Osnabrück  Ameos Osnabrück muss sich neu aufstellen – „und kein Patient wird abgewiesen“

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 30.10.2025 05:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Ameos-Klinik auf dem Getrudenberg in Osnabrück wird intern umstrukturiert. Foto: Jörn Martens
Die Ameos-Klinik auf dem Getrudenberg in Osnabrück wird intern umstrukturiert. Foto: Jörn Martens
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Die Ameos-Klinik in Osnabrück baut die internen Strukturen um. Der Leistungsumfang werde nicht reduziert, sondern verändert – zum Wohle der Patienten, sagt Ameos. Wirtschaftlicher Druck und drohende Strafgelder spielen auch eine Rolle.

Wenn ein Krankenhaus-Betreiber Arbeitsbereiche „bündeln“, Versorgungsangebote „konzentrieren“ oder sich „spezialisieren“ will, dann schrecken Mitarbeiter und Patienten auf. Dann liegt die Frage in der Luft: Wird hier etwas weggespart? Nein, versichert die Spitze der Ameos-Klinik Osnabrück. Die Strukturen würden den veränderten medizinischen Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben angepasst. Kein Patient müsse Nachteile befürchten. Im Gegenteil.

Insider hatten gegenüber unserer Redaktion die Befürchtung geäußert, dass zwei Stationen geschlossen, zwei weitere Stationen halbiert und insgesamt bis zu 60 Betten abgebaut werden.

Von Bettenabbau spricht Sabrina Zientek, Ameos-Regionaldirektorin West, in einem Gespräch mit unserer Redaktion nicht. Sie sagt, die Anpassungen seien nötig, weil sich die Psychiatrie ständig weiter entwickele und sich der Bedarf ändere. Außerdem folge Ameos dem vom Gesetzgeber vorgegebenen Pfad, die stationäre Behandlung zugunsten einer ambulanten oder tagesklinischen Versorgung zurückzufahren.

„Das Versorgungsangebot wird nicht reduziert“, verspricht Sabrina Zientek. Und Pflegedirektor Manfred Timm ergänzt: „Kein Patient wird abgewiesen.“ Auch die Arbeitsplätze seien nicht in Gefahr.

Timm führt als Beispiel für neue Herausforderungen die Suchtbehandlung auf. Immer mehr Patienten litten unter einer Mehrfachabhängigkeit. Alkohol, Kokain, Designerdrogen – häufig seien es fünf oder mehr Stoffe, von denen Menschen abhängig seien.

Auch nicht stoffliche Abhängigkeiten wie Internet-, Sex- oder Spielsucht nähmen zu. Von der Entgiftung bis zu Rehabilitation sollen die Behandlungsschritte künftig enger verzahnt werden.

Zusammengeführt werden dem Plan zufolge auch die psychosomatischen und die psychotherapeutischen Bereiche. Zur Psychosomatik zählen zum Beispiel Essstörungen und Ängste (Phobien). In der Psychotherapie werden unter anderem Vergewaltigungsopfer behandelt. Die Zusammenführung dieser Bereiche mache es möglich, dass die Patienten auch in Zukunft ihre jeweiligen Bezugspersonen behielten, sagt der Pflegedirektor.

Die weitestgehende Veränderung betrifft das Gerontopsychiatrische Zentrum (GPZ), das in einem Altbau etwas abseits der Knollstraße untergebracht ist. Es soll mit seinem stationären Bereich ins Hauptgebäude umziehen. „Wir sind dabei, Raumpläne zu erstellen“, so Regionalleiterin Zientek. Das GPZ solle künftig für „tagesklinische und ambulante Angebote“ genutzt werden.

Die Gerontopsychiatrie stand in der Vergangenheit besonders in der Kritik, weil der Altbau heutigen Anforderungen nicht genügt. Ein Neubau auf der Wiese neben dem Ameos-Haupthaus an der Knollstraße ist seit Jahren in der Planung. Ameos verfolge diese Idee weiter, sagt die Regionalgeschäftsführerin. Zum Stand der Planung wollte sie sich aktuell nicht äußern.

Mit der internen Umstrukturierung will Ameos effizienter werden, Kosten sparen und Strafzahlungen vermeiden. Hintergrund ist eine Änderung der Richtlinie zur Personalausstattung in Psychiatrie und Psychosomatik (PPP-RL), die zum 1. Januar 2026 in Kraft tritt. Die Richtlinie sieht Strafgelder vor, wenn Kliniken bestimmte Personalschlüssel nicht erreichen. Ohne interne Reform liefe Ameos Gefahr, ab 2026 finanziell sanktioniert zu werden.

Die Ameos-Spitze hält die Richtlinie für unnütz und sogar schädlich, weil sie hohen bürokratischen Aufwand erzeuge. Allein die Ameos-Region West, zu der auch das Haus in Hildesheim gehört, beschäftigt nach Angaben der Regionalchefin ein fünfköpfiges Team, um die Anforderung der Personalrichtlinie umsetzen zu können.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert die Richtlinie als „nicht umsetzbar“. Sie erschwere die psychiatrische und psychosomatische Versorgung. Nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft behindern die „unflexiblen und starren Mindestvorgaben“ der PPP-RL die Krankenhäuser in der Umsetzung ihrer individuellen Behandlungskonzepte. Eines der Grundprobleme sei, dass sich die Vorgaben vom tatsächlichen Personalbedarf in den Kliniken entfernt hätten.

Der Ameos-Standort in Osnabrück hat seit Jahren Probleme, qualifiziertes Personal zu finden. „Wir bieten attraktive Arbeitsplätze“, sagt Pflegedirektor Timm, der seit über 40 Jahren auf dem Getrudenberg arbeitet.

Timm räumt ein: Die Kritik aus der Politik und negative Schlagzeilen über Ameos schreckten Bewerber ab und erschwere die Personalsuche. Deshalb will Ameos verstärkt seinen Nachwuchs selbst ausbilden. Die Zahl der Azubi-Stellen soll von derzeit 176 auf über 200 erhöht werden.

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