Auricher Kunstszene Wo Tim Writes Street-Art ein Zuhause bekommt
Der Auricher Tim Write ist in Aurich mit seinen Graffitis überall präsent. Jetzt zeigt er erstmals seine Werke in einer Galerie. Wie es dazu kam.
Aurich - Von der Straße in die Galerie: Für ein paar Monate bekommt die Kunst des Auricher Graffiti-Künstlers Tim Write ein Zuhause. In der Fockenbollwerkstraße, im ehemaligen Drahtesel direkt neben Bio Baier, stellt der Auricher bis zum Jahresende seine Werke aus. Wie Write mit seinen Werken die Auricher Kunstszene bereichern möchte und warum er mit der Ausstellung auch sehr viel von seinem Inneren zeigt.
„Art und Weise“
Die Ausstellung und der Pop-up-Store sind bis Ende des Jahres geöffnet. Von 16 bis 20 Uhr können die Werke angeschaut werden. Auch Schulklassen können auf Anfrage vorbeikommen.
Die Werke werden bei der Finissage am 19. Dezember dann an den Meistbietenden verkauft.
„Art und Weise“ ist der Name der Galerie und des Pop-up-Stores in der Fockenbollwerkstraße. Hier hat alles ein Zuhause gefunden, was sonst im „stillen Kämmerchen“ kreiert wurde, wie Write sagt. Zuhause lässt sich auch im wörtlichen Sinn verstehen. Den großen leeren Geschäftsraum hat der Street-Art-Künstler so gestaltet, dass ein 3D-Kunstwerk in der Mitte entstanden ist: ein gemütlicher Sessel und eine Tasse Tee, Zeitungen, ein Schaukelpferd. Was auf den ersten Blick wie ein gemütliches Wohnzimmer irgendwo in Ostfriesland aussieht, entpuppt sich als gesellschaftskritisches Werk. Wer wissen will warum, darf einen genaueren Blick in die Teetasse werfen. Dort wächst ein Atompilz als Wulkje heraus. Es ist ein kritischer Blick auf das entspannte Dasein in Ostfriesland.
„Tatort: Schreibtisch“
Ein anderer „Tatort“ befindet sich ebenfalls im Raum: Ein Schreibtisch voller Skizzen, davor ein Klebebandrahmen, wie an einem echten Tatort. Hier lädt Write ein, in seine künstlerische Gedankenwelt abzutauchen. Er hat unzählige Skizzen an die Wand geheftet, auf dem Tisch verteilt. Zerknülltes Papier fällt zu Boden. So ähnlich habe es am Anfang auch ausgesehen. Inzwischen arbeitet Write für seine Aufträge am Tablet und dann am liebsten am Küchentisch, bei seiner Familie. Neben dem Schreibtisch-Tatort sieht es ebenfalls aus wie in einem Krimi: Eine große Aurich-Karte hat der Künstler aufgehängt. Dort ziehen rote Fäden von Pinnadeln über die Straßen. Markiert sind Punkte, wo ausgedruckte Fotos die Straßenkunst Writes in der Umgebung zeigen.
Jeder ist eingeladen, ein Foto mit in die Ausstellung zu bringen und dort anzupinnen. So zieht sich die Verbindung zwischen der Kunst in der Galerie und derer, die im Stadtbild zu sehen ist. Dazu kommen Werke auf Leinwand, Plastiken aus Ton und mehr. Fans können sich sogar T-Shirts oder Kunstdrucke kaufen. Und wer eines der Originalwerke erstehen will, kann ein Gebot abgeben.
Werke aus zehn Jahren in einem Raum
Insgesamt zehn Jahre seiner künstlerischen Entwicklung seien in „Art und Weise“ zu sehen, sagt Write. „Es ist nochmal eine ganz andere Nische“, sagt der Künstler über die Ausstellung. Die Nische füllt auch eine entscheidende Lücke im Bild der Fockenbollwerkstraße. Neben den Versicherungen, Arztpraxen, leeren Geschäften und Biomarkt hat Write seinen festen Platz gefunden, allerdings erst mal nur vorübergehend. Bis zum Jahresende darf er seine Werke dort ausstellen. Helga Bikker hatte ihn bei den Arbeiten an der Kunstschule Miraculum angesprochen und ihm die Ausstellungsmöglichkeit angeboten. Er selbst war von der Idee zunächst überrascht. Kurz habe er sogar gezweifelt, ob er das Projekt überhaupt angehen sollte. „Aber ich bin dann in mich gegangen und hab mir gesagt: Du willst das zeigen, das ist deine Handschrift“, sagt Write.
Jetzt kann er als privater Künstler bis zum Jahresende ausstellen. Wie es dann weitergeht, das muss sich noch klären. Fest steht aber, dass am 19. Dezember die Finissage stattfinden wird. An dem Tag erhalten auch die Bieter ihre Werke. Und auch, wenn die Kunst dann aus ihrem Zuhause ausziehen muss. Tim Write hat schon das nächste Projekt in Aurich vor Augen und das wird dann diesmal nicht nur sein eigenes Ding, sondern mit weiteren jungen Künstlern sein.