. Hohe Auflagen treffen auf Vorbehalte bei den Vermietern, berichtet SKM-Mitarbeiter Heinz Hermann Flint.
Mehr als 100 wohnungslose Frauen leben in Osnabrück. Ihnen will die Wohnungslosenhilfe der Sozialen Dienste SKM eine Tageswohnung mit Cafébereich anbieten – einen männerfreien Ort, an dem sie sich sicher fühlen, sich waschen, aufwärmen und mit Sozialarbeiterinnen sprechen können. Es gibt ein Konzept, es gibt Personal, es gibt den Bedarf – doch es fehlen die Räume.
Und die Suche gestaltet sich äußerst schwierig, wie SKM-Fachbereichsleiter Heinz Hermann Flint unserer Redaktion berichtet. Seit dem Frühjahr sucht er schon. Da hatte das Land Niedersachsen die Finanzierung zugesagt. Eine Mitarbeiterin hat der SKM schon eingestellt, eine zweite kommt jetzt noch dazu.
30 bis 40 Ladenlokale oder ähnliches habe er bereits besichtigt, sagt Flint. Er habe sich dabei einige Male den Vorwurf anhören müssen, so eine Einrichtung würde das Viertel abwerten. Flint zitiert sinngemäß potenzielle Vermieter: „Obdachlose Frauen? Das passt hier bei uns in die Lage nicht so rein.“ Oder aber er bekomme zu hören: „Wichtige Einrichtung, aber nicht bei uns.“
Dabei sei es ja aufgrund zahlreicher Vorgaben schon schwer genug, überhaupt geeignete Immobilien für die Tageswohnung für Frauen zu finden, sagt Heinz Hermann Flint: Barrierefrei soll sie sein, bezahlbar und innenstadtnah. „Ideal wäre innerhalb des Wallrings oder kurz dahinter“, sagt Flint. Denn die Tageswohnung soll ja auch gut erreichbar sein für die Frauen.
Bei der gemischten Tageswohnung am Hasetor in der Bramscher Straße 11 ist das gegeben. Doch die ist am Limit angesichts eines Rekordhochs von derzeit rund 600 Wohnungslosen, die keinen Mietvertrag haben.
Flint und sein Team befürchten, dass es in Osnabrück deutlich mehr als die knapp über 100 wohnungslosen Frauen gibt, die der SKM statistisch erfasst hat. Sie gehen davon aus, dass die Betroffenen sich in mitunter gefährliche Abhängigkeitsverhältnisse begeben, um nur nicht auf der Straße zu landen.
Die Fachleute hoffen, dass mehr Betroffene sich Hilfe suchen, wenn es ein Angebot nur für Frauen gibt, mit Sozialarbeiterinnen, die auch auf den Umgang mit Traumata spezialisiert sind.
Die Barrierefreiheit einer solchen Tageswohnung für Frauen ist eine Bedingung des Landes Niedersachsen, aber aus Flints Sicht auch sinnvoll. „Unsere Leute werden unbeweglicher, älter und sind zum Teil mit dem Rollator unterwegs“, berichtet er. Das Problem: Barrierefreiheit ist ein K.-o.-Kriterium für viele Immobilien.
Eine weitere Anforderung sind geeignete sanitäre Anlagen: Die Tageswohnung braucht eine Toilette sowie Duschmöglichkeiten für die Besucherinnen und ein WC für die Mitarbeiterinnen, erklärt Flint. In vielen Ladenlokalen, die er besichtigt hat, seien keine Bäder eingebaut und der Aufwand, dies nachzuholen, sei den Vermietern zu groß.
Zudem sollen die Räume bezahlbar sein. Flint spricht von acht bis neun Euro pro Quadratmeter, das seien die „lokal angemessenen Mieten“, die das Land erwarte. Teilweise würden aber Preise von 30 Euro pro Quadratmeter aufgerufen.
Außerdem benötige die Einrichtung einen Cafébereich, eine Küche und einen Ruheraum. Mit Maklern, mit der Stadt und anderen Vermietern sei er in Kontakt, so Flint, außerdem suchen er und sein Team auf den gängigen Online-Portalen.
Dieses Jahr hat Flints Team darüber hinaus auch Probleme, Räume für eine „Warme Platte“ zu finden, wo Obdachlose in den Wintermonaten übernachten können.
Geeignet sind Räume in Häusern, die leer stehen oder abgerissen werden sollen und die der SKM für sein freiwilliges Angebot nutzen darf. Die letzten beiden Winter über war das im leerstehenden Studentenwohnheim in der Dodesheide möglich, doch im Sommer hat es dort zweimal gebrannt.
Normalerweise eröffnet die „Warme Platte“ Mitte November. Aber bislang sind laut Flint keine Räume in Sicht.