Schulentwicklung in Norden  Bevölkerung von Leybuchtpolder kämpft um ihre Grundschule

| | 29.10.2025 08:06 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Grundschule in Leybuchtpolder: Bürger fürchten jetzt um ihre Existenz. Foto: Rebecca Kresse
Die Grundschule in Leybuchtpolder: Bürger fürchten jetzt um ihre Existenz. Foto: Rebecca Kresse
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Die Zukunft der Grundschule in Leybuchtpolder ist ungewiss. Eltern und Ortsvorsteher kämpfen für den Erhalt – und warnen vor Folgen für das Dorfleben.

Norden - Noch ist in Norden keine Entscheidung über die künftige Entwicklung der Grundschulen getroffen – doch allein der Beratungsprozess versetzt die Menschen in Leybuchtpolder und Neuwesteel in helle Aufregung. Sie fürchten die Schließung ihrer Grundschule in Leybuchtpolder, wie Ortsvorsteherin Heike Ippen (ZoB) im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte. Deshalb hatten die Ortsvorsteher von Leybuchtpolder und Neuwesteel, Alwin Mellies (CDU) und Heike Ippen (ZoB) am Sonntag zu einem Informationsaustausch ins Dörphuus Neuwesteel geladen. Ratsmitglied Heike Ippen klärte dort darüber auf, dass der Norder Rat die Verwaltung aufgefordert hatte, einen Schulentwicklungsplan auf den Weg zu bringen, der das Ungleichgewicht von Schülerzahlen thematisiert.

Wie berichtet, sind die Schülerzahlen in Norden extrem unterschiedlich verteilt. Die Innenstadtgrundschulen Lintel und Im Spiet unterrichten mehr als 70 Prozent der 900 Norder Grundschüler, während nach Leybuchtpolder insgesamt nur rund 50 Kinder gehen. Ähnlich sieht es in Norddeich aus. Um nicht noch weiter zu schrumpfen, wurde die Grundschule Leybuchtpolder gerade erst zur Regelschule mit Montessori-Ansatz weiterentwickelt, wodurch das Einzugsgebiet größer wurde. Um für mehr Gerechtigkeit und Bildungsgleichheit unter den Schulen zu sorgen, hat die Norder Verwaltung verschiedene Szenarien zur Zukunft der Grundschulen entwickelt. Darin enthalten sind auch Überlegungen, die Schulen in Leybuchtpolder und Norddeich zu schließen oder zu sogenannten Satellitenschulen umzufunktionieren. Leybuchtpolder könnte dann Außenstelle der Grundschule Süderneuland, Norddeich eine Außenstelle der Grundschule Im Spiet werden.

Bevölkerung fürchtet um Dorfleben

Auch ein solches Außenstellenmodell ist laut Ippen in Leybuchtpolder keine Diskussionsgrundlage. Durch die Ausrichtung als Montessori-Schule seien sich die Schulleitungen von Süderneuland und Leybuchtpolder einig darüber, dass eine Zusammenlegung nicht infrage käme.

Zwar hatte Bürgermeister Florian Eiben zugesichert, keine Grundschule schließen zu wollen. Letztlich hat aber auch er nur eine Stimme im Rat, erläuterte Heike Ippen den Bürgern. Sollten sich die Fraktionen im Rat anders entscheiden als Eiben, könnte es für die Grundschule An der Leybucht düster aussehen. Sie befürchtet, dass es am Ende bei der Entscheidung rein um Zahlen gehen wird – also die geringen Schülerzahlen in Leybuchtpolder und den dortigen Investitionsbedarf für das Gebäude. Es dürfe aber in Leybuchtpolder nicht nur um die Zahlen gehen. Für den Fall der Schließung sehen die Menschen in Leybuchtpolder ihr Dorfleben in Gefahr, sagte Heike Ippen. So finde zum Beispiel der Sportunterricht in der Turnhalle des SV Leybucht statt. Dadurch würden die Kinder schon früh an einen Verein gebunden, der aktiv das Gemeinschaftsleben fördert. Ob das auch ohne Grundschule gelingt, bezweifelt Ippen.

Ippen: Niemand will seine Kinder zum Spiet schicken

Außerdem wolle niemand im Ort seine Kinder in die Grundschule Im Spiet schicken. Die Grundschule Im Spiet zählt mit rund 300 Schülern zu den größten Schulen der Stadt. Außerdem umfasst das Einzugsgebiet der Schule auch den sozialen Brennpunkt von Norden. „Die Menschen vor Ort sehen keinerlei Vorteile in einer Schließung“, sagte Ippen. Im Gegenteil. Der Schulweg wäre lang, und für die Grundschule Im Spiet würden die zusätzlichen Kinder keine Entlastung bedeuten. Denn es sei gar nicht klar, b die Lehrkräfte aus Leybuchtpolder dann auch an den Stadtschulen eingesetzt werden. „Wir wollen die Schule im Dorf erhalten. Das macht Leybuchtpolder aus. Das ist das Herzstück“, betonte Ippen.

Der Schulhof der Grundschule An der Leybucht ist für die Kinder eine zentrale Anlaufstelle – auch außerhalb der Schulzeit. Foto: Rebecca Kresse
Der Schulhof der Grundschule An der Leybucht ist für die Kinder eine zentrale Anlaufstelle – auch außerhalb der Schulzeit. Foto: Rebecca Kresse

Ab sofort wollen die Bürger aus Leybuchtpolder darum kämpfen – auch öffentlich sichtbar. So wollen sie künftig mit speziellen Warnwesten für den Erhalt der Grundschule bei öffentlichen Veranstaltungen auftreten. „Das ist dann unser Markenzeichen“, sagte Ippen. Außerdem möchten sie die Politik ausdrücklich vor einer Entscheidung beeinflussen“, wie Ippen betonte.

Das Gebäude der Grundschule Leybuchtpolder ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Foto: Rebecca Kresse
Das Gebäude der Grundschule Leybuchtpolder ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Foto: Rebecca Kresse

Schulleiter wirbt für seine Grundschule

Auch der Schulleiter der Grundschule Leybuchtpolder, Bernhard Schmunkamp, hat sich unterdessen mit einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt. Darin erklärt Schmunkamp, die Grundschule An der Leybucht sei in den 1980er Jahren aus der Zusammenlegung der beiden Ortsteilschulen Westermarsch und Leybuchtpolder hervorgegangen. Deshalb sei der zugeordnete Schuleinzugsbereich heute so groß, dass er etwa die Hälfte des Norder Stadtgebietes ausmache, schreibt Schmunkamp in seiner Mitteilung.

„Derzeit besuchen 53 Schüler diese ländlich gelegene Grundschule. Die Landesschulbehörde gestand der Schule für das Schuljahr 2025/26 Lehrerstunden im Umfang von drei Klassen zu. Damit die Schulen in ganz Niedersachsen etwa gleich gut mit Lehrerstunden versorgt sind, wird ein Teilungsfaktor angewandt. Damit unterrichtet eine Lehrkraft im Schnitt knapp 18 Schüler in einer Unterrichtsstunde. „Dabei muss sich die Lehrkraft auf zwei verschiedene Jahrgänge einstellen, die vor ihr sitzen“, so der Schulleiter.

Montessori-Pädagogik soll für mehr Schüler sorgen

Er ist davon überzeugt: Die Schülerzahlen werden wieder steigen. „Die Grundschule habe sich pädagogisch breiter aufgestellt und darf sich nun als „Montessori-orientiert“ bezeichnen. Die Grundschule An der Leybucht könnte aber auch für Familien eine interessante Alternative sein, die aus Greetsiel und Umgebung kommen; der Schulstandort Greetsiel soll nach dem Beschluss der Samtgemeinde Krummhörn aufgegeben werden. Eine realistische Einschätzung der Schülerzahlen für die Grundschule An der Leybucht könnte im Jahr 2028 bei 60 Schülern liegen“, so die Rechnung von Schmunkamp. Ob die Eltern aus der Krummhörn künftig tatsächlich die Grundschule An der Leybucht wählen werden, ist allerdings offen.

Das Gebäude der Grundschule Leybuchtpolder ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Foto: Rebecca Kresse
Das Gebäude der Grundschule Leybuchtpolder ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. Foto: Rebecca Kresse

Für eine gewisse internationale Durchmischung der Schülerschaften der städtischen Grundschulen trage außerdem die von den Schulleitungen gefasste „Norder Lösung“ bei, nach der auch die ländlichen Schulen, wie Norddeich, Süderneuland und An der Leybucht, Kinder mit Migrations- und/oder Fluchthintergrund aufnehmen, auch wenn diese nicht in ihrem Schuleinzugsgebiet wohnen. Tatsächlich verfügen aber nur sehr wenige Familien mit Migrationshintergrund etwa aus dem Warfenweg über die Möglichkeit, ihre Kinder nach Leybuchtpolder zu bringen.

Während Heike Ippen darauf drängt, nicht nur anhand von Zahlen über die Zukunft der Grundschule in Leybuchtpolder zu entscheiden, führt Schulleiter Schmunkamp eben diese für seine Argumentation an. Er schreibt dazu: „Wenn die Stadt Norden ihr Versprechen gegenüber den westlich gelegenen Ortsteilen, Baugenehmigungen für junge Familien schneller und einfacher zu erteilen, einhält, könnte die Größe der Schülerschaft bis 2035 bei ungefähr 70 Schüler liegen.“ Auch das sind allerdings Schülerzahlen, die weit von den Zahlen in Lintel mit etwa 340 und Im Spiet mit etwa 300 Schülern abweichen.

Der Schulhof der Grundschule An der Leybucht ist für die Kinder eine zentrale Anlaufstelle – auch außerhalb der Schulzeit. Foto: Rebecca Kresse
Der Schulhof der Grundschule An der Leybucht ist für die Kinder eine zentrale Anlaufstelle – auch außerhalb der Schulzeit. Foto: Rebecca Kresse

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