Osnabrück  Kooperation der drei großen Kliniken in Osnabrück: Deshalb ist sie dringend nötig

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 23.10.2025 05:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ärzte, Beschäftigte und Patienten schauen genau hin, was mit den Krankenhäusern in Osnabrück passiert. Die geplante Strukturreform wirft Gewohntes um. Foto: imago stock&people, via www.imago-images.de
Ärzte, Beschäftigte und Patienten schauen genau hin, was mit den Krankenhäusern in Osnabrück passiert. Die geplante Strukturreform wirft Gewohntes um. Foto: imago stock&people, via www.imago-images.de
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Es ist eine Krankenhaus-Revolution: Die drei großen Kliniken in Osnabrück und Georgsmarienhütte wollen medizinisch und wirtschaftlich zusammenrücken. Es gebe dazu keine sinnvolle Alternative, das machten die Krankenhausträger am Mittwoch noch einmal eindringlich deutlich.

Das Medieninteresse war groß, als die Stadt und die Niels-Stensen-Kliniken am Mittwoch zu einer gemeinsamen Pressekonferenz ins Rathaus baten. Sehr viel Neues gab es zwar nicht zu verkünden. Trotzdem fielen große Worte, die die Dimension und Notwendigkeit der regionalen Krankenhaus-Reform noch einmal deutlich machten. Sie galten vor allem den Skeptikern und Besorgten in den betroffenen Abteilungen – und den Patienten.

Die Stadt Osnabrück und der bischöfliche Niels-Stensen-Klinikverbund hatten im September eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet, in der Ziele und der Weg hin zu einer neuen Arbeitsteilung definiert sind. Der Letter of Intent ist seit Mittwoch den über 10.000 Mitarbeitern der betroffenen Krankenhäuser zugänglich. Sie können ihn auf einer internen, nur den Mitarbeitern zugänglichen Webseite einsehen.

Stadt und Bistum verständigten sich in der neunseitigen Absichtserklärung auf ein „medizinisches Zielbild“, das dem Klinikum, dem Marienhospital (MOH) und dem Franziskus-Hospital in Georgsmarienhütte jeweils Schwerpunkte zuordnet. Grob gesagt, soll das MHO zum Krebszentrum, das Franziskus auf dem Harderberg zu einem orthopädisch geprägten Haus und das Klinikum zu einem Zentrum der Notfallversorgung und Neurologie werden. Wichtig: Alle drei Häuser behalten eine Notaufnahme.

„Das Ganze ist ein offener Prozess“, versicherte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. Jetzt müssten zunächst die Grundsatzfragen geklärt werden, um Fördergelder beantragen zu können. Die Bundesregierung hat im Zuge der großen Krankenhausreform einen Transformationsfonds aufgelegt. Mit dem Geld sollen Umstellungsprozesse und Investitionen gefördert werden.

Für die Patienten werde sich nichts Wesentliches ändern, ergänzte Klinikum-Geschäftsführer Frans Blok. Auf keinen Fall werde sich das medizinische Gesamtangebot verschlechtern. Weihbischof Johannes Wübbe bekräftigte: „Wenn wir uns jetzt nicht auf den Weg machen, werden wir die medizinische Leistungsfähigkeit nicht auf dem heutigen, fast universitären Niveau halten können.“

Niels Stensen und das Klinikum stehen wirtschaftlich massiv unter Druck. Das Klinikum wird auch in diesem Jahr einen Verlust im zweistelligen Millionenbereich einfahren, wie Frans Blok sagte. Niels Stensen nennt öffentlich keine Zahlen, ist aber in einer vergleichbaren Situation. Die Träger müssen die Verluste ausgleichen, was sich Stadt und Bistum auf Dauer nicht leisten können.

Darüber hinaus zwingt das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) die Osnabrücker Kliniken dazu, teure Doppelstrukturen abzubauen und Schwerpunkte zu bilden.

Jahrzehntelang haben sich das städtische Klinikum und die bischöflichen Niels-Stensen-Kliniken einen Konkurrenzkampf geliefert. Man beäugte sich, gönnte einander nichts. Dass sich nun plötzlich alle umarmen und voller Tatendrang in eine gemeinsame Zukunft marschieren, löste vor allem im Klinikum Skepsis aus. In einem offenen Brief appellierten erfahrene Mediziner, Ober- und Fachärzte an die Oberbürgermeisterin und die Ratsfraktionen, andere Wege zu suchen und sich nicht an Niels Stensen zu binden.

Der Niels-Stensen-Verbund beschäftigt rund 7000 Mitarbeiter, das Klinikum etwa 3500. In betroffenen Abteilungen ist die Verunsicherung groß, wie kürzlich der Betriebsratsvorsitzende des Klinikums in einem NOZ-Gespräch bestätigte. Insgesamt werde der Prozess aber mit einer gewissen Gelassenheit betrachtet. Den Beschäftigten sei bewusst, dass sie gebraucht würden und ihre Arbeitsplätze sicher seien.

Das bekräftigte auch Niels-Stensen-Geschäftsführerin Christina Jaax. „Die Tarifwerke bleiben bis auf Weiteres bestehen.“ Sie zeigte sich überzeugt, dass die Strukturreform alle drei Krankenhäuser als Arbeitgeber „noch attraktiver“ machen werde.

Der Zeitplan, der im Letter of Intent verankert ist, sieht vor, dass die Arbeitsgruppen bis April 2026 detailliertere Vorschläge für die medizinische Arbeitsteilung, die Krankenhaus-Holding und Raumkonzepte vorlegen. Die Umsetzung der Reform soll frühestens zum Jahresbeginn 2027 beginnen.

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