Osnabrück  Happy Halloween! Eine Verteidigung des verhassten Grusel-Spaßes

Dr. Philipp Ebert
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Von Dr. Philipp Ebert
| 30.10.2025 12:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kürbisse, Kostüme, Grusel-Schmuck: Halloween macht Freude – polarisiert aber auch. Doch warum bloß? Foto: Andreas Arnold/dpa
Kürbisse, Kostüme, Grusel-Schmuck: Halloween macht Freude – polarisiert aber auch. Doch warum bloß? Foto: Andreas Arnold/dpa
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Anti-Halloween-Parolen gehören zum Oktober wie Nieselregen und Kürbisgerichte. Unser Autor versteht nicht, weshalb das Grusel-Fest so polarisiert – und bricht eine Lanze für den heidnischen Spaß.

Vielleicht liegt es daran, dass ich aus Westfalen komme, aber wenn es um Aufreger geht, liegen sowohl mein Schmelzpunkt als auch mein Siedepunkt deutlich höher als bei anderen Menschen.

Bestes Beispiel: Halloween. Was wird an dem Gruseltreiben nicht immer herumgenörgelt. Neumodisch sei es, amerikanisch, kapitalistisch, heidnisch, um nur die gängigsten Vorwürfe zu nennen. Ich kann die Aufregung nicht verstehen, für ein solches Gezeter stehe ich nicht mal auf, schon gar nicht in der trüben Jahreszeit.

Ist es denn nicht ebenso neumodisch, dass wir jetzt selbst zu Hause Espresso trinken? Sind unsere kabellosen Kopfhörer weniger amerikanisch? Glaubt irgendwer, dass Weihnachten nicht konsummäßig verseucht ist? Und über die religiöse Standfestigkeit unserer Zeit müssen wir auch nicht reden.

Es spricht doch eigentlich nichts dagegen, dass wir einfach ein weiteres Fest feiern, wenn die Tage kurz sind und es draußen kalt oder, noch schlimmer, nasskalt ist. Zumal ja auch andere Festtraditionen erfunden sind, allen voran der Karneval. Wildes Treiben vor Beginn der Fastenzeit mag es zwar schon lange geben – übrigens nicht immer zur Zufriedenheit religiöser Autoritäten. Aber der Sitzungskarneval ist ja doch eine neuzeitige, bürgerliche Angelegenheit.

Und selbst der Straßenkarneval hat mancherorts erst in der Nachkriegszeit Einzug gehalten. Manche Traditionen werden eben erfunden. Man merkt bis heute, wo die Leute beim Rufen des „Helau” peinlich nach links und rechts schauen, hoffend, dass niemand sie beim vermeintlich totalen Verlust der Kontrolle über sich selbst beobachtet hat. Kostüme also gibt’s auch an Karneval, böse Geister vertreiben wir auch an Silvester.

Putzig verkleidete Kinder, die anklingeln, brav „Süßes oder Saures” sagen und Süßigkeiten einsammeln, sind demgegenüber doch eine zivile Angelegenheit. Oder liegt direkt hier der Hase im Korn, ähhh, Pfeffer? Ist der Grund für den allgemeinen Halloween-Hass, dass es hierzulande noch keine erwachsene Sauf-Überformung des Grusel-Spektakels gibt, wie es beim Karneval der Fall ist?

Ich jedenfalls finde: Jedes Fest tut gut. Also, feiern wir doch am besten Erntedank, Deutsche Einheit, Halloween, Sankt Martin, Totensonntag, Nikolaus und so weiter. Grund für Trübsalblasen wird sich trotzdem noch finden.

Wobei, eine gute Sache hat die Halloween-Lästerei ja: Sie erinnert jedes Jahr daran, dass es neben weltlichen Festen auch noch religiöse Feiertage gibt. Sonst würde das ja kaum jemand mitbekommen. In der Kirche jedenfalls treffe ich die meisten Halloween-Hasser nicht, weder am Reformationstag noch am 1. November – und das, obwohl das Allerheiligen-Fest dem vorabendlichen Halloween-Spektakel doch sogar den Namen geschenkt hat: All Hallows‘ Eve.

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