Osnabrück Parküberwachung vorerst beendet: Autowerkstatt Easycar in Osnabrück kämpft um Existenz
Der Umsatz der Autowerkstatt Easycar in Osnabrück ist seit Mai um mehr als die Hälfte eingebrochen. Das liegt mutmaßlich an einer Parkraumüberwachung an der Pagenstecherstraße. Kunden mussten teils schon für das bloße Befahren des Geländes 40 Euro zahlen. Inzwischen ist das Überwachungssystem abgebaut – doch Easycar kämpft weiter ums Überleben.
Der Streit zwischen der Autowerkstatt Easycar an der Pagenstecherstraße 80 in Osnabrück und dem Parküberwachung-Unternehmen Parkvision ist beendet – zumindest vorerst. Anfang Oktober 2025 ließ Parkvision seine Kameras abbauen. Für die Betreiber der Werkstatt Nadine und Peter Scheinpflug war das ein großer Schritt: „Das war ein erleichterndes Gefühl nach diesen schweren Monaten“, sagt die 39-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.
Im Januar 2025 hatte der Betreiber des benachbarten Restaurants „Gourmet Tempel“ den Parkplatz, der von beiden Betrieben gemeinsam genutzt wird, durch Parkvision überwachen lassen. Kunden der Werkstatt erhielten daraufhin trotz kurzer Durchfahrt oder wegen eines Werkstattbesuchs einen Bescheid zu einer „Vertragsstrafe“ von 40 Euro. Auch Lieferanten und Postzusteller waren betroffen.
Die Folge: massive Umsatzeinbußen. Viele Kunden blieben weg, Großaufträge wurden abgesagt und selbst Stammkunden mieden die Werkstatt. Innerhalb von Mai auf Juni sei der Umsatz um mehr als die Hälfte eingebrochen – von durchschnittlich 20.000 Euro auf teils unter 8000 Euro. Zu dieser Zeit habe es extrem viele Vertragsstrafen gegeben. „Seitdem sind wir auch nicht wieder hochgekommen, was die Einnahmen anging“, erklärt die Betreiberin.
Nun aber die Wende: Laut Nadine Scheinpflug wurde der Vermieter des Parkplatzes nicht darüber informiert, dass Parkvision für die Überwachung des Parkplatzes engagiert wurde – und hat dementsprechend der Beauftragung auch nicht zugestimmt. Der Vermieter habe nachträglich die Entfernung der Überwachung verlangt. Nachdem bereits zum dritten oder vierten Mal eine Frist gesetzt worden sei, hat Parkvision nun den Standort verlassen.
Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt Parkvision, dass die Kameras am 2. Oktober 2025 „aus Gründen der Rechtssicherheit“ vorsorglich abgebaut worden seien – ohne Anerkennung einer Rechtspflicht oder eines Schuldeingeständnisses.
Das Unternehmen prüfe derzeit intern die Vertragslage und ziehe mögliche rechtliche Schritte gegen den Auftraggeber Gourmet Tempel in Betracht – da die Verantwortung für die korrekte Zuteilung der Überwachung laut Parkvision vertraglich beim Auftraggeber liege.
Der wirtschaftliche Schaden für die Autowerkstatt durch die Parküberwachung war drastisch: Aufgrund der Umsatzrückgänge konnten die Betreiber keine Rücklagen bilden. In der Folge konnten dann auch die Sozialversicherungsbeiträge der Mitarbeiter nicht bezahlt werden. Die AOK stellte daraufhin einen Insolvenzantrag.
Aktuell befindet sich die Easycar Service UG im Insolvenzantragsverfahren. Die Löhne der Beschäftigten sind für drei Monate durch einen Fonds der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Der Insolvenzverwalter prüft, ob eine Sanierung möglich ist oder ob es zu einer sogenannten begleitenden Insolvenz kommt.
Peter und Nadine Scheinpflug möchten den Betrieb fortführen. „Wir wollen nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagt die 39-Jährige. „Auch wenn die letzten Wochen schwierig und mehr als hart waren.“ Zumindest kehren die ersten Kunden bereits zurück, seit bekannt ist, dass Parkvision nicht mehr vor Ort ist. Die Betreiber hoffen nun, bis Ende November wieder ausreichend Umsatz zu erzielen, um ohne Insolvenz fortbestehen zu können.
Die Schulden belaufen sich derzeit auf rund 15.000 Euro – größtenteils Sozialversicherungsbeiträge. Weitere Gläubiger gebe es laut Betreiberin nicht. Ob sie gegen Parkvision auf Schadensersatz klagen, ist noch offen.
Der Werkstattbetrieb läuft unter Aufsicht des Insolvenzverwalters weiter. Teile müssen einzeln beantragt und genehmigt werden, was den Alltag verlangsamt. Doch die Betreiber blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft: „Unser Ziel ist, die Firma wieder hochzubringen, dass die Kunden unbesorgt kommen können – und wir endlich wieder Geld verdienen“, sagt Nadine Scheinpflug.
Über eine mögliche neue Parkraumüberwachung wird nachgedacht – aber nur, wenn alle Beteiligten zustimmen. Denn eins ist klar: Ohne vorherige Absprache will sich Easycar nicht noch einmal in eine ähnliche Lage bringen lassen.