Wohnen in Warsingsfehn  Hohe Mieten im Gesundheidshuus bewegen die Gemüter

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 26.10.2025 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mit diesem Bild stellt Real Immobilien die Wohnungen im Gesundheidshuus vor. Alle Appartements haben eine Loggia und Bad. Foto: Real Immobilien
Mit diesem Bild stellt Real Immobilien die Wohnungen im Gesundheidshuus vor. Alle Appartements haben eine Loggia und Bad. Foto: Real Immobilien
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Sind die Wohnungen im neuen Gesundheidshuus in Warsingsfehn zu teuer? Real Immobilien und der Partner Eben-Eser äußern sich zur Höhe der Mieten.

Warsingsfehn - Das neue Gesundheidshuus im Zentrum von Warsingsfehn erregt nicht nur wegen seiner Größe Aufsehen. Vielmehr wird auch über die Preise für die Wohnungen in den Obergeschossen diskutiert. Im Mittelpunkt steht offenbar für viele die Frage: Ist das für Moormerland nicht zu teuer?

Real Immobilien nennt als Monatsmiete für ein kleines Appartement etwa 900 Euro, für eine Wohnung für Paare etwa 1200 Euro sowie für das größte Penthouse mit Dachterrasse rund 3000 Euro. Alle Wohnungen sind für ein selbstbestimmtes Leben im Alter ausgerüstet. „Vööls to düür“, diese Kritik hat Real-Geschäftsführer Michael Otto von Einheimischen gehört – Rentner seien mit so einer Monatsmiete doch überfordert. Das will er nicht so stehenlassen.

Zielgruppe nicht nur Senioren

Alle Wohnungen im Gesundheidshuus seien zwar für das Leben im Alter ausgerüstet, trotzdem könnten sie ebenso gut von jüngeren Menschen gemietet werden. Otto spricht von „Wohnen wie im Hotel“, weil es die Möglichkeit gibt, diverse Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Die Energiekosten seien für die Mieter wegen des energetischen Konzepts mit Wärmetauschern und Eisspeicher zudem deutlich niedriger als bei konventioneller Bauweise mit Heizung. Otto zählt zudem auf, welche Vorzüge die Mieter ohne Aufpreis nutzen können.

Michael Otto von Real Immobilien steht oben auf der Terrasse vom Gesundheidshuus in Moormerland. Foto: Lars Löschen
Michael Otto von Real Immobilien steht oben auf der Terrasse vom Gesundheidshuus in Moormerland. Foto: Lars Löschen

Dazu zählen die Tiefgarage mit Stellplätzen mit Lademöglichkeit fürs Fahrrad oder Seniorenmobile im Keller, Aufzug, Dreifachverglasung und Verdunklung mit elektrischem Antrieb oder ebenerdige Duschen. Der große Gemeinschaftsraum im Staffelgeschoss mit Dachterrasse könne von allen Mietern für private und familiäre Feiern genutzt werden. Außerdem soll es dort Freizeitangebote geben, mit denen das Miteinander gefördert werden soll, sagt Otto.

Technische Lösungen und Ansprechpartner

Für andere Möglichkeiten hat Real eine Partnerschaft mit dem Altenwohn- und Pflegezentrum Eben-Eser aus Moormerland geschlossen. „Wir fühlen uns als die Kümmerer“, erklärt Geschäftsführer Dirk Wennmann. Eben-Eser betreibt selbst 50 altengerechte Wohnungen und verweist auf mehr als 20 Jahre Erfahrung sowie das entsprechende Personal. Weil stationäre Pflege bereits jetzt an die Kapazitätsgrenze stoße, ist für Wennmann die einzige Lösung: „So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben.“

Die Bäder in den Wohnungen im Gesundheidshuus sind barrierefrei eingerichtet. Foto: Real Immoblien
Die Bäder in den Wohnungen im Gesundheidshuus sind barrierefrei eingerichtet. Foto: Real Immoblien

Damit meint er aber nicht unbedingt das Einfamilienhaus, das vor 30 Jahren gebaut wurde. Demgegenüber hätten die neuen Wohnungen im Gesundheidshuus einiges mehr zu bieten. Es gebe ein Sicherheitskonzept, das vom Ansprechpartner für EDV-Probleme, zum Beispiel Einstellungen am Smartphone, bis zu Inaktivätsmeldern reicht. Dabei handelt es sich um ein System, das automatisch einen Notruf auslöst, wenn der Bewohner zum Beispiel morgens nicht zur gewohnten Zeit aufsteht.

Dienstleistungen kosten extra

Künstliche Intelligenz und die entsprechenden Geräte machen solche Leistungen möglich. „Wir bieten auch die Möglichkeit für einen Hausnotruf an“, sagt Antino König, ebenfalls Geschäftsführer von Eben-Eser. Dabei arbeite man mit der Firma Sandersfeld in Leer zusammen – es stehe den Mietern natürlich offen, einen anderen Anbieter zu wählen. Das Altenwohn- und Pflegezentrum steht für die Mieter im Gesundheidshuus mit einem Ansprechpartner vor Ort, einem Hausmeister, schrankfertiger Wäschepflege oder einem Menüservice zur Verfügung – alles optional.

Diese Dienstleistungen kosten aber extra. „Als wir vor rund 20 Jahren mit diesem Konzept angefangen sind, waren unsere Mieten auch höher als andere“, sagt König. Die Eben-Eser-Geschäftsführer versichern, dass es darum gehe, die Bewohner im Alltag zu unterstützen. Aber ausgerechnet im Alter soll das Wohnen teurer werden? Offenbar ist das aber der Trend in Deutschland, denn auch das Portal ImmoScout24 registriert steigende Preise für seniorengerechten Wohnraum.

Senioren in Deutschland wohnen teuer

Schuld daran sei „klassisches Marktversagen“, heißt es in einer Mitteilung von ImmoScout24: „Die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum steigt durch den demografischen Wandel kontinuierlich, doch das Angebot entwickelt sich in die entgegengesetzte Richtung. Gleichzeitig sind altersgerechte Wohnungen häufig teure Neubauten“, wird Geschäftsführerin Dr. Gesa Crockford zitiert. Untersucht wurden acht deutsche Großstädte – in allen gibt es demnach dieselbe Situation.

Die Mietpreise für altersgerechten Wohnraum seien in den vergangenen fünf Jahren um neun Prozentpunkte stärker gestiegen als die durchschnittlichen Mieten. Der Quadratmeterpreis liegt laut ImmoScout24 im Mittel um 3,45 Euro höher als bei herkömmlichen Wohnungen. Der Anteil von Seniorenwohnungen am Gesamtmarkt geht der Untersuchung zufolge zurück. Noch etwas sei dabei deutlich geworden.

Missverhältnis bei Angebot und Nachfrage

Eine Sonderauswertung von ImmoScout24 zeigte laut der Mitteilung, dass Senioren überwiegend kleine, günstige Wohnungen suchen, das Marktangebot jedoch deutlich teurer und größer ausfalle. Viele ältere Menschen blieben daher in ihren bestehenden, günstigeren Mietverträgen – oft in größeren Wohnungen, die für Familien geeignet wären. „Dies verschärft die Knappheit an bezahlbarem Wohnraum zusätzlich“, schlussfolgert das Unternehmen.

Für den Landkreis Leer hat der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Aurich die Mieten zum Stichtag 1. Juli 2023 untersucht. Für das Landkreisgebiet ohne die Stadt Leer ergibt sich daraus eine Spanne zwischen 13,10 Euro pro Quadratmeter für eine gehobene Ausstattung und gute Lage für eine Größe von 40 Quadratmetern und 5,50 Euro pro Quadratmeter in einer 120-Quadratmeter-Wohnung mit einfacher Ausstattung und mäßiger Lagequalität. Aus den von Real angegebenen Preisen und Quadratmeterzahlen ergäben sich Mieten, die deutlich darüber liegen.

Menschen in Deutschland haben ihre eigenen Vorstellungen vom Alter. Viele möchten so lange es geht selbstständig bleiben. Foto: Pixabay
Menschen in Deutschland haben ihre eigenen Vorstellungen vom Alter. Viele möchten so lange es geht selbstständig bleiben. Foto: Pixabay

Die verfügbaren Einkommen im Landkreis Leer sind niedrig: Der Deutschlandatlas des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen weist die niedrigste Klasse mit weniger als 24.000 Euro jährlich aus, die für Konsum oder Sparen zur Verfügung stehen. Sind also die Wohnungen im Gesundheidshuus doch für Einheimische zu teuer? Für die Wohnungen im Eben-Eser gibt Antino König an, der Quadratmeterpreis sei „etwas niedriger“, die Mieter seien etwa zur Hälfte Einheimische. Für das Gesundheidshuus beginnt die Vermarktung gerade erst.

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