London Schauspielerin Aylin Tezel aus Bielefeld: „Ich finde mich oft lustiger auf Englisch“
Vom „Tatort“ auf die internationale Leinwand: Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Aylin Tezel spricht im Interview über die „Befreiung“ durch die englische Sprache, die Mystik der schottischen Highlands und die Gemeinsamkeiten zwischen Dortmund, London und Berlin.
Schauspielerin Aylin Tezel ist spätestens mit ihrer Rolle im Dortmunder Tatort einem breiten Publikum bekannt geworden. Aufgewachsen in Bielefeld, pendelt sie mittlerweile zwischen Berlin und London. Ein Gespräch über Sprache, Schottland – und den Charakter von Städten.
Frage: Frau Tezel, Sie leben in Berlin, sind aber auch viel in London. Warum ist der englische Markt so interessant für eine deutsche Schauspielerin?
Antwort: Ich schreibe und arbeite als Autorin und Regisseurin bisher auf Englisch und habe einen Londoner Agenten.
Frage: Das geht ja durchaus einigen deutschen Künstlern so. Was ist an London anders als an Berlin?
Antwort: Wer auf Englisch arbeitet, bedient potentiell einen internationalen Markt. Außerdem gibt es im englischen, irischen oder schottischen Humor eine Leichtigkeit, die ich anziehend finde. Mein erstes Drehbuch „Falling into Place“ kam ganz intuitiv auf Englisch aus mir heraus.
Frage: Sie sind in Ostwestfalen aufgewachsen, den Menschen dort sagt man eine gewisse Trockenheit nach. Wie war es dann, sich im offeneren England zurechtzufinden?
Antwort: Es war wie eine Befreiung. Ich finde mich auch oft lustiger auf Englisch. Die Sprache erlaubt es, schneller mal einen Witz zu machen, selbst in traurigen oder ernsten Momenten. In Deutschland ist man direkter, was auch eine große Schönheit hat. Ich schaue meistens Filme und Serien nur auf Englisch. Beim Einlesen des Hörbuchs „Loch Dorcha: See der Verdammten” habe ich aber auch wieder gemerkt, wie schön und ausdrucksstark die deutsche Sprache sein kann.
Frage: Vor einiger Zeit haben Sie einen Film in Schottland als Regisseurin gemacht. Jetzt haben Sie ein Hörbuch eingesprochen, das auch in den Highlands spielt. Hat es geholfen, dass Sie die Landschaft und Kultur dort schon etwas kannten?
Antwort: Die schottischen Highlands haben eine ganz eigene Mystik, allein schon durch das Wetter, den ständigen Nebel und den rauen Wind. Das prägt die dort lebenden Menschen und verleiht jeder dort angesiedelten Geschichte, auch dem Hörbuch, eine besondere Atmosphäre, finde ich.
Frage: Zuletzt haben Sie auf Malta gedreht. Welches Klima ist Ihnen lieber: Schottland oder Mittelmeer?
Antwort: Man passt sich jeder Location an. Auf Malta stand bei täglichen 35 Grad und Actionszenen an erster Stelle, genug Wasser zu trinken. In den Highlands musste man sich vor allem warm anziehen.
Frage: Und im Urlaub: Lieber Schottland oder Malta?
Antwort: Jetzt, da der Sommer in Deutschland vorbei ist, ganz klar Malta.
Frage: Viele Fernsehzuschauer kennen Sie aus dem Dortmunder Tatort. Dortmund, London, Berlin: Wo ähneln sich diese Orte?
Antwort: Alle drei Städte haben eine chaotische Seite Energie unter ihrer Oberfläche. Wären die Städte Charaktere, würde ich sagen, da brodeln ziemlich viele innere Kämpfe.