Schweinfurt VfL Osnabrück: 2:1-Sieg beim FC Schweinfurt 05 prägen Neue in der Startelf
Es war sicher nicht die beste, aber insgesamt eine sehr solide Leistung, die der VfL Osnabrück beim 2:1-Sieg beim 1. FC Schweinfurt 05 zeigte. Zwei Fußballer, die lange nicht in der Startelf standen, hatten einen großen Anteil am Sieg. Die Einzelkritik.
#29 David Kopacz (bis 79.): Erstmals seit dem zweiten Spieltag wieder in der Startelf, nachdem er sich am vergangenen Sonntag mit zwei Toren beim Test beim HSV empfohlen hatte. In Schweinfurt hätte er schon nach wenigen Minuten treffen können, als Schnüdel-Torwart Maximilian Weisbäcker ihm den Ball am Sechzehnereck in die Fuße spielte - seine Direktabnahme war die richtige Idee, flog aber knapp am langen Pfosten vorbei. Anders beim 1:0, als er aus 25 Metern halbrechte Position freie Bahn hatte und abzog - sein Schuss drehte sich nach außen weg und schlug unerreichbar für den zu weit im Zentrum postierten Weisbäcker im Tor ein. Kopacz lieferte auch die Vorlage zum 2:0, als er von Meißner in die gegnerische Hälfte geschickt wurde und diesen dann vor dem Tor nochmal einsetzte. Überzeugte auch ansonsten durch Ballsicherheit im Kombinationsspiel, geschicktes wie dynamisches Bewegen in den Räumen und dem nötigen Zug zum Tor.
#19 Kevin Wiethaup (bis 79.): Brauchte ein wenig, um sich bei seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison zurecht zu finden: Bis zu seinem krassen Fehlpass ins eigene Abwehrzentrum nach etwa einer Viertelstunde, aus dem die Schweinfurter um Johannes Geis aber kein Kapital schlugen, spielte er so, als wäre seine Handbremse noch etwas angezogen. Genau nach dieser Aktion wirkte es aber, als würde er alle Fesseln abstreifen und richtig loslegen: Wiethaup glänzte mit Dynamik, Spielwitz und Übersicht. Dafür stehen beide Tore, die er jeweils vom eigenen Strafraum aus einleitete: Beim 1:0 befreite er sich per Dribbling vom Druck von zwei Gegnern, ehe er den freien Lars Kehl in der gegnerischen Hälfte fand. Beim 2:0 spielte er den perfekt getimten Druckpass an die Mittellinie direkt in den Fuß des späteren Torschützen Robin Meißner. Auch abseits davon glänzte er durch dynamisches Aufdrehen in Richtung gegnerisches Tor und reduzierte durch verbessertes Einsetzen seines Körpers seine Ballverluste auf ein Minimum im Vergleich zur Startphase. Hat sich als weitere Alternative auf der Sechserposition nachhaltig empfohlen.
#21 Lukas Jonsson: War in der ersten Halbzeit abseits von weniger kniffligen Aufgaben in der Spieleröffnung, die er mit Klarheit in seinen Aktionen souverän löste, nahezu beschäftigungslos. War aber dann fünf Minuten nach der Pause da, als er dringend gebraucht wurde, als er Tranziskas Schuss aus der Nahdistanz gerade noch mit der linken Hand an den Pfosten lenkte. Beim Gegentreffer kurz vor Schluss machtlos, weil er aus der Nahdistanz fiel. Strahlte Ruhe und Souveränität auf seine Vorderleute aus.
#24 Jannik Müller: Sein Antizipationsvermögen war mehrmals gefragt gegen mit Tempo andribbelnde Flügelspieler der Schweinfurter, die aber spätestens an ihm als letzte Instanz scheiterten, weil er sich längst dorthin bewegt hatte, wo der Ball später hinkam. Ballsicher, souverän, klar in seinen Aktionen und deshalb mit guter Ausstrahlung auf seine Mitspieler.
#11 Robin Meißner (bis 86.): Ging wie immer weite Wege und sorgte für die nötige Tiefe im VfL-Spiel. Sorgte immer mal wieder für starke Ballbehauptungen bei gleichzeitiger Verlagerung auf den Flügel durch schnelle und überraschende Ballweiterleitungen. Exemplarisch sein Treffer zum 2:0, als er das Zuspiel von Wiethaup stark verarbeitete und Kopacz einsetzte, ehe er erkannte, dass er selbst mitlaufen kann für ein Überzahlspiel, dass er mit coolem Abschluss ins kurze Eck erfolgreich vollendete. Einziger Kritikpunkt: Auch von ihm hätte man sich ab und an ein konsequenteres Durchlaufen zu den Kettenbällen gewünscht, die hinter dem Schweinfurter Defensivverbund vor allem von links (Schumacher, Christensen) immer wieder gefährlich durch den Strafraum flogen, aber keine Abnehmer fanden.
#25 Niklas Wiemann: Startelf-Rückkehr nach sechs Partien Pause wegen seiner Knieverletzung - der linke Innenverteidigung hatte stets Lufthoheit, aber am Boden ab und an zu kämpfen mit dem Tempo des mit dem Ball heransprintenden Obiogumu, wobei er aber letztlich keinen klaren Abschluss des Offensivspielers der Schweinfurter zuließ. Mit dem Ball nicht komplett fehlerlos, aber stets souverän und sicher - überragend sein weiter Diagonalball auf den in der letzten Linie durchgebrochenen Kammerbauer kurz vor der Pause. Blockte den Nachschuss der Schweinfurter nach dem Pfostentreffer als letzter Mann ab, gewann auch im Anschluss ein, zwei wichtige Zweikämpfe in letzter Linie - sah aber beim Gegentor etwas unglücklich aus, als ihm der Ball über seinen Körper tänzelte und der folgende Pressschlag genau in den Laufweg von Torschütze Grimbs fiel.
#27 Robin Fabinski: Übernahm diesmal die rechte Innenverteidiger-Position, wo er aufgrund seiner Explosivität den Vorzug vor Janotta erhielt. Hatte zu Beginn ein, zwei Schwierigkeiten im Spielaufbau, fand aber schnell zur Sicherheit in seinen Aktionen. Muss nach etwa 20 Minuten seinen Kopfball, freistehend nach einer Ecke, zumindest aufs Tor bringen. Spielte insgesamt unauffällig, aber solide und war wichtiger Teil der sicher agierenden Abwehr.
#31 Patrick Kammerbauer: Zu Beginn der Partie fehlte ihm bei ein, zwei Ballverlusten etwas die Souveränität, die ihn sonst auszeichnet - aber der rechte Schienenspieler arbeitete sich in die Partie und fand auch recht schnell seinen Spielwitz wieder. Versuchte immer mal wieder, die letzte Linie zu attackieren und tief ins Zentrum einzulaufen: Bei Wiemanns langem Ball gelang das überragend, nur mit dem Torabschluss dauerte es etwas lange. Nach vorn diesmal nicht ganz so wirkungsvoll, gegen den Ball stets souverän und in der Schlussphase sogar herausragend, als er zwei wichtige Zweikämpfe gewann und so den Sieg mit sicherte.
#13 Kevin Schumacher (bis 58.): Gegen den Ball wie Wiemann mit einigen Problemen gegen Obiogumu, wobei es den beiden letztlich meist gelang, den flinken Rechtsaußen vor dem Strafraum zu stoppen. Mit dem Ball bestach seine Dynamik und Klarheit im Ansatz in den Aktionen nach vorn, auch wenn längst nicht alles gelang - mehrere gute Flanken sowie Hereingaben hinter die Schweinfurter Abwehrkette fanden vor allem deshalb keine Abnehmer, weil die Konsequenz der Mitspieler im Einlaufverhalten fehlte.
#15 Bjarke Jacobsen: Muss ebenfalls mehr aus seiner Kopfballchance nach einer Ecke in der ersten Halbzeit machen, als er freistehend den Ball nicht richtig traf und aus sechs Metern am langen Eck vorbeilegte - wobei man dem Dänen zugute halten kann, dass in der Einflugschneise des Balles relativ viel Verkehr war und lange nicht absehbar war, ob er durchrutscht, ohne abgefälscht zu werden. Hatte zu Beginn und am Ende der ersten Halbzeit so seine Schwierigkeiten, im zweiten Durchgang aber wieder Ruhepool des VfL-Spiels, weil viel abgeklärter und sicherer in den Zweikämpfen und am Ball.
#18 Lars Kehl (bis 86.): Vorlagengeber mit einem einfachen Pass auf Kopacz vor dessem Schuss zum 1:0 - ein Assist für die Statistik. Ansonsten viel unterwegs und nach schwächerer Startphase stets wichtiger Teil des Kombinationsspiels. Seine kreativen Momente blitzten ab und an auf, wobei die ganz große Durchschlagskraft diesmal fehlte.
#3 Frederik Christensen (ab 58.): Übernahm kurz nach der Pause von Schumacher und hielt das Level der Dynamik auf der linken Seite ebenso hoch. Schaffte einige Durchbrüche über den Flügel, fand mit seinen Hereingaben jedoch keine Abnehmer. Defensiv solide, am Ball ab und an aber auch mal fahrig, was in Abstößen und Einwürfen für den Gegner mündete.
#26 Fridolin Wagner (ab 79.): Übernahm nach dem 2:0 von Wiethaup und spielte solide, ohne noch die ganz großen Akzente zu setzen.
#37 Ismail Badjie (ab 79.): Kam nach dem 2:0 für Kopacz, konnte dem Spiel diesmal aber nicht seinen Stempel aufdrücken. Attackierte Flankengeber Celebi in der Entstehung des Gegentores zu wenig - und nach vorn blieben seine Aktionen ohne größere Wirkung, weil er zwar das Tempo immer wieder verschärfte, den Ball aber nicht präzise genug anbrachte oder (im Fall des missglückten Zuspiels von Riesselmann) erhielt.
#22 Bernd Riesselmann und #23 Tony Lesueur (beide ab 86.): Kamen in der Schlussphase in die Partie und sollten ihre Stärken ins Konterspiel einbringen, was aber trotz der offenen Schweinfurter Deckung nicht so gut gelang wie erhofft.