Osnabrück  Pötters Antwort auf offenen Brief der Ärzte: Die Sorgen sind nachvollziehbar, aber....

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 24.10.2025 06:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hat auf den offenen Brief kritischer Klinikum-Ärzte geantwortet. Foto: Philipp Hülsmann
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hat auf den offenen Brief kritischer Klinikum-Ärzte geantwortet. Foto: Philipp Hülsmann
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Ärzte des Klinikums Osnabrück äußerten sich in einem offenen Brief kritisch über die geplante Krankenhaus-Holding. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hat nun geantwortet – mit deutlichen Worten und einem Angebot.

Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) hat die kritischen Ärzte im Klinikum Osnabrück aufgefordert, die Verunsicherung in der Belegschaft nicht durch unbegründete „Spekulationen und Unterstellungen“ zu befeuern. Die Ärzte sollten sich besser aktiv und konstruktiv in den Reformprozess einbringen.

Das geht aus der Antwort Pötters auf einen offenen Brief hervor, in dem Klinikum-Ärzte ihre Bedenken zur geplanten Krankenhaus-Reform in Osnabrück geäußert hatten.

„Ich verstehe selbstverständlich, dass Veränderungen auch immer Verunsicherung auslösen. Doch was diese Verunsicherung nur noch weiter befeuert, sind Spekulationen und Unterstellungen, für die es keine Grundlage gibt“, heißt es in Pötters Antwortschreiben. Sie hält den Kritikern aus der Ärzteschaft vor, mit falschen Annahmen zu argumentieren: „Nur wenn sich alle beteiligten Akteure ausschließlich auf die Fakten stützen, können gemeinsam tragfähige Lösungen für die Zukunft des Krankenhausstandortes Osnabrück entwickelt werden.“

Pötter weist in ihrer Antwort „entschieden“ mehrere „unbegründete Behauptungen“ zurück. So habe ein Verkauf des Klinikums an private Investoren zu keinem Zeitpunkt zur Debatte gestanden und werde auch nicht vorbereitet. „Diese Unterstellung entbehrt jeder Grundlage, sorgt für unnötige Unruhe und schadet dem gemeinsamen Ziel“, so Pötter. Die Stadt Osnabrück werde Gesellschafterin einer künftigen gemeinsamen Dachgesellschaft sein und langfristig bleiben.

Das kirchliche Arbeitsrecht werde „selbstverständlich“ nicht auf Mitarbeitende des kommunalen Klinikums angewendet werden. Alle Tarifverträge blieben bestehen.

Das Klinikum Osnabrück werde auch in der künftigen Struktur unter dem Dach der gemeinsamen Holding eigenständig agieren. Eine Einschränkung von Schwangerschaftsabbrüchen aus religiösen Gründen sei somit ausgeschlossen.

Falsch sei auch die Behauptung der kritischen Ärzte, der Niels-Stensen-Verbund solle durch die Kooperation indirekt mit Steuergeldern saniert werden. Beide Träger – das Klinikum wie auch die Niels-Stensen-Kliniken – stünden aktuell unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Die geplante Kooperation diene dazu, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden und in Osnabrück die Versorgung zum Wohl der Patientinnen und Patienten zu sichern.

Das Klinikum und die beiden Niels-Stensen-Häuser auf dem Harderberg (Franziskus) und in der Innenstadt (Marienhospital) erwirtschaften Jahr für Jahr hohe Millionenverluste. Hinzu kommt, dass die vom Bundestag beschlossene Krankenhaus-Reform die Kliniken vor Ort zwingt, Doppelstrukturen zu beenden.

Die Stadt Osnabrück und der bischöfliche Niels-Stensen-Klinikverbund wollen deshalb eine gemeinsame Holding gründen. Im September unterzeichneten die Träger eine Absichtserklärung (Letter of Intent), in der eine Arbeitsteilung zwischen den großen Kliniken als Ziel benannt ist. Das MHO soll zu einem Krebszentrum, das Franziskus auf dem Harderberg zu einem orthopädisch geprägten Haus und das Klinikum zu einem Zentrum der Notfallversorgung und Neurologie werden. Alle drei Häuser behalten eine Notaufnahme.

Die geplante Kooperation der Häuser unter einer gemeinsamen Holding verfolge ausschließlich das Ziel, medizinische Qualität, Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit in der Region zu sichern, schreibt die Oberbürgermeisterin. Das Land Niedersachsen, die Kostenträger und die Krankenhausgesellschaft unterstützen diesen Weg ausdrücklich. „Das ist ein klares Signal, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen“, so Pötter.

Pötter spricht eine Einladung aus, sich konstruktiv in diesen Prozess einzubringen, der erst ganz am Anfang stehe. Gerade in der Frage, welches Fachgebiet an welchem Standort angesiedelt werde, seien noch keine endgültigen Entscheidungen gefallen. „Ihre fachliche Expertise und Ihr Engagement sind für den Erfolg dieser wichtigen Aufgabe von großer Bedeutung“, schreibt Pötter und bittet: „Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten.“

18 Mediziner, Oberärzte und Fachärzte vor allem aus dem Osnabrücker Zentrum für Muskuloskelettale Chirurgie (OZMC) hatten den offenen Brief unterzeichnet. Das OZMC ist – wie einige weitere auch – von der geplanten Umstrukturierung besonders betroffen. Die Mediziner befürchten eine Verschlechterung der medizinischen Qualität und eine wirtschaftliche Schwächung des Klinikums.

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