Hannover So funktioniert künftig der ärztliche Bereitschaftsdienst in Niedersachsen
Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat den ärztlichen Bereitschaftsdienst neu organisiert. Nach gut drei Monaten sprechen die Verantwortlichen von einem Erfolgsmodell. Das hat Gründe.
Niedersachsens Ärztinnen und Ärzte mit einer Kassenzulassung sind nicht mehr verpflichtet, außerhalb der Sprechstundenzeiten einen Bereitschaftsdienst zu absolvieren. Darum hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) den Bereitschaftsdienst neu organisiert. Drei Monate nach dem Start zog der Verband eine positive Bilanz. „Es funktioniert sehr gut. Wir können die Patientinnen und Patienten gezielter und effizienter versorgen“, sagte KVN-Vorstandsvize Thorsten Schmidt am Montag. Zudem sei es gelungen, die Arbeitsbelastung für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte deutlich zu reduzieren.
Und das hat sich konkret verändert: Patientinnen und Patienten, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 anrufen, erhalten zuerst eine „strukturierte medizinischen Ersteinschätzung“. Dann kommt die Telemedizin ins Spiel. Wenn nicht der Rettungswagen ausrücken muss oder der Weg zur Notarztpraxis nicht erforderlich ist, erfolgt innerhalb von 30 Minuten ein Rückruf durch den Telearzt. Er übernimmt die Beratung – telefonisch oder per Videostream – und kann sogar ein elektronisches Rezept oder eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen.
Sollte ein Hausbesuch notwendig sein, übergibt der Telearzt den Fall an den medizinischen Fahrdienst. Dazu hat die KVN einen Vertrag mit dem Johanniter-Hilfs-Dienst abgeschlossen. Der Verband stellt dafür in allen Regionen Niedersachsens Personal bereit, erläuterte Uwe Beyes vom Landesvorstand der Johanniter. Das Land wurde dazu in acht Bereitschaftsdienstsektoren aufgeteilt.
Damit orientiert sich die KVN an der Krankenhausplanung. Der Fahrdienst der Johanniter rückt von insgesamt 15 regionalen Dienststellen zwischen Ems und Elbe aus. Im Nordwesten sind es die Stationen in Aurich, Oldenburg und Ahlhorn (Landkreis Oldenburg). Durch das neue System würden Mehrfachanrufe bei der 116 117 und vor allem dem Rettungsdienst unter 112 vermieden.
Seit Beginn der Testphase im Juni 2025 seien insgesamt 38.201 Anrufe eingegangen, erklärte Schmidt. Ursprünglich habe die KVN kalkuliert, dass 50 Prozent der Anrufer telemedizinisch versorgt werden. Tatsächlich seien es – Stand heute – 80,2 Prozent oder 30.628 Fälle, bei denen kein Fahrzeug ausrücken musste. Beyes erklärte, es wurde „Druck aus dem System“ genommen, weil die Patienten deutlich seltener den Notruf unter 112 wählen. Die Johanniter haben rund 300 Mitarbeitende eingestellt, um ihre vertraglichen Pflichten erfüllen zu können.
Rund 300 Ärztinnen und Ärzte hätten sich freiwillig für die telemedizinische Plattform gemeldet. Im Schnitt seien täglich 26 Mediziner aktiv. Kalkuliert wurde mit einer Wartezeit von 30 Minuten; tatsächlich seien es im Schnitt 5,4 Minuten, so Schmidt. Zu den Krankheitsbildern machte die KVN keine Angaben. Neben der ärztlichen Beratung wurde in 3.918 Fällen zusätzlich ein E-Rezept ausgestellt und in 388 Fällen eine Krankschreibung.
In 19,8 Prozent der Fälle kam der Fahrdienst der Johanniter zum Einsatz. Das bedeutet: Seit dem Start waren 7.573 Hausbesuche erforderlich. In 75 Prozent der Fälle (5.680 Fälle) hat ein Arzt den Hausbesuch durchgeführt – in 25 Prozent (1.893 Fälle) die Gesundheitsfachkräfte der Johanniter. Die Patientenzufriedenheit liege im Schnitt bei über vier von fünf Punkten, resümierte Schmidt.