Osnabrück Ratsfraktionen im „Brückengeflüster“: Ein Ja zur Stadionsanierung zeichnet sich ab
Vor der entscheidenden Abstimmung im Osnabrücker Stadtrat am 4. November zeichnet sich eine Mehrheit für die Sanierung des Stadions an der Bremer Brücke ab. Vertreter von CDU, SPD und Grüne signalisieren im „Brückengeflüster“-Podcast Zustimmung, die FDP bleibt kritisch.
Am 4. November entscheidet der Rat der Stadt Osnabrück über die Sanierung des Stadions an der Bremer Brücke. Die Zukunft der Heimspielstätte des VfL Osnabrück ist eines der zentralen Themen der Stadtpolitik in diesem Jahr - und das zentrale Thema der neuen Ausgabe des „Brückengeflüster“-Podcasts. Weniger als eine Woche vor der Entscheidung diskutierten Vertreter der vier größten Stadtratsfraktionen - Marius Keite für die CDU, Robert Alferink für die SPD, Jens Meier von den Grünen und Oliver Hasskamp von der FDP - das Für und Wider der Sanierung. Drei von Vieren sendeten dabei ein klares Signal, stellten nämlich die Zustimmung zu den Sanierungsplänen in Form der Beschlussvorlage der Verwaltung in Aussicht. Das sind die zentralen Aussagen aus dem „Brückengeflüster“.
FDP-Politiker Hasskamp erschien zur Aufnahme als einziger mit einem VfL-Schal um den Hals - obwohl seine Fraktion bislang von allen am kritischsten dem Projekt gegenüberstand. Hasskamp erklärte dazu: „Wir sind nicht gegen den VfL und das wollte ich damit ausdrücken.“ Als Kommunalpolitiker seien er und seine Kollegen aber maßgeblich auch dafür gewählt worden, kritisch zu sein und die Arbeit der Verwaltung zu hinterfragen. Für seine Fraktion seien dabei in der bisherigen Planung viele Fragen noch offen geblieben, betonte er.
Meier, Keite und Alferink zeigten sich den Plänen insgesamt aufgeschlossener gegenüber und erklärten, detaillierte Gespräche mit den Planern, dem Verein und der Verwaltung geführt zu haben, die sie in Verbindung mit den von den Architekten vorgestellten Entwürfen überzeugt haben. Alferink, der den Stadtteil Schinkel, also die Heimat der Bremer Brücke, im Rat repräsentiert und für die SPD als Oberbürgermeisterkandidat im kommenden Jahr antritt, unterstrich seine wohlwollende Haltung gegenüber des Projektes mit einem hypothetischen Zukunftsbild: „Ich will mir nicht vorstellen, dass anstelle der Bremer Brücke in fünf Jahren dort Wohnblocks stehen.“ Meier sagte in Bezug auf die Architekten-Entwürfe: „Das ist die Bremer Brücke und das ist eine deutlich verbesserte Bremer Brücke. Als Fußballfan kann man da nur sagen, dass die Planer verstanden haben, was ein Fußballstadion im Schinkel auszeichnet.“
67,3 Millionen Euro soll die Sanierung laut der Beschlussvorlage kosten. Eine erste Schätzung, die nach der Findung eines Generalunternehmers konkretisiert und finalisiert werden soll. 33 Millionen Euro davon sollen aus dem städtischen Haushalt der Jahre 2026 (24,4 Mio.) und 2027 (8,6 Mio.) entnommen werden. Die restlichen 34,3 Millionen werden kreditfinanziert und über eine Pacht, die der VfL an die Stadion KG in Händen der Stadt abführt, getilgt.
So der Plan, an den FDP-Politiker Hasskamp nicht so recht glauben mag. Er warnte vor der bei größeren öffentlichen Bauprojekten üblichen Kostensteigerung im Laufe der Arbeiten und dem ohnehin hohen Schuldenstand im städtischen Haushalt, der sich ein solches Vorhaben angesichts anderer Herausforderungen seiner Ansicht nach nicht leisten könne. Dazu habe die Verwaltung nicht alle Möglichkeiten ausgelotet, alternative Finanzierungskonzepte zu prüfen - etwa eine Genossenschaft mit Beteiligung der Fans oder die Mithilfe eines privaten Investors.
Grünen-Fraktionschef Meier argumentierte dagegen vor allem mit dem hohen Wert, den der VfL und der Profifußball für die Stadt hat. „Wenn ein Verein im Profifußball spielt, strahlt das positiv auf die Stadt zurück“, sagte er. Der VfL und seine Fans stünden für Gemeinschaft, Zusammenleben und Identifikation in und mit der Stadt. „Eine große Summe ist es in jedem Fall“, sagte dagegen CDU-Politiker Keite, zog aber auch einen Vergleich: „Wir investieren in den nächsten zehn Jahren über 500 Millionen Euro in Schulen.“ Andere Dinge kämen also nicht zu kurz, so das Mitglied des Finanzausschusses, das Meier zustimmte. „Der originäre Zweck des VfL und der Fanszene ist es, ganz unterschiedliche Menschen zusammenzubringen. Alle zwei Wochen ist dort eine fünfstellige Zuschauerzahl. Keine andere Einrichtung in Osnabrück schafft das. Wir machen hier etwas, das sehr vielen Leuten zugutekommt.“ Demnach sei eine Investition in dieser Höhe sinnvoll und zielführend.
Bis zu 2,2 Millionen Euro sollen laut der Beschlussvorlage in Zukunft jährlich in den städtischen Haushalt eingeplant werden, um die Kredite inklusive Zinsen zu bedienen, Abschreibungen abzusichern, die Betriebskosten des Stadions auszugleichen und die Instandhaltung sicherzustellen. Vor allem CDU-Mann Keite macht diese Aussicht „keine großen Sorgen“. Nach den Gesprächen mit Verein und Planern sowie dem Blick auf ähnliche Stadien an anderen Standorten sieht er nicht die Gefahr, dass die Stadt wirklich jährlich diese Summe für den Betrieb der Bremer Brücke investieren muss: „Es ist nicht so, dass man sich darauf einstellen muss, dass jedes Jahr einen Millionensumme anfällt.“
Eine Sichtweise, die die FDP um Hasskamp nicht nachvollziehen kann, weil die Stadt auch an anderen Bereichen wie dem Klinikum oder dem Zoo jährlich Zuschüsse leisten müsse, die Einstiegsinvestition mit 33 Millionen Euro zu hoch sei und keine „Gegenfinanzierung“ gewährleistet sei.
Alferink sagte zu diesem Thema: „Wir wissen, dass das ein Kritikpunkt ist, deswegen müssen wir das offen ansprechen: Der VfL wird durch die Pacht nicht alles refinanzieren.“ Dennoch habe sich seine Fraktion darauf geeinigt, ein „mögliches Defizit in Kauf zu nehmen, weil wir dieses Stadion sanieren wollen.“
Die EU-Beihilferichtlinien, nach denen sich die Stadt im Rahmen der Finanzierung halten muss, geben vor, dass in der zukünftig sanierten Bremer Brücke die Möglichkeiten zur Drittnutzung erweitert werden müssen. Bedeutet konkret: Es muss die Möglichkeit bestehen, 20 Prozent der Veranstaltungen abseits der Hauptnutzung durch den VfL auszutragen.
Gerade für Alferink ist die Einrichtung einer Begegnungsstätte im Stadion ein zentrales Thema, um die Bremer Brücke für die Menschen im Stadtteil und darüber hinaus zu öffnen. Die Einrichtung eines solchen Zentrums, die auch Inhalt des Planungsauftrags aus dem vergangenen Jahr war, sieht er nach Beratungen mit dem VfL und den Planern erfüllt.
Während FDP-Mann Hasskamp die Absage an eine regelmäßige Drittnutzung in Form von Konzerten und Großveranstaltungen kritisierte, betonten Meier und Alferink die schwierige Lage auf dem Konzertmarkt und warnten vor möglichen Folgekosten durch etwa die Zerstörung des Rasens und die Lärmemissionen zu Ungunsten der Anwohner, die ohnehin schon viel aushalten müssten. Zudem müsste dafür der Bebauungsplan geändert werden, der das Areal der Bremer Brücke aktuell als „Sportplatz“ ausweist - ein langwieriges Verfahren.
CDU-Fraktionschef Keite, der für die Drittnutzung die Möglichkeiten von Tagungen oder Kongressen in den VIP-Räumlichkeiten ins Spiel brachte, schränkte insgesamt ein: „In erster Linie bauen wir hier ein Stadion für den Profifußball.“ Meier würde diese Sichtweise gerne erweitern und schlug vor, die Bremer Brücke gelegentlich auch für den Amateur- und Jugendfußball zu öffnen.
Insgesamt sehen CDU, SPD und Grüne die Möglichkeiten zur Drittnutzung als ausreichend an, auch wenn die Möglichkeiten, hochkarätige Erlöse zu generieren, um die Betriebskosten auszugleichen, beschränkt seien.
Eine Fraktionsdisziplin, das gaben alle Stadtpolitiker an, soll es in ihren jeweiligen Fraktionen nicht geben. Alle Stadtratsmitglieder sollen demnach nach ihrem Wunsch entscheiden. Dennoch scheint das Bild in allen Fraktionen recht eindeutig zu sein. FDP-Politiker Hasskamp gab an, er und seine Fraktion werden voraussichtlich geschlossen gegen den Antrag stimmen. Alferink, Meier und Keite sagten, sie selbst würden für die Beschlussvorlage stimmen - und gleichzeitig davon ausgehen, dass das auch für mindestens weite Teile oder sogar alle weiteren Mitglieder ihrer Fraktionen gelte. Eine letzte Diskussion innerhalb der Fraktionen stehe zwar noch aus, aber so zeichnet sich ein klares Ja für die geplante Sanierung der Bremer Brücke ab. CDU, SPD und Grüne stellen im Stadtrat gemeinsam 31 Sitze, ohne Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, die sich in der Vergangenheit ebenfalls zur Sanierung bekannt hat und deren Verwaltung die Beschlussvorlage ja auch ausgearbeitet hat. 26 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig - und werden nach Lage der Dinge erreicht.