Osnabrück  Er bringt Leben in die Bude der Stadtbibliothek in Osnabrück

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 01.11.2025 11:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Stadtbibliothek Osnabrück ist ein lebendiger Ort, sagt Michael Meyer. Er muss es wissen, denn er veranstaltet dort verschiedene Events. Foto: Thomas Wübker
Die Stadtbibliothek Osnabrück ist ein lebendiger Ort, sagt Michael Meyer. Er muss es wissen, denn er veranstaltet dort verschiedene Events. Foto: Thomas Wübker
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Wer glaubt, die Stadtbibliothek Osnabrück ist ein stiller, verstaubter Ort, der lebt wohl noch im vergangenen Jahrtausend. Mittlerweile bietet sie einen Raum für Menschen, wo sie ihre Kreativität ausleben können. Das liegt auch an Michael Meyer.

Michael Meyer hatte nie vor, in einer Bibliothek zu „verstauben“. Er hat in Osnabrück und Kiel Germanistik und Soziologie studiert. „Ich wollte was studieren, was mich interessiert, und war so naiv zu glauben, dass ich nach meinem Studium schon was finde, was dazu passt“, erzählt der 38-jährige Osnabrücker. Doch es kam anders, als er dachte.

Er bewarb sich auf eine offene Stelle in der Stadtbibliothek in Osnabrück und wurde genommen. Heute sagt er, dass ihn das Bibliothekswesen erfülle. Aber das hat er sich zum Teil auch selbst zu zuschreiben.

Vor zwölf Jahren war in Deutschland das Spiel „Quiz-Duell“ schwer angesagt. Michael Meyer brachte es in die Stadtbibliothek und lud zu „Quiz Duell“-Turnieren. Dies war seine erste kulturelle Veranstaltung. Es folgten Formate wie die literarische Mittagspause, die Human Library, das Retro-Gaming und die Silent Reading Party, die allerdings nicht in der Stadtbibliothek gefeiert, sondern im Shock Café in der Hasestraße. „Ich wollte bewusst einen Kontrast schaffen und die Ruhe aus der Bibliothek in das laute Punk-Café exportieren“, sagt er. Das ist ihm gelungen. Bislang wurden viele Bücher in der Stille der „Silent Reading Partys“ gelesen. Die nächste findet am 21. November statt.

Als Maßgabe für seine Veranstaltungen hat er eine persönliche Messlatte: „Wenn ich Lust habe, da hinzugehen, mache ich es.“ Von der „Silent Reading Party“ hat er gelesen und sie nach Osnabrück importiert. „Ich möchte damit und mit den anderen Veranstaltungen Menschen zusammenbringen, die gleiche Interessen haben.“

Manchmal findet er Inspiration für neue Events auch in der eigenen Familie. Seine Tochter kann gut malen. Für sie hat der dreifache Vater eine Ausstellung im eigenen Zuhause organisiert, mit einem digitalen Flyer und Einladungen. „Kinder zeigen gerne, was sie gelernt haben und was sie können“, sagt Michael Meyer. So ist die Idee für die neueste Veranstaltung geboren worden.

Am 7. November findet zum ersten Mal eine „Open Stage“ für Kinder in der Stadtbibliothek statt. Dort finden sie einen Raum, wo sie zeigen können, was sie wollen. Eine „Open Stage“ für Erwachsene gibt es schon.

Mit diesen Formaten arbeitet Michael Meyer aktiv gegen das Klischee der verstaubten Bibliothek, das schon lange nicht mehr der Realität entspricht. „Man muss hier nicht leise sein, die Stadtbibliothek ist ein lebendiger Ort“, sagt er. Insbesondere beim „Retro Gaming“-Treff gehe es sehr laut zu. „Alle denken, wir haben nur alte Bücher, aber wir haben auch alte Videospiele“, sagt Michael Meyer und grinst. Gleichzeitig sei die Bibliothek dennoch ein Ort, wo man in Ruhe arbeiten kann.

Im Kopf von Michael Meyer entstehen weitere Ideen für Veranstaltungen. Im kommenden Jahr möchte er ein Sommerfest veranstalten, für 2027 ist ein Literatur-Festival geplant. So bringt Michael Meyer immer wieder Leben in die Bude. Dabei ist er selbst eher ein stiller Mensch.

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