Itzehoe  Kein Haustier für Rentner? Wieso ein Tierheim in diesem Alter besonders aufpasst

Kristina Mehlert
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Von Kristina Mehlert
| 29.10.2025 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Aus dem Tierheim in ein liebevolles Zuhause: Rocky hatte Glück. Foto: Kristina Mehlert
Aus dem Tierheim in ein liebevolles Zuhause: Rocky hatte Glück. Foto: Kristina Mehlert
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Keine Vermittlung von Tieren an ältere Menschen? So einfach macht es sich ein Tierheim aus Itzehoe nicht. Aber es wird genau hingesehen, sagt die Leiterin. Welche Kriterien erfüllt werden müssen.

Wer einmal in die Augen eines Hundes oder einer Katze aus dem Tierschutz geschaut hat, weiß: Da spricht ein Herz. Das bringt auch immer wieder ältere Menschen ins Tierheim – auf der Suche nach einem neuen Gefährten, einem Stück Lebensfreude, vielleicht aber auch einem Mittel gegen die Einsamkeit, insbesondere nach dem Verlust des Partners oder wenn die Kinder aus dem Haus sind. „Ein Tier kann Trost spenden, Struktur in den Alltag bringen und viel Freude schenken“, sagt Claudia Danckers, Leiterin des Tierheims in Itzehoe (Schleswig-Holstein). Doch nicht jeder Wunsch nach einem Haustier lässt sich erfüllen.

„Wenn eine zarte ältere Dame sich einen 40-Kilogramm-Hund ins Haus holen möchte, macht das einfach keinen Sinn“, sagt Danckers offen. Manche Interessenten unterschätzten einfach, wie viel Kraft, Bewegung und Konsequenz etwa ein Schäferhund oder Jagdhund brauchten. „Auch wenn die neue Halterin schon 80 Jahre alt ist, können wir das einfach nicht guten Gewissens vermitteln. Das hat dann meiner Meinung nach auch nichts mehr mit Tierschutz zu tun“, so Danckers. Denn eine solche Kombination sei für Tier und Mensch meistens einfach zu anstrengend – und am Ende auch nicht fair gegenüber dem Tier.

In solchen Momenten sei viel Fingerspitzengefühl gefragt, sagt die Leiterin. „Niemand im Tierheim will jemanden enttäuschen. Wir suchen daher immer gemeinsam nach einer Lösung.“ Dass ältere Menschen grundsätzlich kein Tier mehr bekämen, stimme so nicht, betont sie. Oft findet sich doch noch ein älterer, ruhiger Hund oder eine verschmuste Katze, die perfekt passt. So vertraute sie vor einiger Zeit mal einem 90-Jährigen eine ältere, aber sehr ruhige Katze an – im Wissen, dass im familiären Umfeld alles geregelt war. „Inzwischen kümmert sich die Tochter um das Tier“, erzählt Danckers.

Volker Susemihl aus Itzehoe-Wellenkamp ist das beste Beispiel dafür, dass Tierliebe keine Altersgrenze kennt. „Ich kann mir ein Leben ohne Hund gar nicht vorstellen“, sagt der 82-Jährige. Wind und Wetter halten ihn nicht davon ab, mit seiner Labrador-Mischlingshündin Bärbel spazieren zu gehen. „Für ihren Namen kann ich nichts“, sagt Susemihl lachend.

Die achtjährige Hündin stammt aus einem Hundehotel in Immenstedt (Dithmarschen), wo sie vor etwa einem Jahr von einem älteren Herrn aus gesundheitlichen Gründen abgegeben worden war. „Meine Tochter lebt mit bei mir im Haus – daher spielte mein Alter bei der Vermittlung wohl auch keine Rolle“, sagt Susemihl, der seine Bärbel erst vor wenigen Wochen zu sich holte.

Anders erging es einem Paar aus Vaale, das sich bei mehreren Tierheimen nach einem Hund erkundigte. „Wir hatten keine Chance, einen Hund aus dem Tierschutz zu bekommen“, erzählt der Mann. Die Begründung sei gewesen: „An Rentner vermitteln wir keine Hunde mehr.“ Solche pauschalen Aussagen seien jedoch nicht die Regel, betont Danckers. „Bei uns entscheidet immer das persönliche Gespräch – nicht das Geburtsdatum.“

Und wer kein eigenes Tier halten kann, muss dennoch nicht auf tierische Gesellschaft verzichten: Spazierpatenschaften, Besuchsdienste oder einfach ein Nachmittag im Tierheim bieten Möglichkeiten, Zeit mit Tieren zu verbringen.

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