Junges Ehrenamt Eske Martens gibt Angehörigen von Vermissten Halt
Zwischen Verzweiflung und Hoffnung: Eske Martens begleitet Menschen, die einen geliebten Menschen vermissen. Ihre Geschichte zeigt, wie viel Kraft und Mitgefühl in ehrenamtlicher Arbeit stecken kann.
Emden - In Emden-Larrelt kennt Eske Martens jeder, der sich für die jährlichen plattdeutschen Theateraufführungen des Larrelter Dorfvereins e.V. interessiert. Eske gilt als großes Talent des Larrelter Spööldeels. Doch die Mitgliedschaft im Dorfverein ist nur die eine Seite der Medaille. Ihr ehrenamtliches Engagement gilt seit Anfang 2023 den Angehörigen von vermissten Personen. Als Mitglied des gemeinnützigen Vereins „VerNie – Vermisst in Niedersachsen e.V.“ hilft Eske diesen Menschen, aus der Spirale der Hoffnungslosigkeit einen Weg zurück ins normale Leben zu finden. Für dieses Engagement wurde die 27-Jährige für den Young-People-Award 2025 vorgeschlagen.
Sowohl bei der Berufswahl als auch bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit hat Eske Martens nicht die besonderen Herausforderungen gescheut. „Nach dem Abschluss der Realschule habe ich mich zu den kreativen Arbeiten hingezogen gefühlt und eine Tischlerlehre begonnen“, erzählt die heute 27-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.
Ihr Weg führte sie in die sozialen Berufe
Doch bald wurde ihr klar, dass ihr Weg in die sozialen Berufe führen sollte. Nach dem Praktikum in einer Kinderkrippe folgte ein freiwilliges soziales Jahr bei der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH in Emden. Der tägliche Umgang mit Menschen unterschiedlicher Beeinträchtigungsgrade hat ihre Entscheidung zur Berufswahl stark beeinflusst. Heute arbeitet die Emderin als staatlich anerkannte Erzieherin in der Cirksena Grundschule im Emder Stadtteil Port Arthur/Transvaal.
Schon früh in ihrer Kindheit wurde Eske durch ihren Vater Bernd-Thomas Martens in den Dorfverein Larrelt e.V. und die damit verbundenen Aufgaben eingebunden. Dazu gehört auch die ehrenamtliche Sanierung des Cassens-Parks, den der Dorfverein Ende 2019 übernommen hatte.
Dort lernte Eske den gemeinnützigen Verein „VerNie – Vermisst in Niedersachsen e.V.“ kennen, der im Park einen Baum zum Gedenken an den in Hamburg ermordeten Brasilianer Matheus Amaro pflanzen wollte. „Nach der Pflanzaktion sprach mich Jan-Wilhelm Janssen, Schatzmeister des Vereins, spontan an und fragte, ob ich mir eine ehrenamtliche Mitarbeit im Verein vorstellen könne“, berichtete die Ehrenamtskandidatin. Sie habe nur eine Nacht über die Anfrage geschlafen und dann ihre Entscheidung zur Mitarbeit getroffen. Die Ziele und Aufgaben des Vereins, Angehörigen von vermissten Personen Menschen an die Seite zu stellen, die sich ihrer Probleme annehmen, ihnen zuhören und in einzelnen Fällen auch bei der Suche behilflich sind, haben sie voll und ganz überzeugt.
Bei erstem Einsatz eintragisches Ende erlebt
„Die meisten Angehörigen von vermissten Personen schwanken immer zwischen Hoffnung, Verzweiflung und Resignation. Da ist es ungemein wichtig, ihnen bei den persönlichen Treffen zuzuhören, ihre Geschichte zu verstehen und herauszufinden, wie man helfen kann“, so Eske Martens. Schon bei ihrem ersten Einsatz war sie mit dem tragischen Ende einer Vermisstensuche konfrontiert. Eine vermisste Rentnerin aus dem Altenheim in Aurich-Popens wurde während eines Gesprächs in der Wohnung der Angehörigen von Polizeibeamten als tot aufgefunden gemeldet. Die emotionale Situation konnte dank Eskes Einsatz relativ gut bewältigt werden. „Aber nicht alle Fälle enden so tragisch. Es kommt auch vor, dass die vermisste Person innerhalb weniger Tage zur Freude der Angehörigen wieder auftaucht“, so Eske.
Seit der Gründung vor elf Jahren wurden dem Verein VerNie rund 80 Vermisstenfälle angetragen, die in enger Zusammenarbeit mit einem Netzwerk aus Fachkräften und der Polizei bearbeitet wurden.
Neben den direkten Kontakten zu den Angehörigen der Vermisstenfälle übernimmt die junge Frau eine Vielzahl an organisatorischen Aufgaben für den Verein. So gestaltet sie die Flyer und hilft bei Veranstaltungen, wie Sommerfesten, Partnertreffen und Ähnlichem.
Für Jan-Wilhelm Janssen ist Eske Martens ein Vorbild für viele junge Menschen und ein Glückstreffer für den Verein. „Eske zeigt in ihrer Vereinsarbeit nicht nur viel Empathie und Kreativität, sondern auch Zuverlässigkeit und jede Menge Hilfsbereitschaft“, so der Schatzmeister.