Osnabrück  „Rassistisch und beschämend“: Fotoaktion nach Merz’ Aussage am Rathaus Osnabrück

Lina Assenheimer
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Von Lina Assenheimer
| 22.10.2025 17:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nach der „Stadtbild“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) riefen die Caritas und der Verein Exil zu einer Solidaritätsaktion am heutigen Mittwoch, 22. Oktober, auf. Foto: Jörn Martens
Nach der „Stadtbild“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) riefen die Caritas und der Verein Exil zu einer Solidaritätsaktion am heutigen Mittwoch, 22. Oktober, auf. Foto: Jörn Martens
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Die Kritik an Bundeskanzler Merz nach seiner „Stadtbild“-Aussage hält an – auch in Osnabrück. Am Mittwochmittag, 22. Oktober, fand eine Solidaritätsaktion vor dem Rathaus statt.

Nach der „Stadtbild“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) riefen die Caritas und der Verein Exil zu einer Solidaritätsaktion am heutigen Mittwoch, 22. Oktober, auf. Um 13 Uhr entstand aus der Aktion ein gemeinsames Foto am Rathaus Osnabrück. Merz‘ Aussage, im deutschen Stadtbild gebe es „noch dieses Problem“ – im Zusammenhang mit Migration – löste bundesweit Kritik aus.

Die Veranstalter der Fotoaktion wollten, als Reaktion darauf, ein Zeichen für Vielfalt und Menschlichkeit setzen: „Unsere Stadt steht für Offenheit, Respekt und Zusammenhalt – gegen Rassismus und Sexismus“, heißt es im Aufruf der Organisatoren. Die Aktion selbst dauerte nur wenige Minuten.

Gegen 12.30 Uhr warteten bereits die ersten Menschen vor dem Rathaus – bis 13 Uhr wurden es immer mehr. Frauen, Männer und Kinder hielten Luftballons in den Händen und sortierten die angefertigten Zettel mit Buchstaben, um das Motto „Wir sind das Stadtbild“ in die Kamera halten zu können. Regenbogen-Regenschirme und Seifenblasen ergänzten das bunte Bild vor der Rathaustreppe.

Mit dabei: Renate von den „Omas gegen Rechts“ aus Osnabrück. Ihr sei wichtig, sich gegen Hass und Hetze zu positionieren: „Die Aussage von Merz ist rassistisch und diskriminierend. So etwas zu sagen, ist vor allem als Bundeskanzler beschämend.“ Ihre Freundin Heike ergänzt, es freue sie, dass es in der CDU aber Menschen gebe, die genau das erkannt hätten. Ihrer Meinung nach solle Merz sich ein Beispiel an genau solchen Parteimitgliedern nehmen. Denn Menschen als Sündenböcke zu benennen, sei nicht der richtige Weg, um Lösungen für Probleme zu schaffen.

Auch Vera Hanewinkel, Mitglied beim Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, unterstützte die Fotoaktion: „Vielfalt ist wichtig und essenziell für die Demokratie. Wer das nicht verstanden hat, hat Demokratie nicht verstanden. Außerdem sehe ich mich selbst betroffen: als Mensch, der Freunde hat, die migrantisch gelesen werden – und als Frau.“ Die 41-Jährige betont, dass Merz mit dieser Aussage den Rechten in „die Hände spielen“ würde und das Problem lediglich auslagere. Die meisten Gewalttaten gegen Frauen in Deutschland finden nämlich im häuslichen Umfeld statt, so Hanewinkel.

Annette, die ebenfalls an der Aktion teilnahm, hat selbst zwei Töchter und teilt diese Meinung: „Das Hauptproblem sind Männer, egal welcher Herkunft. Herr Merz muss uns nicht erklären, wie die Welt funktioniert. Wir brauchen keine Belehrung.“

Ungefähr fünf Minuten dauerte die Zusammenkunft von über 300 Osnabrückern. Menschen unterschiedlichster Herkunft von Jung bis Alt beteiligten sich an der Protestaktion. Kurz nach 13 Uhr war das Bild geschossen und der Platz leerte sich nach und nach.

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