Vechta Vizepräsidenten des VfL Osnabrück schießen mit Ministerin auf neue Tore - in der JVA Vechta
Preisgeld nachhaltig investiert: 12.000 Euro hat die Auszeichnung der Zusammenarbeit des VfL Osnabrück mit der JVA Vechta in der Kategorie „Resozialisierung“ beim Sepp-Herberger-Award des DFB eingebracht. Nun wurden im Beisein der niedersächsischen Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) zwei Eisentore auf dem Sportplatz der Inhafiterten eingeweiht.
Die Stimmung beim Einlauf der Teams zum Neun-Meter-Schießen im Gefängnishof der Justizvollzugsanstalt Vechta war besonders: Rufe und Johlen der Inhaftierten aus den Zellen der fünfstöckigen Haftgebäude direkt neben und hinter dem Hartplatz, dazu ein wenig Geklapper von Tassen an den Gitterstäben vor den Fenstern. Die Geräusche schufen eine Mischung von Stadionatmosphäre und den typischen Geräuschen eines Bolzplatzes zwischen hohen Wohnsilos in einer Großstadt.
Angetreten sind zwei Mannschaften: Auf der einen Seite „Team Justiz“, unter anderem mit der aus Hasbergen bei Osnabrück stammenden Landesjustizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) sowie den VfL-Vertetern Michael Wernemann, Christoph Determann (beide Vizepräsidenten) und Sebastian Rüther (Direktor Öffentlichkeitsarbeit und soziale Verantwortung). Ihre Gegner: Insassen der JVA Vechta, die zwar noch eine mehrjährige Haftstrafe absitzen müssen, sich aber zuletzt mit guter Führung und dem spürbaren Interesse am Einschlagen eines solideren Lebensweges bewährt haben und auch wegen ihrer Leidenschaft für den Fußball im Team des Gefängnisses kicken.
Der Anlass: Die Einweihung der neuen, schweren Eisentore auf dem Sportplatz. Ihr Kauf und ihre sichere Verankerung im Boden - wichtig, damit kein Häftlling die Tore etwa für aufrührerische Zwecke umwerfen oder wegtragen kann - hat ein Sponsor der Lila-Weißen erledigt: Zu einem angesichts des Aufwandes guten Kurs, wie zu hören war, allerdings war eine Investition des Preisgeldes der Sepp-Herberger-Stiftung schon nötig: Jeweils 6.000 Euro hatten sowohl die JVA Vechta, als auch der VfL bekommen für die erfolgreiche Implementation des Projektes „Anstoß in ein neues Leben“.
„Dass Strafgefangene in der öffentlichen Wahrnehmung nicht gut gelitten sind, ist logisch - aber wir dürfen nicht vergessen: Das sind junge Menschen, die Orientierung brauchen. Würden wir sie einfach nur wegsperren, wäre der Rückfall nach ihrer Entlassung vorprogrammiert“, sagte Ministerin Wahlmann vor ihrem Rechtsschuss vom Punkt. Die 48-Jährige, die am Ratsgymnasium ihr Abitur gemacht hat und später unter anderem als Rechtsreferendarin am Landgericht Osnabrück arbeitete, lobte das Engagement der Lila-Weißen in der JVA Vechta mit dem Ziel der Resozialisierung der Gefangenen.
Schon seit knapp zwei Jahren läuft das Projekt mit verschiedenen Aktionen: Fußballspiele der Häftlinge gegen und mit der Traditionself der Lila-Weißen, Trainingseinheiten für Inhaftierte unter Anleitung lizensierter VfL-Trainer sowie Fußball mit U19-Spielern des Nachwuchsleistungszentrums, dem ein längerer Austausch zwischen den Fußballtalenten und den jungen Menschen unter 25 Jahren vorausging, die irgendwann komplett falsch abgebogen sind. „Davon profitieren auch wir: Von diesen Lebenswegen zu erfahren und sich damit auseinanderzusetzen, hilft beim Aufbau sozialer Kompetenz, die wir unseren Jungs neben dem Fußballspielen vermitteln wollen“, nannte VfL-Direktor Rüther einen wichtigen Punkt, wieso man als VfL voll hinter dem Projekt stehe.
Das hat auch der DFB erkannt, der das lebendige Projekt in diesem Jahr mit dem 1. Preis der Sepp-Herberger-Stiftung gewürdigt hat. Gemeinsamer Sport vermittle Werte wie Fleiß, Disziplin, Durchhaltevermögen und die Erfahrung, wie man sich legal Erfolge erarbeitet, erklärte Manfred Krohn. Der Leiter der JVA Vechta scheiterte vom Punkt am Torwart des Häftlingsteams. Andre Werneke, neben Melanie Janßen für die JVA Vechta verantwortlich für das Projekt, hielt allerdings als Torwart des Häftlingsteams mehrere zwar scharf, aber unplatziert in seine Richtung abgefeuerte Schüsse, sodass das Team Justiz am Ende als 5:4-Sieger vom Platz ging.
Das Resultat aber war zweitranging: Das respektvolle Abklatschen zwischen Haftlingen, Vizepräsidenten und der Ministerin nach dem Shootout stand viel mehr für das, worum es geht - und für die Häftlinge auf ihrem weiteren Lebensweg gehen wird. Werneke als Leiter der Sportabteilung der Justizvollzugsanstalt fasste dies zum Abschluss des Events in Richtung seiner Häftlinge in schöne Worte. „Ich hoffe, dass dies hier Eure letzte Niederlage gegen die Justiz bleiben wird...“