Nach Schlaganfall  85-Jähriger aus Woquard pflegt schwer kranke Ehefrau

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 27.10.2025 17:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dini und Gerhard Boomgaarden sind seit 58 Jahren verheiratet. Vor sieben Jahren erlitt Dini Boomgaarden einen schweren Schlaganfall und ist seitdem pflegebedürftig. Foto: Hannah Weiden
Dini und Gerhard Boomgaarden sind seit 58 Jahren verheiratet. Vor sieben Jahren erlitt Dini Boomgaarden einen schweren Schlaganfall und ist seitdem pflegebedürftig. Foto: Hannah Weiden
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Seit fast sechs Jahrzehnten sind Gerhard und Dini Boomgaarden verheiratet. Nach einem schweren Schlaganfall kümmert sich der 85-Jährige liebevoll um seine Frau. Klagen will er trotzdem nicht.

Woquard - Gerhard und Dini Boomgaarden aus Woquard sind seit fast sechs Jahrzehnten verheiratet und lieben einander noch immer genauso wie am ersten Tag. Seit Dini Boomgaarden wegen eines schweren Schlaganfalls vor sieben Jahren auf Pflege angewiesen ist, kümmert sich ihr Mann Tag und Nacht um sie und stellt seine eigenen Bedürfnisse hinten an. Seitdem habe er nicht einen Tag frei gehabt, sagt der 85-Jährige.

Dini und Gerhard Boomgaarden in ihren Zwanzigern. Damals waren sie in dem Auto eines Freundes unterwegs zum Gallimarkt nach Leer. Foto: Privat
Dini und Gerhard Boomgaarden in ihren Zwanzigern. Damals waren sie in dem Auto eines Freundes unterwegs zum Gallimarkt nach Leer. Foto: Privat

Dass er sich um seine Frau kümmert, ist für ihn selbstverständlich. Kennengelernt haben die beiden sich in Pewsum, als sie als damals 14-Jährige noch zur Mittelschule ging. „Sie kam aus Manslagt und brachte dann oft ihre Freundin mit dem Fahrrad zur Arbeit und ist an meinem Fenster vorbeigefahren. Da hab ich ihr dann gerne zugewunken“, sagt Gerhard Boomgaarden, der drei Jahre älter als seine Frau ist. Damals seien Kennenlernphasen noch anders gewesen als heute. Weil ihre Eltern davon zunächst nichts mitbekommen sollten, hätten sie sich zu Beginn oft heimlich bei einem Bauern in Manslagt getroffen.

Gemeinsam die Welt gesehen

An seiner Frau schätzt Gerhard Boomgaarden, dass sie nie große Ansprüche gestellt hat. „Bis zu ihrem Schlaganfall lag sie nicht einen Tag im Bett, weil sie krank gewesen wäre. Wir beiden haben immer alles zusammen gemacht und sie hat mir immer den Rücken freigehalten.“ Gerhard Boomgaarden arbeitete 20 Jahre bei Herti in Emden, danach bei der Emder Dachpappenfabrik. Dini Boomgaarden arbeitete zunächst bei Neumann in Emden und kümmerte sich danach um die beiden Kinder und den Haushalt. Als die Töchter groß genug waren, arbeitete sie dann bei einem Steuerberater in Pewsum.

Mit ihren beiden Töchtern ist die Familie oft in den Urlaub gefahren, erst innerhalb Deutschlands oder Österreichs. Als die Kinder „flügge“ waren, trauten sich Gerhard und Dini Boomgaarden auch weiter weg: Sie reisten nach Kreta, Norwegen, Afrika, Amerika und Hawaii. „Wir haben im Leben nichts verpasst“, sagt der 85-Jährige. „Davon zehren wir noch heute.“

Mann übernimmt die Pflege lieber selbst

Wegen ihres schweren Schlaganfalls kann Dini Boomgaarden das Bett nicht mehr verlassen. Zwar ist sie mental noch fit, doch das Sprechen fällt ihr schwer. Als sie vor acht Jahren nach starken Kopfschmerzen nachts einen Schlaganfall mit Hirnblutungen erlitt, wurden zudem Teile ihres Körpers gelähmt. Es folgten wochenlange Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte. Ein Jahr vorher hatte das Ehepaar noch goldene Hochzeit gefeiert.

Ihr Leben war nach dem Schlaganfall nicht mehr so wie vorher. Für ein paar Wochen war die heute 82-Jährige in einem Pflegeheim, weil das Wohnzimmer erst behinderten- und pflegegerecht umgebaut werden musste. Danach kam ein Pflegedienst, doch Gerhard Boomgaarden entschied sich, große Teile der Pflege lieber selbst zu übernehmen. Der Pflegedienst kommt nun nur noch jeden zweiten Tag, außerdem einmal in der Woche eine Haushaltshilfe.

„Viele vergessen, wie gut wir es haben“

Den Rest macht der 85-Jährige trotz seines Alters selbst. Er kümmert sich um Garten und Haushalt, wäscht seine Frau, reicht ihr Frühstück, Mittagessen, ein kleines Stück Torte und Kaffee am Nachmittag sowie das Abendessen an, lagert sie, leistet ihr Gesellschaft am Bett. Wenn sie gemeinsam Fernsehen schauen und Bilder aus der Welt sehen, sagt er: „Dini, weißt du noch? Da waren wir!“ Dann erzählt er ihr von ihren gemeinsamen Reisen, was sie dort erlebt und wen sie dort kennengelernt haben.

Der Alltag sei nicht immer leicht. Insgeheim fragt er sich auch, wie es wird, wenn er die Pflege seiner Frau körperlich selbst nicht mehr leisten kann. Sich über die Situation zu beschweren kommt für den 85-Jährigen aber nicht infrage. „Wir haben schon vieles mitgemacht, aber uns nie darüber beschwert“, sagt er. Wenn er in der Zeitung liest, wie sich Menschen über dies und das und jenes aufregen, hat er dafür – auch mit Blick auf die Krisen anderswo auf der Welt – kein Verständnis. „Viele vergessen, wie gut wir es eigentlich haben.“

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